HafenCity

Was die Schlacht bei Waterloo mit Hamburg zu tun hat

Das Gemälde „Schlacht von Waterloo“ zeigt Napoleon am 18. Juni 1815 inmitten des Gemetzels

Das Gemälde „Schlacht von Waterloo“ zeigt Napoleon am 18. Juni 1815 inmitten des Gemetzels

Foto: picture alliance

Vor 200 Jahren verlor Napoleon die entscheidende Schlacht. Jetzt bekommt das Maritime Museum die Nachschrift der legendären Depesche.

HafenCity.  Diese Depesche hat Geschichte geschrieben – entsprechend pompös ist die Zeremonie, mit der sie jetzt nach Hamburg transportiert wird. Geschrieben wurden die historischen Zeilen am 19. Juni 1815 von Arthur Wellesley, dem Herzog von Wellington.

Der britische Heerführer überbrachte den Mitstreitern in seinem Heimatland eine frohe Botschaft: An der Seite des preußischen Feldmarschalls Blücher hatte der Engländer am Tag zuvor den französischen Kaiser Napoleon Bonaparte bei Waterloo vernichtend geschlagen. Damit war auch in Hamburg die schon 1814 nach acht Jahren beendete „Franzosenzeit“ endgültig ad acta gelegt.

Aus Anlass des 200. Jahrestages dieses geschichtsträchtigen Ereignisses stechen am 19. Juni zwei besondere Segelschiffe in der belgischen Hafenstadt Zeebrügge in See und nehmen Kurs auf Hamburg. Die königlich-britische Yacht „Sarva“ unter dem Kommando von Dave Ford und der Expeditionssegler „Mazurka“ mit Jochen Werne am Steuer gehen drei Tage später im Hafen von Bord und fahren mit kleineren Booten direkt zum Internationalen Maritimen Museum. Dort wird die Nachschrift der legendären Waterloo-Depesche feierlich übergeben. Am Abend dieses 22. Juni steht in der Katharinenkirche eine weitere Zeremonie auf dem Programm.

Hamburg ist bewusst als Zielort der historischen Tour gewählt. Denn von 1806 an hatten die Hanseaten mit ihren französischen Besatzern Plage. Die Bellealliancestraße in Eimsbüttel erinnert an diese Epoche. Im Stadtbild präsent sind nach wie vor Straßen wie Franzosenkoppel in Lurup und Franzosenheide in Schnelsen, aber auch Denkmäler in Ottensen, Hamm, Barmbek-Süd und Marmstorf. Tausende Hamburger Vertriebene starben vor den Toren der Hansestadt an Kälte, Hunger und Seuchen. Begriffe wie Malesche, Plörre oder Fisimatenten blieben im Sprachgebrauch erhalten.

„Die Schlachten von Trafalgar 1805 und Waterloo zehn Jahre später hatten große Bedeutung für Hamburgs Unabhängigkeit“, weiß Wulf Brocke, Berater und Rechercheur des Maritimen Museums im Kaispeicher B in der Speicherstadt. Bei einem Rundgang durch das Museum, dessen Archiv und Bibliothek zeigt Brocke handverlesene Erinnerungsstücke, die Gründer Peter Tamm im Laufe der letzten Jahrzehnte gesammelt hat. Am 22. Juni will er den Teilnehmern der historischen Mission mit einem Empfang danken.

Zur Sammlung gehören 24 Originalbriefe des britischen Admirals Lord Horatio Nelson, der am 21. Oktober 1805 am Kap Trafalgar starb. Einer liegt in der „Schatzkammer“ des Maritimen Museums und ist an den Vater eines Seekadetten gerichtet. Hervorragend erhalten ist ebenfalls ein Schreiben aus der Feder Napoleons. Davon gibt es wahrlich nicht viele auf der Welt. Am 5. Januar verfasste der Franzose die Zeilen an seinen General und Geheimdienstchef mit dem schönen Namen Anne-Jean-Marie-René Savary. Seine Unterschrift krönte der Kaiser mit einer kleinen Zeichnung der für ihn typischen Kopfbedeckung, dem Zweispitz.

Die Hamburger hatten wenig Freude am nur 1,68 Meter großen Diktator: Um die Kontinentalsperre gegen Erzfeind England, eine Wirtschaftsblockade, durchzusetzen, besetzten Truppen des Herrschers am 19. November 1806 die Hansestadt. Die Franzosen verboten jeglichen Handel mit Großbritannien und beschlagnahmten sämtliche Waren. Bankrotte zuvor florierender Wirtschaftsunternehmen, Arbeitslosigkeit und Armut vor allem in den unteren Bevölkerungsschichten waren Folgen. Das Arrondissement Hamburg war dem französischen Kaiserreich einverleibt. Fast alle Kirchen wurden zu Stallungen für Pferde umgewidmet. Kurz vor Weihnachten 1813 ließ der Kommandant 30.000 mittellose Bürger, dar­unter Frauen und Kinder, aus der befestigten Stadt vertreiben. Die Kaufleute mussten wirtschaftlich bluten.

Ende Mai 1814, nachdem die Alliierten Paris erobert hatten, endete die Franzosenzeit an der Elbe. Die Nordarmee unter Führung des schwedischen Kronprinzen Karl Johann gewann die Oberhand. Doch erst Napoleons endgültige Niederlage bei Waterloo im heutigen Belgien sicherte die Unabhängigkeit der Hansestadt dauerhaft. Manifestiert wurde dieser Status zum Abschluss des Wiener Kongresses, der im September 1814 begann und am 9. Juni 1815 mit einem Vertragswerk ausklang. Dieses ordnete Europa vor fast genau 200 Jahren weitgehend neu.

Die jetzt anstehende Zeremonie mit der historischen Segeltour von Zeebrügge nach Hamburg und Übergabe der Waterloo-Depesche erinnert auch an diesen Schnitt.