Gleichklang

Aufregung um „nervigen“ neuen Gong an Hamburgs Schulen

An Hamburgs Schulen gibt es zur Pause künftig einen Gleichklang (Symbolbild)

An Hamburgs Schulen gibt es zur Pause künftig einen Gleichklang (Symbolbild)

Foto: Bodo Marks / dpa

Einrichtungen läuten bald mit einheitlichem Signal zur Pause. Sogar ein Toningenieur wurde beauftragt. Der Klang passt nicht jedem.

Hamburg.  Gleichschaltung – dieser Begriff löst ein beklemmendes Gefühl aus. Nun geht es im vorliegenden Fall von Harmonisierung lediglich um den guten Ton in Hamburgs Schulen, der Unterrichtsbeginn und -ende anzeigt. Trotzdem sorgt die Nachricht, dass alle 383 staatlichen Schulen der Hansestadt einen einheitlichen Gong bekommen, in vielen Familien derzeit zumindest für Diskussionsstoff. Eltern erfahren eher nebenbei, was ihre Sprösslinge zum Stundenwechsel hören. So hieß es jetzt in einem Infobrief über das aktuelle Leben am Gymnasium Grootmoor in Bramfeld, dass die Schulbehörde das Haus „mit neuen Tönen“ versorgt habe. Gewöhnungsbedürftig sei das, was da nun aus dem Lautsprecher zum Stundenwechsel schallt, „jedoch kommen sie einigen aus dem Freizeitbereich vertraut vor“.

Wie „vor der Durchsage am Flughafen“

Wer den Nachwuchs nach dem neuen Lied von der Glocke fragt, erfährt, es höre sich „an wie auf dem Flughafen, bevor die Durchsage kommt“. Geht es etwas genauer? Also, es sei ein Dreiklang statt der Klingel. Die Mutter horcht sich im Freundeskreis um und sieht Hamburgs Tendenz zur neuen Frequenz bestätigt. Schüler des Wilhelm-Gymnasiums in Harvestehude beschreiben die Tonfolge als „modernes La-Le-Lu“, das von der Mehrheit der Schüler als nervig empfunden würde: „Das geht gar nicht!“

Auf Nachfrage bestätigt der Sprecher der Finanzbehörde, Daniel Stricker, die akustische Veränderung, für die der Landesbetrieb Schulbau Hamburg (SBH) verantwortlich zeichnet: „Die staatlichen Hamburger Schulen erhalten seit dem Jahr 2014 nach und nach – sobald eine neue Anlage erforderlich wird – auch einen neuen, einheitlichen Gongton. Aus urheberrechtlichen Gründen ist der Ton für alle Schulen einheitlich.“ Ein Toningenieur habe im Auftrag von Schulbau Hamburg einen neuen Gongton erstellt, der sich „am gewohnten Dreiklang orientiert und auch nur an Hamburger Schulen im Einsatz ist“. Es werde „einige Jahre dauern, bis alle Schulen den neuen Ton erhalten haben“.

Behörde hält Hörbeispiel zurück

Eine Audiodatei der exklusiven Komposition wollte man dem Abendblatt nicht zum Probehören zur Verfügung stellen, „um Missbrauch vorzubeugen“. Was mit dem normalen Schulton für Missbrauch betrieben werden könnte (zumal im Zeitalter der Smartphones auch Aufnahmen vor Ort möglich wären), bleibt unklar. Zumal ausdrücklich nicht der Sound für Brandmeldung und Amok-Alarm angefragt war. Apropos: Hier verändert sich laut Behörde nichts, Signaltöne und Durchsagen seien standortabhängig.

Unverändert klinge(l)n dagegen die 21 katholischen Schulen. Beim größten freien Träger mit insgesamt 9500 Schülern entscheiden die Häuser selbst über „ihren“ Klang. Eine Vereinheitlichung des Pausentons ist nach Aussage des Schuldezernenten Erhard Porten, Geschäftsführer des Katholischen Schulverbandes, auch nicht vorgesehen: „Wir wollen die Individualität der einzelnen Schulstandorte auch zukünftig ermöglichen.“