Rotherbaum

Uni-Präsidenten aus aller Welt tagen

60 Rektoren wollen Mindeststandards für ein globales Hochschulsystem festlegen

Rotherbaum.  Rund 60 Hochschulpräsidenten aus aller Welt diskutieren seit Mittwochabend in Hamburg über ein globales Hochschulsystem. Beim ersten Transnational University Leaders Council wollen sie bis Freitag einen Katalog gemeinsamer Mindestforderungen vorlegen, der festlegt: Dahinter fällt keiner zurück, sonst handelt es sich nicht mehr um eine Universität, wie der Gastgeber, Hamburgs Uni-Präsident Prof. Dieter Lenzen, sagte. Konkret soll es auf der mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Körber-Stiftung organisierten Tagung auch um eine Debatte über den Wettbewerb der großen Hochschulsysteme gehen – nämlich das atlantische, das kontinental-europäische und das ostasiatische, eher konfuzianisch orientierte System.

Das Transnational University Leaders Council soll der Beginn eines Dialogs über die Grenzen von Ländern und unterschiedlichen Hochschultraditionen hinweg sein. Anlass seien weltweit auftretende Herausforderungen wie die Einschränkung der Hochschulautonomie, Beschneidung von akademischer Freiheit in Forschung und Lehre, die zunehmende Ausdifferenzierung nationaler Hochschulsysteme sowie die Frage der Finanzierung. Geladen sind den Angaben zufolge Hochschulpräsidenten aus ganz Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika.

Die eigentliche Tagung beginnt heute Morgen mit der Einführung durch den Vorstandsvorsitzenden der Körber-Stiftung Lothar Dittmer, HRK-Präsident Prof. Horst Hippler und Uni-Präsident Lenzen. Danach teilt sich das Plenum in mehrere Workshops – ehe der Senat am Abend zum Empfang ins Rathaus bittet, wo Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sprechen will. Am Freitag sollen Ergebnisse der Tagung präsentiert werden.

Lenzen hatte vor Kurzem vor einem Bedeutungsverlust der europäischen Hochschultradition gewarnt. „Wir haben in Europa etwas zu verteidigen, nämlich ein Universitätssystem, das sich sozial verpflichtet weiß, etwa dass es nicht sozial selektiv sein will, oder dass die primäre Aufgabe von Wissenschaft die Aufklärung ist und nicht die Berufsausbildung.“ Scharf kritisierte Lenzen auch das geplante Freihandelsabkommen mit den USA. TTIP sei ein großes Risiko für das Bildungssystem, weil damit Bildung faktisch als Ware freigegeben und Scharen von US-Universitäten und -Schulen hier Niederlassungen eröffnen würden.