Hamburg

Es regnet - oder auch nicht. Wie gut sind Wettervorhersagen?

Haben Sie den kleinen Wetterbericht auf der Titelseite gelesen? Oder schauen Sie sich gleich die ausführliche Vorhersage an? Fakt ist: Fast jeder von uns interessiert sich, ob die Sonne scheinen wird oder doch mit Regen zu rechnen ist. Aber seit wann gibt es Wettervorhersagen? Wie wird die Vorausschau berechnet und wie hoch ist die Trefferquote?

Egal ob bei den Sumerern oder Etrus­kern, im alten Griechenland oder Rom – überall in der Antike herrschte der Glaube an einen Wettergott. Dieser belohnte oder bestrafte die Völker für ihr Handeln mit Sonne oder Regen, Sturm oder Dürre. Die Menschen lebten mit diesen Launen und nahmen sie als gottgegeben hin. Einer der ersten, der sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzte, war der griechische Philosoph Aristoteles. Seine Schrift Meteorologica galt fast 2000 Jahre lang als das Standardwerk der Meteorologie. Erst mit der (Weiter-)Entwicklung von Thermometer und Barometer im 17. Jahrhundert erreichte die Wettervorhersage eine nächste entscheidende Stufe.

Heute haben Meteorologen zur Vor­ausberechnung des Klimas geballte Technik zur Verfügung: Wettersatelliten, Messbojen, Wetterradarstationen, Wetterballons, Wetterwarten, mobile Messstationen – sie alle liefern jederzeit Messdaten und Bilder, mit denen am Computer die Wetterentwicklung für die kommenden Stunden, Tage und Wochen ermittelt werden kann. Trotz dieser Möglichkeiten hat der Grundsatz „Nix ist fix“ Bestand. Die Gründe hierfür reichen von Messungenauigkeiten über fehlende Daten für zahlreiche Gebiete der Erde (gerade über dem Wasser) bis zum sogenannten Schmetterlingseffekt, bei dem kleinste Wetterphänomene große Veränderungen herbeiführen können.

Womit wir bei der Genauigkeit der Berechnungen wären. Hier gilt: Je kurzfristiger die Voraussage, desto genauer ist sie. So liegt die Wahrscheinlichkeit, das Wetter für die kommenden Stunden richtig vorherzusagen, bei 98 %. Hierbei schaut der Meteorologe auf das aktuelle Radarbild und kann erkennen, wie wolkenlos der Himmel ist. Relativ sicher sind auch 3-Tages-Trends, bei denen die Vorhersage in neun von zehn Fällen stimmt. Fehler entstehen hier meist nur durch schneller als erwartet wandernde Kalt- oder Warmfronten und nicht registrierte kleinere Hoch- bzw. Tiefdruckgebiete.

Soll das Wetter der nächsten vier bis zehn Tage vorhergesagt werden, wird es kniffliger. Zu viele Faktoren nehmen Einfluss und können sich noch ändern, sodass die Trefferquote bis zum zehnten Tag auf gut 50 Prozent sinkt. Langfristige Prognosen über Wochen oder Monate gelten selbst unter zahlreichen Experten als unseriös.

All dies mag uns einerseits beruhigen, anderseits aber auch frustrieren, da die Planungen für die Gartenparty z. B. am 16. Juli wetterunabhängig laufen müssen.

Wird sich dies in Zukunft ändern? Fast zwei Drittel von uns sind zuversichtlich, dass die Wettervorhersage in den kommenden 20 Jahren mehr Planungssicherheit ermöglicht. Dieses optimistische Zukunftsbild ist durchaus plausibel, da die prognostische Kompetenz der Wetterexperten seit Jahren kontinuierlich wächst. Mehr meteorologischer Weitblick wird helfen, Unwetter und Naturkatastrophen schneller und präziser vorhersagen zu können. Auch dem Marketing für Tourismusregionen und der Landwirtschaft wird diese Entwicklung nutzen.

Zudem wird jeder Einzelne von uns davon profitieren – sei es bei der Planung fürs Wochenende oder dem Weg zur Arbeit. Doch eines wird auch die präziseste Wettervorhersage nicht verbessern: Das Wetter selbst. Daher werden wir auch in Zukunft an jedem dritten Tag im Jahr in Hamburg den Regenschirm mitnehmen müssen.