Krakow am See

Konfirmanden rassistisch bepöbelt

Rechtsradikale bedrohen in Mecklenburg eine Hamburger Jugendgruppe – Mädchen mit Schock in Klinik

Krakow am See. Sie wollten ein paar schöne Tage im Luftkurort Krakow am See verbringen. Doch daraus wurde nichts: Die Konfirmanden der Kirchengemeinde Sülldorf/Iserbrook wurden am Vatertag nach Angaben der Polizei Rostock von „offenbar rechtsextremen Personen belästigt und bedroht“. Ein Kind kam ins Krankenhaus.

Die Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren veranstalteten am Donnerstag eine Rallye. Am Deliener See trafen sie gegen 16 Uhr auf mehrere junge Männer mit Glatzen und Springerstiefeln. Die Männer hätten ein 16 Jahre altes Mädchen und einen 14 Jahre alten Jungen mit dunkelhäutigem Aussehen bedroht und ausländerfeindliche Parolen gebrüllt, so die Polizei weiter. Daraufhin hätten die Kinder per Handy den Begleiter der Gruppe verständigt, der sofort gekommen und sie zurück in ihre Unterkunft, die Jugendbegegnungsstätte Neu Sammit, gefahren habe. Danach habe er auf eigene Faust nach den Tätern gesucht, an einer Tankstelle sei er fündig geworden.

Als er die Männer zur Rede stellen wollte, seien sie weggelaufen. Die alarmierte Polizei suchte erfolglos die nähere Umgebung ab. Ein 13 Jahre altes Mädchen war durch die Tat so geschockt, dass es ins Krankenhaus kam. Am Freitag holte der Vater das Kind ab, die übrigen Konfirmanden setzten ihren Aufenthalt fort. Die Polizei Rostock sucht jetzt nach Zeugen der Tat, der Staatsschutz ermittelt.

Es ist nicht der erste, mutmaßlich rechtsradikal motivierte Angriff auf Hamburger Jugendliche. Im September 2013 hatten drei Männer in einem Jugendheim im sächsischen Bad Schandau einen 15-Jährigen mit chinesischen Wurzeln so heftig geschlagen, dass er einen Augenhöhlen- und Kieferbruch erlitt. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund stritten die Angeklagten vor Gericht zwar ab, sie wurden aber zu Bewährungsstrafen von neun bis 15 Monaten verurteilt. Sie hatten im Internet offen Sympathien für rechtsextreme Positionen bekundet.

In Krakow am See und anderen Orten in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Polizei im Vorjahr zahlreiche „schwarze Kreuze“ für die „Opfer von Ausländergewalt“ konfisziert. Rechtsextreme hatten im Internet dazu aufgerufen, die Kreuze aufzustellen.