Eppendorf

Keksmanufaktur Henk & Henri eröffnet Ladengeschäft

Hamburg-Motive
auf dem Backblech: Nadja Bruhn in ihrer Keksmanufaktur am Eppendorfer Lehmweg

Hamburg-Motive auf dem Backblech: Nadja Bruhn in ihrer Keksmanufaktur am Eppendorfer Lehmweg

Foto: Klaus Bodig

Bäckerin Nadja Bruhn wagt mit der Keksmanufaktur Henk & Henri den Schritt vom Onlinehandel zum eigenen Geschäft.

Hamburg. Auf der Suche nach einem Maler, der ihr das Firmenschild für die Fassade fertigt, ist Nadja Bruhn weiterhin. „Davon gibt es offenbar heute nur noch ganz wenige. Wenn ich keinen finde, mache ich das eben auch selbst“, sagt die quirlige Gründerin, die vor drei Jahren anfing, individuell gestaltete Kekse über das Internet zu verkaufen und jetzt in Hamburg ihr erstes Ladengeschäft eröffnet hat. Die Keksmanufaktur Henk & Henri hat die Räume einer ehemaligen Drogerie am Lehmweg in Eppendorf bezogen und ist Backstube, Geschäft und Café zugleich. Für Nadja Bruhn ist es der nächste Schritt in einer erfolgreichen Unternehmerinnenkarriere.

„Ich wollte von vornherein eine eigene Backstube“, sagt die ausgebildete Modedesignerin, die das Backen schon in ihrer Jugend lieben lernte und schließlich zum Beruf machte. Bislang produzierte sie in einer gemieteten Bäckerei in Rissen. Nun backt sie ihre Kekse im eigenen Ofen. Der Schritt war schon im vergangenen Jahr geplant, doch die damals ins Auge gefassten Räume in Winterhude erwiesen sich dann doch als ungeeignet. Nun also Eppendorf, der Stadtteil, in dem die in einem badischen Dorf aufgewachsene Nadja Bruhn seit 20 Jahren lebt. Der Vorteil: Zwischen Geschäft und Wohnung liegen nur ein paar Schritte.

„Der Erfolg im Internet hat es mir ermöglicht, den eigenen Laden zu eröffnen“, sagt Nadja Bruhn. Die Investitionen hat sie „im überschaubaren Rahmen“ gehalten und vieles selbst gemacht. Auch dabei hat sie ihre Kreativität ausgelebt.

Die Backstube ist durch alte, aufgearbeitete Holzwände mit Fenstern vom Laden abgeteilt. In der gläsernen Manufaktur können Kunden so zusehen, wenn Nadja Bruhn Bleche in den Ofen schiebt und ihre Kekse aufwendig in Handarbeit mit Lebensmittelfarbe und Zuckerguss bemalt. Die stellt die Unternehmerin und Mutter in zahllosen Formen und Designs her. Da gibt es Hamburg-Motive wie die Mürbeteig-Elbphilharmonie, Schiffe und Rettungsringe, Hunde- und Katzenmotiv-Kekse, verpackt in hochwertigen Blechboxen. Derzeit sind Kekslollis ein großer Erfolg, und einen erheblichen Teil ihres Umsatzes macht Henk & Henri mit der Keksfertigung nach individuellem Kundenwunsch.

Die Produkte, die Nadja Bruhn bislang erfolgreich über das Internet verkaufte und an ein Fachgeschäft im Alsterhaus lieferte, liegen auch in den pastellfarbenen Regalen des Geschäfts. Warum aber überhaupt der eher ungewöhnliche und womöglich riskante Schritt vom reinen Onlinehandel zu einem realen Laden? „Ich will mehr Kundenkontakt haben und meine Produkte noch weiter bekannt machen“, sagt sie. Und weil der Laden schon vor der offiziellen Eröffnung für Kunden offen stand, weiß sie schon, dass das funktionieren dürfte. Im Lehmweg gibt es viel anspruchsvolle Laufkundschaft, die sich auch von höheren Preisen nicht abschrecken lässt. Denn wegen des großen Arbeitsaufwandes sind Nadja Bruhns Designerkekse nicht eben günstig. Eine Keksbox mit 400 Gramm Inhalt kostet um die 40 Euro, ein Kekslolli knapp acht Euro.

Dass Onlinehändler ein zweites Standbein im sogenannten stationären Handel suchen, kann aus Sicht des Branchenverbandes Bitkom durchaus sinnvoll sein, „zum Beispiel um Laufkundschaft zu erreichen oder die angebotenen Waren erlebbar zu machen. Angebote, bei denen der Einkauf über die verschiedenen Kanäle hinweg abgewickelt wird, zeigen, dass es kein Entweder-oder sein muss“, sagt Markus Altvater, Bereichsleiter E-Commerce, bei dem Verband für die digitale Wirtschaft.

Der Laden ist nicht der einzige Weg, auf dem Nadja Bruhn sich und ihre Produkte bekannter machen will. Im Backbuch „Kekskunst“ verrät sie Rezepte und gibt Tipps für die kunstvolle Gestaltung des Gebäcks. „Kekskunst“ verkauft sich so gut, dass die Eppendorferin auf Bitten des Verlags gerade am zweiten Buch arbeitet. Es soll im Oktober erscheinen, Thema: Weihnachtskekse.

Auch Kurse rund um das Thema Backenplant die Gründerin schon

Und auch an ihrem eigenen Ofen wird Nadja Bruhn ihre Erfahrungen mit Ausstechformen und Glasurpinsel bald weitergeben. „Wir planen Backkurse zu bestimmten Themen und nach den individuellen Wünschen der Kunden.“, sagt sie. Schon fertig konzipiert ist ein Kindergeburtstag in der Manufaktur samt Keksbackkursus für Kinder ab fünf Jahren.

Viel Arbeit für Nadja Bruhn. Für den Verkauf im Laden und das Café hat sie jetzt eine Aushilfe engagiert und ist damit von der Selbstständigen zur Arbeitgeberin geworden. Sie selbst freut sich auf den Kundenkontakt im Laden und hat sich damit abgefunden, dass sie wegen der festen Öffnungszeiten ihre Zeit weniger flexibel einteilen kann. „Was soll’s, ich bin sowieso eine Nachtarbeiterin.“

Und auch Nadja Bruhns neun und elf Jahre alte Söhne Henk und Henri, nach denen die Firma benannt ist, haben die Vorzüge des Ladens schon entdeckt. „Die holen sich jetzt mal schnell was Süßes oder eine Orangina“, schmunzelt Nadja Bruhn, „das ist doch ein Kindertraum, wenn die Mutter ein Süßigkeitengeschäft hat.“