Tarifstreit

Post stellt Briefe am Sonntag zu – und sorgt damit für Ärger

Streikende
Postmitarbeiter
auf einer
Großdemonstration
in Bonn Mitte
vergangener Woche

Streikende Postmitarbeiter auf einer Großdemonstration in Bonn Mitte vergangener Woche

Foto: dpa

Konzern lässt im Streik liegen gebliebene Sendungen durch Aushilfen verteilen. Ver.di prangerte die Aktion als „ungesetzlich“ an.

Bonn/Hamburg.  Im Tarifstreit bei der Post sorgt die Sonntagszustellung liegen gebliebener Briefe und Pakete für neuen Ärger. Die Deutsche Post hatte bundesweit Mitarbeiter und Aushilfskräfte – auch in Hamburg – aufgerufen, wegen des unbefristeten Streiks noch nicht zugestellte Sendungen am Sonntag zu verteilen. Die Gewerkschaft Ver.di prangerte die Aktion als „ungesetzlich“ an. Der Streik geht am Montag bereits in die dritte Woche, ein Ende ist nicht in Sicht.

Mehr als 25.000 Mitarbeiter sind Gewerkschaftsangaben zufolge im Ausstand, die Folge seien teilweise „chaotische Verhältnisse“. Dagegen sagte eine Postsprecherin, trotz des Ausstands würden rund 80 Prozent der Briefe und Pakete pünktlich zugestellt. Weil man den Service aber auch in Streikzeiten möglichst hochhalten wolle, habe man sich für eine Zustellung am Sonntag entschieden.

Laut Ver.di hat die Post am Sonntag unter anderem in Hamburg, Kiel, Lübeck, Bad Oldesloe, Trittau, Schwerin, Wismar, Rostock, Neubrandenburg, Zinnowitz, Wolgast und Neustrelitz liegen gebliebene Sendungen zustellen lassen. Zum Anreiz seien 100 Euro steuerfreie Prämie in bar, der individuelle Stundenlohn plus 30 Prozent Sonntagszuschlag und die Anrechnung der Wegezeit zur Arbeitsstätte als Arbeitszeit offeriert worden. Das Angebot sei Stammkräften aus bisher nicht bestreikten Betriebsteilen, befristet Beschäftigten, aber auch betriebsfremden Personen unterbreitet worden.

Die Gewerkschaft hält diese Praxis für illegal. Man prüfe den Anfangsverdacht der Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung sowie einen Verstoß gegen das Verbot der Sonntagsarbeit und die Verletzung des Postgeheimnisses. „Die Deutsche Post beweist wiederholt, dass sie sich nicht an Gesetze halten muss und wird mögliche Ordnungsgelder wohl aus der Portokasse zahlen“, erklärte der Landesfachbereichsleiter Postdienste für den Bereich Nord/Hamburg, Lars-Uwe Rieck. Es sei „skandalös“, wie sich ein Konzern verhalte, an dem der Bund über die Kfw-Bank mit 21 Prozent beteiligt sei.

Eine Unternehmenssprecherin erklärte hingegen: „Wir halten uns an alle gesetzlichen Regelungen.“ Man habe Mitarbeiter der Post sowie Aushilfskräfte zu der Sonderaktion am Sonntag aufgerufen. Dazu, wie viele Freiwillige sich wo beteiligten, machte sie keine Angaben.