Lebensmittel

Premiumbier aus der Stellinger Brauerei Buddelship

Simon Siemsglüss prüft mit kritischem Blick sein selbst gebrautes Bier. Der Braumeister ist zugleich der Gründer der Buddelship Brauerei in Hamburg

Simon Siemsglüss prüft mit kritischem Blick sein selbst gebrautes Bier. Der Braumeister ist zugleich der Gründer der Buddelship Brauerei in Hamburg

Foto: Bertold Fabricius

Simon Siemsglüss betreibt seit einem Jahr die Brauerei Buddelship. Marke ist bereits in mehr als 30 Restaurants und Läden erhältlich.

Hamburg.  In der alten Fischkonservenfabrik in Stellingen riecht es nach „Blanker Hans“. Simon Siemsglüss steht auf einer Leiter, schaut in einen 1300 Liter fassenden offenen Fermentationstank und schnuppert den Duft von süßlichem Malz. 24 Stunden vorher hat der 39-Jährige sein Weißbier angesetzt. Bald wird die Gärung beginnen, der Zucker aus dem Malz zu Alkohol und Kohlendioxid umgewandelt. „Heute Nachmittag wird die Hefe schon richtig arbeiten und Schaum aufwirbeln“, sagt der Inhaber der Buddelship Brauerei – und das ist auch das Besondere: Während viele Konkurrenten der wachsenden Craftbier-Szene sich bei anderen Brauereien einmieten, kreiert der Hamburger die Sorten auf seiner eigenen Anlage.

Siemsglüss ist ein Globetrotter. Aufgewachsen in Eppendorf zog es ihn zum Studium nach Kanada und England. In Montreal machte er einen Bachelor in Wirtschaft, in London einen Master in International Relations (Politik). Er bereiste die USA und war beeindruckt von den Craftbier-Brauern. „Am Ende meines Studiums hatte ich schon mit der Bierwelt angebandelt und war vom Biervirus befallen“, sagt Siemsglüss. Im Jahr 2008 macht er in Berlin einen sechsmonatigen Braukurs. „Von der ersten Woche an war klar: Das passt, das will ich machen.“

Einem Praktikum bei Paulaner in München folgte ein achtmonatiger Aufenthalt für die süddeutsche Brauerei in Shenyang (China). Er ging nach London, leitete eine Gasthausbrauerei und entwickelte die Hausrezepte weiter. Zwei Jahre später machte er in Edinburgh seinen Master in Brauen und Destillieren und lernte die Feinheiten des Whiskybrennens kennen.

Seine Weltreise wollte er eigentlich in Hongkong mit der Gründung seiner eigenen Brauerei fortsetzen, weil seine Freundin aus Macao kommt. Doch die andere Sprache, hohe Mieten und ein höherer Erfolgsdruck ließen ihn zurück in seine Heimatstadt gehen.

Ende 2013 bestellte er seine Brauanlage, anschließend mietete er sich in den Gewerbehof in Stellingen ein. Die 1000-Liter-Anlage sei ideal für Craftbierbrauer, die sich bei ihm auch einmieten können. „Man kann kleinere Auflagen machen und muss sich nicht sorgen, dass man sie nicht verkauft bekommt“, sagt Siemsglüss. Insgesamt steckt eine mittlere sechsstellige Summe in der Buddelship Brauerei. Das Geld stamme von ihm, von Freunden und Bekannten. „Die stecken da mit drin“, sagt er und ist sich des Risikos der Selbstständigkeit bewusst, „aber es stehen ja auch Werte dahinter“.

Im Juli verkaufte er sein erstes Bier auf einem Festival am Freilichtmuseum Kiekeberg. Mittlerweile ist sein Bier in mehr als 30 Restaurants, Bierspezialitätengeschäften und Edeka-Märkten wie Niemerszein, Struve und Tamme erhältlich. Eine Flasche kostet je nach Sorte zwischen 1,90 Euro und 2,40 Euro. Seine Zielmarke von einer halben Million Liter selbst gebrautem Bier im ersten Jahr werde er wohl knapp schaffen. „Jedes Jahr will ich 100 Prozent Wachstum hinlegen“, sagt Siemsglüss. Bereits für das erste Jahr strebt er eine schwarze Null an. Dass der Craftbier-Markt „kein Spaziergang“ werde, ist ihm klar. „Es stehen sehr viele in den Startlöchern, der Trend ist da.“

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen das. Gab es vor zehn Jahren in der Bundesrepublik 1281 Brauereien, waren es 2014 schon 1352. In Hamburg und Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Braustätten von 16 auf 26.

Der wesentliche Grund für den Zuwachs seien die Craftbierbrauer, heißt es beim Deutschen Brauer-Bund. Hauptgeschäftsführer Holger Eichele ist sich sicher, dass „Craftbiere auch in Deutschland ihre Nischen finden. Wir stehen gerade erst am Beginn dieser neuen Entwicklung.“ Die seit Jahren unter Absatzschwund leidende Branche hofft, dass neue Konsumentenkreise dank der kreativen Premiumbiere erschlossen werden.

Die Qualität seines Bieres steht auch bei Siemsglüss im Vordergrund. „Für mich ist wichtig, dass das 1-a-Bier ist und das draußen auch ankommt.“ Fast 30 Malzsorten nutzt er, Hopfen kommt sogar aus Australien. Auf eine Filtrierung verzichtet er, weil das zulasten des Geschmacks ginge. Auch so sei das Getränk vier bis sechs Monate haltbar. Der Name Buddelship Bier sei Eingebung gewesen. Er stehe für Heimat, Bier und Maritimes und sei ebenso international wie plattdeutsch. „Die Identifikation mit Hamburg ist mir wichtig. Bier braucht Heimat.“ Acht Sorten hat er im Angebot. Bestseller ist sein Pilsener „Mitschnagger“. Es ist ebenso wie das India Pale Ale „Great Escape“, das Pale Ale „The Steelyard“ und das Schwarzbier „Kohlentrimmer“ das ganze Jahr über erhältlich. Vier weitere Sorten gibt es nur im Sommer – wie das Weißbier.

Den „Blanken Hans“ wird er drei bis vier Tage später in einen geschlossenen Tank umpumpen, den Behälter unter Druck setzen, damit sich die Kohlensäure im Bier aufbauen kann. Erneut drei Tage später kommt das Bier in Lagertanks in den Kühlraum. Gut einen Monat später beginnt für Siemsglüss schließlich die Handarbeit. Vier Flaschen stellt er in die halb automatische Abfüllanlage. Exakt 330 Milliliter fließen über einen Schlauch aus den Tanks in die Flaschen, die anschließend verkorkt werden. Dann gehen die rund 900 Liter des „Blanken Hans“ in den Verkauf.