Container-Umschlag

Russland-Krise schwächt den Hamburger Hafen

Sie stehen an der Spitze von Hafen Hamburg Marketing; Ingo Egloff (links) und Axel Mattern

Sie stehen an der Spitze von Hafen Hamburg Marketing; Ingo Egloff (links) und Axel Mattern

Foto: A.Laible

In Hamburg werden im ersten Quartal 2,3 Prozent weniger Container umgeschlagen. Stadt fällt hinter Antwerpen zurück.

Hamburg.  Hamburg ist ein Universalhafen. Diese Tatsache hebt der Marketing Vorstand des Hafens, Axel Mattern in diesen Tagen gerne hervor. Mit gutem Grund: Der Universalhafen sorgt nämlich dafür, dass die Umschlagbilanz für die ersten drei Monate nicht desaströs ausfällt.

Der Containerumschlag, auf den der Hamburger Hafen gern reduziert wird, ist nämlich abgesackt. Von Januar bis März wurden nur 2,3 Millionen Standardcontainer (TEU) über die Kaikante gehievt. Das sind 2,3 Prozent weniger als im Vorjahresvergleich.

Dass der Seegüterumschlag insgesamt noch mit einem minimalem Plus von 0,1 Prozent davonkam, verdankt der Hafen einem höheren Massengutaufkommen, dessen Anstieg um 12,3 Prozent auf 11,7 Millionen Tonnen den Rückgang beim Containerverkehr wettgemacht hat. Dank dieser Zunahme hat Hamburg in den ersten drei Monaten insgesamt 35,6 Millionen Tonnen Seegüter umgeschlagen. Genau darin liegt die Stärke des Hamburger Hafens, wie Mattern derzeit gern betont: Im Universalhafen werden nicht nur Container, sondern eben alle Arten von Gütern umgeschlagen, wie Stückgut, Flüssigladung oder Greifergut. Das minimiert das Risiko, wenn eine Umschlagsparte schwächelt.

Hoch ist allerdings das Risiko, dass die Schwäche beim Containerumschlag noch eine Weile anhalten wird. Hervorgerufen wurde sie durch einen massiven Rückgang im Containerverkehr mit Russland. Zwischen Hamburg und russischen Ostseehäfen wurden im ersten Quartal 109.000 TEU transportiert, fast 35 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Die Sanktionen gegen Russland, die allgemeine wirtschaftliche Schwäche des Landes sowie der Verfall des Rubels sind die Auslöser. Wann sich das ändern wird, weiß selbst Mattern nicht. Auch eine Umleitung von Ladung in den Konkurrenzhafen Rotterdam habe zum Rückgang beigetragen, sagte Mattern. In Rotterdam ist mit der „Maasvlakte 2“ ein neues Containerterminal in Betrieb gegangen.

Angesichts des Rückgangs werde das erhoffte Rekordergebnis von zehn Millionen TEU in diesem Jahr im Containerumschlag wahrscheinlich nicht erreicht werden können, ergänzte Matterns Co-Vorstand Ingo Egloff. Insgesamt sei der Marktanteil des Hamburger Hafens im europäischen Vergleich um 1,6 Prozent geschrumpft. Im Containerumschlag ist Hamburg erstmals seit fünf Jahren hinter Rotterdam und Antwerpen auf Platz drei zurückgefallen. „Antwerpen hat im ersten Quartal 43.000 Boxen mehr als Hamburg umgeschlagen“, sagte Egloff und kündigte intensiveres Marketing auf den Ostseemärkten an, um dem Rückgang gegenzusteuern. „Wir werden versuchen, unsere Stärke im Ostseeraum zu verteidigen, aber die Konkurrenz schläft nicht“, sagte Egloff.

Deutlich ist, dass sich die Flaute im Containerumschlag lediglich im europäischen Verteilverkehr per Schiff niederschlägt. Der Containertransport im Hinterlandverkehr per Eisenbahn und Lkw habe sich im ersten Quartal überdurchschnittlich gut entwickelt, so die Marketingexperten. Mit 1,5 Millionen transportierten Boxen sei der Hinterlandverkehr um 7,3 Prozent gestiegen.

Kritik übte Egloff indirekt am Co-Chef des Terminalbetreibers Eurogate, Emanuel Schiffer, der den Sinn der Elbvertiefung angesichts der steigenden Zahl sehr großer Containerschiffe infrage stellt. „Solche Äußerungen aus der Hafenwirtschaft leisten doch nur den Umweltverbänden Vorschub, die eine Arbeitsteilung der Häfen wollen. Das funktioniert nicht. Ladung sucht sich ihren Weg selbst“, sagte Egloff.