Altona

Gov’t Mule: So flink die Finger über die Saiten sausen

In der Fabrik begeistert Gov’t Mule das Publikum – und beweist, dass der Southern Rock mehr ist als nur wildes Gitarren-Gefriggel.

Hamburg. Man könnte das alles ganz schnell abtun, dieses endlose Gitarren-Gefriggel, diese Batik-Hemden und wippenden ergrauten Zöpfe im Publikum, diese Songs, irgendwo versunken zwischen Jerry Garcias The Grateful Dead und den Südstaaten-Rockern von Lynyrd Skynyrd und nie wieder aufgetaucht. Das wäre so einfach, so billig. Aber, verdammt, wie ehrlich ist diese Musik. Und wie gut!

Warren Haynes steht auf der Bühne in der Fabrik in Altona, schulterlange Haare, Hemd, vor seinem Bauch schiebt er seine Gitarre auf die Bühne. Er sagt nicht viel, hello, ein Lächeln, ein Winken in den Oberrang, dann stöpselt er seine Gitarre an den Marshall-Verstärker an. Und legt los. Die Show von Gov’t Mule beginnt mit einem Blues-Erdbeben, Mother Earth. Und steigert sich dann langsam.

Eine Stimme wie eine Röhre

Das Musikmagazin „Rolling Stone“ wählte Haynes unter die Top 25 der Gitarristen überhaupt. Mitte der Neunziger gründete Haynes gemeinsam mit Bassist Allen Woody die Band. Beide spielten vorher bei den legendären Allman Brothers Band. Der Pluspunkt von Warren Haynes war immer: Er spielt wahnsinnig gut Gitarre. Und er kann singen. Eine Stimme, pardon für das Klischee, wie eine Röhre. Keine rotzige Kehle, sondern eine aus verchromten Edelstahl.

Der Süden der USA, er war und ist noch immer der Brutkasten des Gitarren-Rocks. Gov’t Mule trägt den Jam auf die Bühne, sie improvisieren in langen Soli, sie peitschen ihre Instrumente gegenseitig nach vorne. Sie beginnen ihren Song Hottentot vom nun erschienenen Album mit dem Jazz-Gitarristen John Scofield, sie jammen, der Schlagzeuger hämmert ein Solo, die Band findet zurück zum Thema von Hottentot, ihre Ausflüge treffen sich mit der Präzision einer Jazz-Kombo in der Mitte wieder.

Band gibt es seit 20 Jahren

Herausragend ist nicht nur die Mischung aus Haynes Gitarrenspiel, von Blues über verzerrten Rock bis groovigen Jazz. Fundament der Band ist Danny Louis an Orgel und Keyboards. Der Sohn einer Opernsängerin macht den Auftritt von Gov’t Mule zu einer vielseitigen Inszenierung. Beim Zugaben-Hit Get Behind The Mule holt er dann auch noch seine Posaune raus.

Überhaupt: 20 Jahre gibt es die Band. Und Gov’t Mule ist in dieser Zeit nie stehengeblieben beim Bluesrock. Zuletzt haben sie ein Reggae-Album aufgenommen. „The Dub Side of The Mule“. In Anlehnung an ihr legendäres Pink-Floyd-Tribute „The Dark Side of The Mule“. Und so bringt auch der zweieinhalbstündige Abend in der fast ausverkauften Fabrik einen fantastischen Ritt auf dem Mule. Nie holprig. Immer sehr schmuf. Sehr geil.