Hamburg

Überraschend hohe Wahlbeteiligung bei 16- und 17-Jährigen

Erstwähler geben Grünen und Linken bei Bürgerschaftswahl besonders häufig ihre Stimme

Hamburg.  Die 16- und 17-Jährigen weisen die höchste Wahlbeteiligung bei den Jungwählern auf. Laut der Untersuchung des Statistischen Amtes haben 52,1 Prozent der Unter-18-Jährigen bei der Bürgerschaftswahl am 15. Februar ihre Stimme abgegeben. Damit lag die Wahlbeteiligung dieser Gruppe, die erstmals mit über das Hamburger Parlament abstimmen durfte, zwar unter der Gesamtwahlbeteiligung von 56,5 Prozent. Allerdings übertrifft sie die Wahlbeteiligung der nächstälteren Gruppen. So lag die Wahlbeteiligung der 18- bis 24-Jährigen bei nur 42,3 Prozent und bei den 25- bis 34-Jährigen bei 47,3 Prozent.

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD), die mit zahlreichen Initiativen bei Jugendlichen um Interesse geworben hat, freut sich über das Ergebnis. Es sei erfreulich, dass die Wahlbeteiligung der jungen Erstwähler relativ gesehen deutlich über den Erwartungen liegt: „Das lässt hoffen. Und es bestärkt mich, den vor vier Jahren eingeschlagenen Weg fortzuführen und immer wieder neue Möglichkeiten zu suchen, Kinder und Jugendliche an Politik, Demokratie und unser Rathaus heranzuführen.“ Unter anderem hat die Bürgerschaftskanzlei zusammen mit der Agentur DSA youngstar eine Podiumsdiskussionsreihe an 48 Schulen mit mehr als 10.000 Schülern veranstaltet. Auch Agenturchef André Mücke sieht sich bestätigt: „Wir sind hellauf begeistert. Das beweist, dass junge Menschen nicht politikverdrossen sind, sondern interessiert sind, wenn man ihnen auf Augenhöhe begegnet.“

Das Statistikamt hat zusätzlich die Parteipräferenzen der jungen Wähler untersucht. Diese liegen bei Grünen und Linken, wo die 16- und 17-Jährigen überdurchschnittlich häufig ihre Kreuze gemacht haben. Die Grünen erhielten von dieser Gruppe 19,1 Prozent der Stimmen (gesamt: 12,3 Prozent). Die Linken erhielten mit 11,6 Prozent 3,1 Prozentpunkte mehr als im Gesamtergebnis.

Die CDU bleibt bei ihrer Ablehnung zur Absenkung des Mindestwahlalters

CDU-Fraktionschef André Trepoll hat die Absenkung des Mindestalters stets abgelehnt. „Wir halten am Grundsatz ,Wahlrecht erst mit Erlangung der Volljährigkeit‘ weiterhin fest. An der Jungwählerkampagne an den Hamburger Schulen haben wir uns trotzdem aktiv beteiligt. Es zeigt sich jedoch, dass eine Kampagne alleine nicht ausreicht.“ Dass die Grünen ein derart gutes Ergebnis erzielt haben, überrascht ihn nicht: „Schließlich haben die Grünen die Absenkung des Wahlalters forciert.“ Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks findet die Wahlbeteiligung der Unter-18-Jährigen „ermutigend“.

Für den Hamburger Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp kommt das Ergebnis dagegen nicht überraschend. „Es handelt sich dabei um einen Erstwähler-Effekt.“ Die erste Wahl im Leben eines jungen Menschen sei bedeutend. Anschließend nehme die Bedeutung von Wahlen ab, um anschließend wieder zu steigen. Tatsächlich ist die Wahlbeteiligung bei der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen mit 66,4 Prozent am höchsten.

Die Unter-18-Jährigen durften bereits bei der Bezirksversammlungswahl vor einem Jahr abstimmen. Damals lag deren Wahlbeteiligung bei nur 28 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei 40,9 Prozent.

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