Kokainhandel

Drogendealer soll eine Million Euro an den Staat zahlen

Insgesamt 948 Kilogramm Kokain, so war der Plan, sollten verkauft werden. Bei immerhin 650 Kilogramm hat es geklappt. Dafür sitzt Adam K. bis mindestens 2020 im Gefängnis

Insgesamt 948 Kilogramm Kokain, so war der Plan, sollten verkauft werden. Bei immerhin 650 Kilogramm hat es geklappt. Dafür sitzt Adam K. bis mindestens 2020 im Gefängnis

Foto: Hans Wiedl / picture-alliance/ ZB

Adam K. sitzt im Knast. Ein Gericht beriet nun über Sparbücher, Verdienstmöglichkeiten und über an den Staat zurückzuzahlende Schulden.

Neustadt.  „Mickey Mouse“ nannte sich der eine, der andere wollte mit „Frank“ angeredet werden. Beides jedenfalls mitnichten die richtigen Namen der Männer, vielmehr waren Tarnung und Täuschung angesagt. Schließlich ging es bei dem Geschäft, in dem unter anderem eine Comicfigur als virtuelle Maskerade diente, um Drogen.

Insgesamt 948 Kilogramm Kokain, so war der Plan, sollten verkauft werden. Bei immerhin 650 Kilogramm hat es geklappt. Ein Millionendeal. Doch dann flogen die illegalen Machenschaften auf, und die Verbrecher, die an dem Deal hübsch verdient hatten, wurden festgenommen.

Adam K. (Name geändert) ist einer der Männer aus dem international agierenden Drogenkartell, der wegen dieses lukrativen Geschäfts aus dem Jahr 2012 schon eine satte Freiheitsstrafe von elf Jahren und drei Monaten aufgebrummt bekommen hat. Jetzt, in einem neuen Prozess vor dem Landgericht, geht es für den 37-Jährigen nicht mehr um die Frage, ob diese Haftdauer angemessen ist oder nicht. Der Mann sitzt seine Strafe schon fleißig ab; frühestens 2020 darf er auf vorzeitige Entlassung hoffen.

Nun soll vielmehr geklärt werden, welche Summe als „verfallen“ deklariert werden kann, also dem Mann als Schulden zuzumuten sind, die er irgendwann an den Staat zurückzahlen müsste. 7,9 Millionen Euro, also die gesamten, von allen aus dem Kartell gemeinsam erwirtschafteten Einnahmen aus dem Drogendeal, wie es ursprünglich festgesetzt wurde – und an denen er bis in alle Ewigkeit zu knapsen hätte? Oder würde dieser üppige Betrag an die Praktiken des finsteren Mittelalters erinnern, als Menschen zum Teil lebenslang in Schuldhaft kamen – ohne Chance, sich jemals von der Schuldenlast zu erholen?

Löwenanteil an Auftraggeber weitergeleitet

„Für die Kammer ist das juristisches Neuland“, sagt der Vorsitzende Richter im Prozess gegen Adam K. Über mehrere Verhandlungstage hat sich das Gericht mit den Finanzen des Angeklagten auseinandergesetzt, bis auf den letzten Euro seine Sparbücher, seine Lebensversicherung und anderen Besitz bewertet und Prognosen aufgestellt, welche beruflichen Möglichkeiten er nach seiner Entlassung aus der Haft haben wird.

Die 7,9 Millionen Euro waren Adam K. nicht persönlich verblieben, sondern er hatte den Löwenanteil an seine Auftraggeber weitergeleitet. Als gelernter Betriebswirt mit Organisationstalent, der sechs Sprachen spricht, war der Familienvater in Sachen Logistik und Verwaltung des Geldes für die Drogenbosse im fernen Kolumbien quasi Gold wert. Nur dass sich das für den 37-Jährigen nicht auszahlte. Rauschgiftdeals sind keine seriösen Geschäfte und ein reguläres Salär nicht gerade üblich. Abgerechnet werden sollte erst, wenn sämtliches Koks verkauft ist.

Also wurden erstmal die Drogen gesichert, in eigens dafür hergestellten Stahlreifen versteckt, von Südamerika nach Europa geschafft, die Details des Deals in verschlüsselten Botschaften am Telefon abgestimmt. Doch dann erfolgte im November 2012 die Festnahme, und das Geld, das Adam K. bis zu dem Zeitpunkt von seinen Hintermännern für seine Bemühungen bekommen hatte, „ist längst weg“, konstatiert der Richter trocken. Laut Gesetz könne deshalb von dem Verfall „ganz oder teilweise abgesehen werden. Das ist eine Ermessensentscheidung“. Zu berücksichtigen sind dabei die wirtschaftlichen Verhältnisse, auch für die Resozialisierung nach der Haftentlassung.

Nach seiner Haft hat er 20 Jahre Zeit für ehrliche Arbeit

Der Angeklagte würde 7,9 Millionen Euro „auch bis an sein Lebensende nicht zahlen können“, so der Vorsitzende Richter weiter. „Das würde einem Menschen jegliche Perspektive nehmen. Das wollen wir nicht.“ Allerdings müsse Adam K. natürlich in Kauf nehmen, dass er seinen bisherigen Lebensstil erheblich einzuschränken hat.

Also wird sich Adam K. in den gut zwanzig Jahren, die er nach seiner Haftentlassung noch arbeiten kann, schon gut ins Zeug legen müssen. Ein paar Werte, unter anderem eine Wohnung, besitzt er noch, und deren Verkauf ist ihm zuzumuten. Zudem sei ihm bei seinen Fähigkeiten 60.000 Euro legal erzieltes Jahreseinkommen zuzutrauen, meint das Gericht. Davon wird er jedes Jahr 40.000 Euro als sogenannten Wertverfall aus dem Drogendeal an den Staat zahlen müssen. Die insgesamt eine Million Euro, die das ergibt, seien zwar „ein harter Brocken“, begründet der Vorsitzende Richter die Entscheidung der Kammer. „Aber immerhin handelte es sich um Kokainhandel im großen Stil.“