Hamburg

City-Brunnen auf dem Trockenen

Behördenposse im Bezirk Mitte: Der einzige Techniker, der die Wasserspender anschalten konnte, ist pensioniert worden

Hamburg.  Es ist eine Posse ohnegleichen: In der Hamburger Innenstadt sind trotz steigender Temperaturen fast alle Brunnen stillgelegt – weil dem zuständigen Bezirksamt Hamburg-Mitte ein Mitarbeiter fehlt, der sie anschalten könnte.

Beispiel Großneumarkt: In den vergangenen Jahren hatte der schöne Brunnen, eine Arbeit der Künstlerin Doris Waschk-Balz, schon seit Anfang Mai stets geplätschert. Jetzt steht er seit Wochen knochentrocken in der Sonne und wird als Mülleimer missbraucht.

Anwohner Helmut Kalb wunderte sich über den tristen Anblick und rief vor einigen Tagen beim Bezirksamt an. Auf Nachfrage erläuterte man ihm, dass es da ein Problem gebe, denn aktuell könne niemand den Brunnen anschalten. Bezirksamtsprecherin Sorina Weiland bestätigt das. Der technische Mitarbeiter, der die Brunnen bislang betreut hatte, ist in den Ruhestand gegangen, die Stelle konnte bislang nicht nachbesetzt werden.

Unglaublich: Auch die anderen Brunnen im Bezirk sind deshalb nach wie vor abgeschaltet, beispielsweise der Hummelbrunnen am Rademachergang, der Brunnen „Metamorphosen“ auf dem Gustav-Mahler-Platz und der Hammoniabrunnen auf dem Hansaplatz. Öde und verdreckt liegen auch die Alte Pferdetränke an der Otzenstraße und der Brunnen im Park unterhalb des Michels seit Wochen brach.

Anwohner, Geschäftsleute und Sponsoren sind empört

Eine Ausnahme sind nur der Mönckebergbrunnen (Spitalerstraße) und der Brunnen im Innenhof des Rathauses, die aber weitgehend unabhängig vom Bezirksamt betrieben werden.

Der Hummelbrunnen von 1938, der einzige in Hamburg-Mitte, dem Trinkwasserqualität zugeschrieben wird, war erst im vergangenen Jahr nach aufwendiger Sanierung mit großem Rummel neu eingeweiht worden. Das Geld für die Instandsetzung stammt vom Verein Freunde der Denkmalpflege, dessen Mitglieder kräftig gespendet hatten. Jetzt sieht der Brunnen wie ein riesiger Mülleimer aus: Flaschen und Dosen, Laub und Zeitungen liegen auf seinem trockenen Boden, eine Anwohnerin geht kopfschüttelnd vorbei. Helmuth Barth, Vorsitzender des Denkmalpflegevereins, ist empört: „Bei der Einweihung hat man uns vonseiten des Bezirksamts noch versprochen, dass der Brunnen von nun an immer ganz besonders gepflegt werde – und nun dieser Eindruck.“ Barth weiter: „Unsere Mitglieder haben natürlich für einen funktionierenden Brunnen Geld gegeben – ich bin fassungslos.“ Das sind auch Anwohner und Geschäftsleute am Großneumarkt. „Ich habe schon mehrmals Touristen gesehen, die ziemlich ratlos vor dem Brunnen standen“, berichtet Sabine Brandt, Inhaberin des Geschäfts „Perle“. Normalerweise ist der Brunnen mit dem im Hintergrund über die Häuser ragenden Michel ein beliebtes Fotomotiv – jetzt fehlt dem Ganzen jeglicher Charme. „Das kann doch nicht wahr sein“, ärgert sich Hasan Benli, der seit 32 Jahren einen Gemüsestand auf dem Platz betreibt, „damit macht sich Hamburg doch lächerlich. Was wäre wohl los, wenn man dem Rathausbrunnen das Wasser abdrehen würde?“

„Das ist nicht optimal gelaufen“, heißt es im Bezirksamt

Vor Ort kann sich niemand vorstellen, dass es mit sehr viel Aufwand verbunden ist, einen Brunnen zum Laufen zu bringen. „Ich habe dabei in den vergangenen Jahren manchmal zugeschaut“, berichtet Helmut Kalb, „das war eine Sache von einer Viertelstunde.“ Und Karsten Brandt, Repräsentant des Traditionslokals „Irish Rover“ wundert sich: „Die Leute, die Privatbrunnen unterhalten, kriegen das doch auch gebacken.“ Tatsächlich: Nur knapp 500 Meter entfernt steht in einem Innenhof an der Peterstraße ein privat betriebener Brunnen – und der ist gut mit Wasser gefüllt.

„Das ist nicht optimal gelaufen“, gibt Sorina Weiland zu. Da alle Behörden hohe Sparauflagen haben, sei die vakante Stelle nicht sofort nachbesetzt worden. Die zuständigen Mitarbeiter in der Abteilung für Ingenieurbauten hätten aber „unermüdlich“ darauf gedrungen, bis dem Verfahren schließlich oberste Priorität eingeräumt worden sei. Nun wird die Stelle im relativ zügigen „Interessenbekundungsverfahren“ ausgeschrieben und so zeitnah wie möglich nachbesetzt. „Uns ist daran gelegen, dass schnellstens ein Techniker gefunden wird“, verspricht Weiland.

Die Menschen vom Großneumarkt sind skeptisch – und reagieren mit Ironie. Helmut Kalb fürchtet: „Wenn diese Stelle besetzt wird, ist der Sommer wahrscheinlich schon wieder vorbei.“