Meinung

Pessimisten können nicht enttäuscht werden

Flasche leer oder Flasche voll? Wer von Grund auf Schwarzseher ist, beugt Enttäuschungen vor. Oder?. Der Geist, von dem André über Pfingsten heimgesucht wurde, war nicht unbedingt heilig. „Ein vergurktes Fest“, wetterte der Freund nach dem Abpfiff des finalen Fußballspieltages. Nicht nur der HSV-Sieg hatte ihm das Wochenende verdrießt. Aus seiner Sicht war jedes Spiel ein Abstieg – St. Paulis Klasse mal ausgeklammert.

Dazu muss man wissen, dass sich André von der Bezeichnung „Schwarzseher“ geschmeichelt fühlt. Pessimismus ist der schwarze Faden seines sportlichen Lebens. Wenn für andere eine halb gefüllte Flasche weitgehend voll ist, empfindet er sie als leer. Wobei ihm außer Beck’s ohnehin kein anderes Bier in die Pulle kommt. „So kann man nicht enttäuscht werden“, philosophiert der Altmeister. Mit negativem Denken, so sein Credo, erspare er sich Enttäuschungen und Eigentore.

Besonders im Fußball. Denn An­dré, der tief im Süden unseres Landes zur Welt kam, hegt ein in Hamburg nicht überall begrüßtes Faible: Sein Herz gehört Werder Bremen. Der FC St. Pauli ist auch noch akzeptabel, aber das war’s dann auch schon. Reisen ins Weserstadion, von seiner Hamburger Freundin Janne durchaus toleriert, gehören zum Ritual. Zuletzt war mehr Frust als Lust im Spiel. Was im Falle André aber nichts zu besagen hat.

Denn wo andere frohlocken würden, befürchtet er eine fiese Falle. „Und selbst wenn Werder eines Tages die Champions League holen würde“, befand jüngst ein Kollege, „wäre André am Ende.“ Weil es – aus seiner Sicht – dann nur noch abwärts gehen könnte.