Hamburg

Dit ist Berlin

Freitag, der Abend vor dem großen Pokalfinale, Vorfreude auf ein entspanntes Essen mit den Kollegen im Schatten des Berliner Fernsehturms. Die Luft ist gerade noch warm genug, um draußen zu sitzen. Als wir in der Speisekarte blättern, pöbelt ein Radfahrer einen Fußgänger an: „Hau ab!“ Zwei Minuten und rund 20 nicht druckreife Beleidigungen später fliegen die Fäuste, nur mit Mühe können andere Gäste die Rambos trennen.

Berlin, die zweite Nacht, Bankett des Pokalverlierers Borussia Dortmund. Die Stimmung so mau wie die Leistung von Nationalspieler Marco Reus im Endspiel gegen Wolfsburg, Schwarz-Gelb trägt Trauerflor. Die Band widmet den Grönemeyer-Song „Gib mir dein Herz zurück“ Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking: „Gib uns den Pokal zurück, du brauchst ihn doch wirklich nicht“. Ruhrgebiets-Prosa.

3 Uhr: Rückfahrt ins Hotel, Taxifahrer muffelt angesichts der kurzen Tour, kein Dank fürs Trinkgeld. Die Nachtruhe währt genau 33 Minuten. Sirenen jaulen in allen Zimmern, aus Lautsprechern dröhnt die Aufforderung, das Hotel sofort zu verlassen. Im flackernden Blaulichtschein der Feuerwehrautos stehen wir mit kurzen Hosen und kleinen Augen vor der Tür, bis die Dame am Empfang Entwarnung gibt. Nein, es habe nicht gebrannt, wir könnten alle wieder in die Zimmer. An Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Nächster Morgen, die Augen gleichen Schlitzen, Aufklärung beim Check-out. Zwei betrunkene Gäste hätten sich mit Feuerlöschern duelliert, der Schaum habe den Alarm ausgelöst. Die Übeltäter seien aber erwischt worden, weiße Fußspuren hätten sie überführt. Und ja, das würde teuer, allein 3000 Euro koste der Einsatz der Feuerwehr. Für den geraubten Schlaf gibt es indes keinen Euro. Dit is Zufall? Nee. Dit is Berlin.