Hamburg

Sein Unternehmen plant den Partyurlaub nach dem Abitur

Kommt aus einer reisebegeisterten Familie und leitet heute den Veranstalter Jam Reisen: Nico Vogler hat mittlerweile mehr als 50 Beschäftigte

Kommt aus einer reisebegeisterten Familie und leitet heute den Veranstalter Jam Reisen: Nico Vogler hat mittlerweile mehr als 50 Beschäftigte

Foto: Marcelo Hernandez

Das Hamburger Unternehmen Jam ist Marktführer für Reisen nach der Reifeprüfung. Die Schüler werden anspruchsvoller.

Hamburg. Laut, schrill, voll – für stark erholungsbedürftige Berufstätige ist Lloret de Mar wohl eher nicht das richtige Urlaubsziel. Bei dem Hamburger Touristikunternehmen Jam Reisen ist die spanische Stadt an der Mittelmeerküste mit 18 Diskotheken und mehr als 100 Bars aber das mit Abstand beliebteste der elf angebotenen Zielorte, fast ein Viertel der insgesamt gut 50.000 Kunden in diesem Jahr fährt oder fliegt dorthin. Erstaunlich ist das nicht, denn Jam ist nach Angaben von Geschäftsführer Nico Vogler der größte deutsche Veranstalter von Abireisen – und für diese Zielgruppe zähle nur eines: „Wo habe ich die größte Party?“

Vorbild für diese Touren sind die sogenannten „Spring Break“-Collegeferien in den USA, in denen nicht selten bis zur völligen Erschöpfung gefeiert wird. Vogler gehört zu den Pionieren dieses Reisemarktsegments in Deutschland. Erfahrungen damit sammelte er schon vor der Gründung von Jam im Herbst 2002, noch während er für den inzwischen insolventen Hamburger Billigreiseveranstalter Rainbow Tours arbeitete.

„Das Ziel war, für eine bessere Auslastung in den sonst eher schwächeren Monaten Mai und Juni zu sorgen“, sagt er. Aufgrund von Konflikten mit dem damaligen Rainbow-Tours-Chef entschied sich Vogler, zusammen mit einem Geschäftspartner ein eigenes Unternehmen für diesen Bereich aufzuziehen. „Gerade einmal 3500 Gäste hatten wir in der ersten Saison“ – und Lloret de Mar war eines von drei Zielen. Spanien stellt noch immer die Mehrheit unter den Destinationen, aber auch mehrere Orte in Osteuropa, etwa am Plattensee in Ungarn und an der bulgarischen Schwarzmeerküste, sind inzwischen hinzugekommen.

Die Suche nach neuen Zielgebieten sei nicht einfach, sagt Vogler: „Wenn man als Erster kommt, ist da noch nichts los.“ In Novalja (Kroatien) gehörte Jam zu den ersten Anbietern und dort hat es sich ausgezahlt, das Risiko einzugehen: Mit sechs Open-Air-Diskotheken und Gastspielen prominenter DJs hat sich das Kleinstädtchen an der Adria zu einem neuen Partymekka entwickelt.

Trotz mancher Rückschläge etwa durch Zweitmarken, die nicht so gut beim Publikum ankamen, konnte der Hamburger Veranstalter in den zurückliegenden Jahren in der Regel mit Wachstumsraten zwischen zehn und 30 Prozent expandieren. „Das hat uns ziemlich bis an unsere Grenzen getrieben“, sagt Vogler. Heute führt er das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Tim sowie mit Tim Risse, der erst im vergangenen Jahr in die Geschäftsführung aufrückte.

Mit Blick auf die Zielgruppe liegt auch der Altersschnitt der 52 Beschäftigten von 29,8 Jahren recht niedrig. „Mit meinen 41 Jahren ziehe ich den Schnitt deutlich nach oben“, so Nico Vogler. Durch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums legen viele Schüler ihr Abitur heute schon mit 17 Jahren ab, ein Viertel der Kunden von Jam Reisen sind minderjährig. Weil das Unternehmen im Gegensatz zu manchen Wettbewerbern unbetreute Jugendreisen anbietet, ist für diese Gäste eine „gesunde Vertrauensbasis zwischen Eltern und Jugendlichen“ sowie eine Einverständniserklärung der Eltern unerlässlich.

Zwar sprechen die bis zu 280 Reiseleiter an den Zielorten laut Vogler „hin und wieder auch mal ein Machtwort“, die Verantwortung für die Gäste übernehmen sie aber nicht – „und so schlimm, wie es dargestellt wird, ist Lloret auch nicht.“ Immerhin gibt es vor Ort einen rund um die Uhr besetzten Notdienst des Veranstalters.

Anspruchslose Kunden seien die Abiturienten keineswegs: „Wenn das Essen in einem Hotel nicht gut sein sollte, bekommen wir das zu hören.“ Auch bei den Abireisen liegen All-inclusive-Angebote im Trend. „Selbst die Getränke in der Disco sind dann im Preis enthalten“, sagt Vogler.

Neben dem Abireise-Segment hat er in den zurückliegenden Jahren als zweites Standbein des Unternehmens einen Bereich für Jugendreisen in den klassischen Urlaubsmonaten Juli und August aufgebaut, der inzwischen rund 50 Prozent des gesamten Geschäfts ausmacht. „Bei den Sommerreisen ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft“, sagt Vogler. Für das kommende Jahr peilt er bei einer Steigerung der Gästezahl auf knapp 70.000 einen Umsatz von 30 Millionen Euro an: „Leider wachsen die Erlöse nicht so stark wie die Kundenzahlen.“

Insgesamt acht Veranstalter von Jugendreisen gibt es in Deutschland

Acht Veranstalter von Jugendreisen gebe es in Deutschland, wobei Jam sich als Marktführer im Alterssegment von 16 bis 25 Jahren sieht. Da der Gesamtmarkt nicht wachse, mache sich nun ein immer härterer Verdrängungswettbewerb breit. „Wir haben gerade 900.000 Euro in ein neues Reservierungssystem investiert“, so Vogler, „kleine Konkurrenten können so etwas nicht wuppen“. Vor diesem Hintergrund geht der Jam-Chef davon aus, das Wachstum auch in den nächsten Jahren fortsetzen zu können.

Eine Karriere in der Touristikbranche war für Nico Vogler eine naheliegende Berufswahl: „Ich komme aus einer sehr reisebegeisterten Familie“, erzählt er. Zunächst arbeitete Vogler jedoch als Surflehrer, weil er so möglichst oft im Ausland sein konnte. Vielleicht ließe sich da ja eine Verbindung herstellen: „Freunde von mir bieten Surfreisen an – und die sind entspannter als ich. Aber ich liebe meinen Job und komme mit den 60-Stunden-Wochen gut klar.“