Tierpark

Hagenbeck zeigt seine Tigerbabys - auf dem Monitor

Besucher des Tierparks Hagenbeck stehen vor einem Monitor mit Blick in die Tiger Geburtshöhle

Besucher des Tierparks Hagenbeck stehen vor einem Monitor mit Blick in die Tiger Geburtshöhle

Foto: Klaus Bodig

Der Tierpark Hagenbeck jubelt über Zuchterfolg mit der bedrohten Art, dem Sibirischen Tiger. Weltweit leben nur noch 700 Exemplare.

Stellingen. Die Tigerbabys sind schwarz-weiß und unscharf. Aber so süß! Die Besucher bei Hagenbeck drängten sich vor dem Tigergehege, um die beiden Neugeborenen beim Trinken zu beobachten. Ein mühsames Geschäft bei dem Gedränge. Obwohl sie das Gleiche sahen wie Pfleger und Tierarzt: einen Monitor, der das Bild der Deckenkamera in der Tigerbox zeigte.

Mutter, Kinder und Natur sollen jetzt nicht gestört werden in den ersten Wochen nach der Geburt. Alles soll so naturnah wie möglich ablaufen. Denn Ärzte, Pfleger und andere Menschen kommen in freier Tiger-Wildbahn nicht vor. Die sibirische Tigermutter Maruschka, drei, soll sich mit den Kleinen in eine Höhle bzw. eben die Hagenbecksche Box zurückziehen können und dort ihre noch namenlosen Kleinen allein und unbehelligt auch vom Vater Lailek, drei, versorgen.

Der lag gestern versteckt hinter Büschen im Außengehege und döste. Womit alles seine Richtigkeit hatte, denn in der Welt der Tiger ist Chauvinismus nicht nur normal, sondern auch politisch korrekt.

Der erste Nachwuchs gilt unter Biologen als ein „Übungswurf“

Am Dienstag, 5. Mai, hatte Mutter Maruschka nach einer Tragzeit von etwa 100 Tagen ihre beiden Welpen zur Welt gebracht. Es ist ihr erster Wurf. Und gerade deshalb ist noch längst nicht alles in trockenen Tüchern. Denn der erste Wurf kommt oft nicht durch. Biologen sprechen dann von einem „Übungswurf“. Wird Maruschka sich genügend kümmern um ihre Kleinen? Weiß sie, was zu tun ist? Sind die Kleinen stark genug zum Trinken? Überstehen sie Krankheiten?

Pflegern und Ärzten bleibt nur abzuwarten. Eingreifen wollen sie nicht, um die Verhaltensweisen der Amurtiger nicht zu manipulieren. Zwei bis drei Monate soll die alleinerziehende Mutter mit ihrem Wurf noch in der Box bleiben. Dann, wenn die Jungtiere kräftig genug sind, steht der Umzug ins Mutter-Kind-Gehege an, und dann erst werden sie live zu sehen sein.

Für Hagenbeck ist der Wurf ein sensationeller Zuchterfolg. Weltweit gibt es nur noch 450 frei lebende Sibirische Tiger. In den europäischen Zoos sind es etwa 260. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-Programmes (EEP), in dem Zoologische Gärten seit 1985 eng zusammenarbeiten, soll diese stark von der Ausrottung bedrohte Tierart erhalten werden. Der verfügbare Genpool ist schon gefährlich begrenzt. Vielfalt dient der Arterhaltung, weshalb die Wissenschaftler ein genaues Auge auf die Auswahl der Zuchttiere haben. Das gemeinsame Ziel ist es, neue Zuchtgruppen aufzubauen, um mit deren Nachwuchs bedrohte Wildbestände zu vergrößern.

Damit eine tiergerechte Haltung der Tiere gewährleistet ist, werden von der EEP-Kommission pro Jahr europaweit nur wenige Tigerpärchen ausgesucht, mit denen gezüchtet werden darf. Da Hagenbecks Tiger Maruschka und Lailek wegen ihrer Erbanlagen für das EEP sehr wertvoll sind, wurde für 2015 erstmals eine Zuchtgenehmigung für das Pärchen erteilt. Die Zusammenführung der Tiere ist kein Problem. Wenn keine echte Abneigung besteht, stellt sich der Paarungserfolg fast von selbst ein. Tiger sind nicht wählerisch bei der Wahl ihrer Partner.