Chemiehändler

4000 Euro Bonus für jeden Beschäftigten der Helm AG

Setzt auf Asien als Zukunftsmarkt: Hans-Christian
Sievers, Chef des Hamburger Chemiehändlers Helm AG

Setzt auf Asien als Zukunftsmarkt: Hans-Christian Sievers, Chef des Hamburger Chemiehändlers Helm AG

Foto: Klaus Bodig

Hamburger Chemiehändler Helm AG zahlt nach Gewinnexplosion Sonderbonus. Neue Asienzentrale in Singapur eröffnet.

Hamburg. Der Eigentümer wirkt entspannt. Es kommt zu einem netten und eher zufälligen Plausch an der Eingangstür zu seinem Unternehmen, dem Hamburger Chemiehändler Helm AG. Dieter Schnabel erzählt ein paar Anekdoten von seinen vergangenen Reisen und schließt mit dem Satz: „Es geht mir wirklich gut.“ Vor knapp dreieinhalb Jahren hat er die operative Führung seines Unternehmens in die Hände von Hans-Christian Sievers gelegt. Seitdem ist er als Aufsichtsratsvorsitzender nur noch ein- bis zweimal in der Woche in der Zentrale in der City Süd. Für die tägliche Arbeit sind Sievers und sein Vorstand in der achten Etage verantwortlich. Und die Ergebnisse in der Bilanz können sich sehen lassen.

Der Umsatz des weltweit tätigen Unternehmens legte im vergangenen Jahr in einem insgesamt schwierigen konjunkturellen Umfeld um ein Prozent auf 9,76 Milliarden Euro zu. Und der Gewinn explodierte geradezu um 72 Prozent. Das Konzernergebnis nach Steuern war mit 141,6 Millionen Euro das zweitbeste in der langjährigen Firmengeschichte. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Abschluss“, resümiert Helm-Chef Sievers.

Trotz der glänzenden Zahlen bleibt das Familienunternehmen bescheiden, plant keine großen Zukäufe. „Das passt nicht zu unserer Philosophie“, sagt Sievers, der das Unternehmen seit Anfang 2012 als erster familienfremder Manager lenkt. Kleinere Übernahmen seien sicherlich denkbar, aber alles müsse im Rahmen bleiben. Stattdessen werden die Eigenmittel des größten konzernunabhängigen Chemiehändlers in Europa weiter kräftig aufgestockt – um 134 Millionen auf mittlerweile 758 Millionen Euro. Damit weist die Helm AG eine vergleichsweise hohe Eigenkapitalquote von 48,8 Prozent auf.

Nicht nur der Eigentümer dürfte sich über die Bilanz für 2014 freuen, auch die Mitarbeiter profitieren von dem Erfolg. Zum einen sind die Arbeitsplätze der 1461 Beschäftigten, davon 639 in Hamburg, sicher. Zum anderen bekommen sie für ihre „ausgezeichnete Leistung“ (Sievers) jeder einen Sonderbonus von 4000 Euro. Es ist die erste Erfolgszahlung seit 2012.

Ob sich die Mitarbeiter auch im kommenden Jahr wieder über diese Zahlung freuen dürfen, steht noch nicht fest. „Das erste Quartal war nicht einfach“, sagt Sievers. Vor allem der niedrige Ölpreis macht der Helm AG zu schaffen. Dadurch können die Hamburger für ihre Chemikalien nicht mehr so hohe Preise nehmen. Allerdings sei das zweite Quartal schon besser angelaufen, so Sievers. Beim Umsatz erwartet der Vorstandschef bis Mitte des Jahres dennoch einen Rückgang um rund sieben Prozent. Und auch bis Jahresende werde das Unternehmen die glänzenden Zahlen von 2014 wohl nicht erreichen. Rückgänge beim Umsatz im einstelligen Prozentbereich und ein Gewinn auf Niveau des Jahres 2013 seien zu erwarten. Und trotz dieses eher verhaltenen Ausblicks spricht Sievers von Expansion, statt in Resignation zu verfallen.

Der Wachstumsmarkt Nummer eins für ihn ist dabei Asien. Erst vor wenigen Tagen hat die Helm AG eine Zentrale in Singapur eröffnet. Von dort aus werden ab sofort die Aktivitäten in Asien gelenkt. Alle asiatischen Büros berichten nun direkt nach Singapur, nicht mehr nach Hamburg. Arbeitsplätze in der Hansestadt würden durch diese Entscheidung aber nicht verloren gehen, versichert Sievers. Im Gegenteil: Man wolle auch künftig das Personal in der Hansestadt leicht aufstocken.

„Asien ist eine Region, die boomt. Dort wollen wir mitwachsen“, sagt Sievers. Noch gehen 64 Prozent der Helm-Produkte zu Kunden in Europa, in Amerika liegt der Absatzanteil bei 23, in Asien sind es zwölf Prozent. Doch diese Verhältnisse werden sich nach Sievers Auffassung in den nächsten Jahren stark verändern. „Mittelfristig streben wir einen Absatzanteil von 20 Prozent in Asien an“, sagt der Vorstandschef. Fünf Vertriebsbüros hat das Unternehmen allein in China, einem Land, das Sievers sowohl als Schwergewicht für die Beschaffung von Rohstoffen als auch für den Verkauf von eigenen Produkten sieht.

Der Vorstandschef wird seine Pläne in den kommenden Monaten mit einer veränderten Führungsmannschaft umsetzen müssen. Denn mehrere Kollegen werden aus Altersgründen die Helm AG verlassen. So übernimmt unter anderem Thomas Gartz, 48, den Bereich Personal/Administration von Dieter Schütt. Und John Lührs zeichnet nun für die Finanzen verantwortlich, hat Rainer Detering abgelöst.

Weiterhin den Bereich Pflanzenschutz wird Stephan Schnabel, der Sohn des Eigentümers, im Vorstand leiten. Irgendwann einmal dürfte der Junior wohl auf dem Sessel des Vorstandsvorsitzenden Platz nehmen. Doch ein wenig Geduld sollte er noch mitbringen. Schließlich hat Hans-Christian Sievers noch neun Jahre, bis er die Altersgrenze von 60 erreicht hat, mit der bei der Helm AG normalerweise Top-Manager in den Ruhestand verabschiedet werden.