Ottensen

Eklat um Zeise-Parkplatz

Trotz des laufenden Bürgerbegehrens erteilt das Bezirksamt Altona eine Baugenehmigung für Büros

Ottensen. Das Bezirksamt Altona hat die Baugenehmigung für den umstrittenen Bürokomplex auf dem Gelände des Zeise-Parkplatzes an der Ecke Behringstraße/Friedensallee erteilt. Der Beschluss wurde bereits auf der Hauptausschusssitzung am Mittwoch bekannt gegeben und hat dort nach Angaben einiger Teilnehmer für einen handfesten Eklat gesorgt.

Wie die Online-Zeitung „altona.info“ berichtet, beruft sich das Bezirksamt darauf, dass das Prüfverfahren abgeschlossen sei und die Baugenehmigung folglich hätte erteilt werden müssen. Das Bürgerbegehren „Platz zum Wohnen“ habe in diesem Fall „keine aufschiebende oder hindernde Wirkung“.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Bürgerinitiative „Pro Wohnen Ottensen“ 9000 Unterschriften gegen die Bebauung eingereicht. Nach der Auszählung gab das Bezirksamt bekannt, dass das Bürgerbegehren zustande gekommen sei. Die Initiative fordert, dass wie ursprünglich geplant an selber Stelle Wohnungen entstehen. Hauke Sann, Sprecher von „Pro Wohnen Ottensen“, zeigt sich entsetzt. „Hier wurde einfach an den Ausschüssen und am Parlament vorbei entschieden“, sagte er dem Abendblatt. Die Entscheidung des Bezirksamtes werde man auf keinen Fall hinnehmen: „Wir fordern, dass die Baugenehmigung ausgesetzt und der Bürgerentscheid durchgeführt wird“, so Sann. „Andernfalls werden wir klagen.“

Harte Kritik übt auch die CDU Altona: „Ungeheuerlich, wie hier das Bezirksamt agiert – trotz anstehenden Bürgerbegehrens und ohne die Politik vorher zu informieren. Es ist nicht übertrieben, hier von einer schweren Vertrauenskrise zwischen der Bezirksversammlungs-Mehrheit und dem Bezirksamt beziehungsweise der SPD zu sprechen“, sagt Andreas Grutzeck, stellvertretender Vorsitzender der Bezirksversammlung. Ob die Kommunikation optimal verlaufen sei, will Henrik Strate von der SPD Altona lieber unkommentiert lassen. Er verweist darauf, dass das Amt bei dieser Entscheidung „offenbar nach Recht und Gesetz gehandelt“ habe.

Die Kehrtwende bezüglich der Pläne für das Zeise-Gelände sorgt seit Bekanntwerden im vergangenen Sommer stadtweit für Diskussionen. Ursprünglich waren an dieser Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus mit günstigen Mieten geplant. Die neuen Pläne sehen jedoch vor, dass auf dem Gelände das britische Werbeunternehmen WPP eine neue Hamburger Niederlassung für mehr als 850 Mitarbeiter baut.