Hamburg

Die Champions League der Diebe

Nicht nur die spanischen Fußballfans feierten am Sonnabend in Berlin einen großen Sieg. Auch die Diebe der Stadt sind selten so erfolgreich aufgetreten. Ich kann ihnen nur meinen Respekt erweisen für die unglaubliche Leistung, mich und meine Freundinnen innerhalb von acht Stunden dreimal beklaut zu haben. Zum ersten Mal landeten sie einen Treffer vor dem Grand-Hyatt-Hotel, als Hunderte von Fans einen Blick auf die Spieler des FC Barcelona werfen wollten. Wir kamen nur zufällig des Weges, doch schwupps war eine Geldbörse verschwunden. Ob Messi und Neymar uns den Schaden bitte ersetzen könnten? Gracias.

Beim zweiten Angriff in einem Kreuzberger Restaurant spielten die Kriminellen einen genialen Doppelpass und stahlen ein Handy aus einer Jacke und eine Handtasche vom Tisch. Ganz großer Sport. Auf meiner persönlichen Aufstellung gestohlener Gegenstände führt Berlin nun gegenüber Hamburg mit 7:3. (Und wegen der Jacke, die sich 1996 beim U-Bahn-Fahren in Luft auflöste, bin ich immer noch sauer!)

Die Diebe der Hauptstadt zeigen ihre Champions-League-Qualitäten auch dadurch, dass sie alle Räume dichtmachen und nicht nur in bestimmten Arealen agieren, so wie die Hamburger Langfinger. Wann immer ich hier etwas vermisste, befand ich mich in einem Radius von ungefähr 100 Metern rund um den Hans-Albers-Platz. Das lässt einem die Chance zur Verteidigung. Wenn ich jetzt meine Tasche für einen Kiezbesuch packe, dann weiß ich jedenfalls vorher genau, was mir bald nicht mehr gehört.