Trotz Bürgerbegehren

Baugenehmigung für Bürokomplex auf Zeise-Parkplatz erteilt

Opposition und Initiative zeigen sich entsetzt. Vor wenigen Tagen hatten die Gegner rund 9000 Stimmen gegen die Pläne eingereicht.

Hamburg. Das Bezirksamt Altona hat die Baugenehmigung für den umstrittenen Bürokomplex auf dem Gelände des Zeise-Parkplatzes erteilt. Der Beschluss wurde auf der Hauptausschusssitzung am Mittwoch bekannt gegeben und hat dort nach Angaben einiger Teilnehmer für einen handfesten Eklat gesorgt.

Wie die Online-Zeitung altona.info berichtet, beruft sich das Bezirksamt darauf, dass das Prüfverfahren abgeschlossen sei und die Baugenehmigung folglich hätte erteilt werden müssen. Das Bürgerbegehren "Platz zum Wohnen" habe in diesem Fall "keine aufschiebende oder hindernde Wirkung".

Erst vor wenigen Tagen hatte die Bürgerinitiative „Pro Wohnen Ottensen“ 9000 Unterschriften gegen die Bebauung eingereicht. Nach der Auszählung gab das Bezirksamt bekannt, dass das Bürgerbegehren zustande gekommen sei.

Die Initiative fordert, dass wie ursprünglich geplant an selber Stelle Wohnungen entstehen. Hauke Sann, Sprecher von "Pro Wohnen Ottensen", zeigt sich entsetzt. "Hier wurde einfach an den Ausschüssen und am Parlament vorbei entschieden", sagte er dem Abendblatt. Die Entscheidung des Bezirksamtes werde man auf keinen Fall hinnehmen: "Wir fordern, dass die Baugenehmigung ausgesetzt und der Bürgerentscheid durchgeführt wird", so Sann. "Andernfalls werden wir klagen."

Kritik auch von der CDU Altona

Harte Kritik übt auch die CDU Altona: "Ungeheuerlich, wie hier das Bezirksamt agiert - trotz anstehenden Bürgerbegehrens und ohne die Politik vorher zu informieren. Es ist nicht übertrieben, hier von einer schweren Vertrauenskrise zwischen der Bezirksversammlungs-Mehrheit und dem Bezirksamt beziehungsweise der SPD zu sprechen", so Andreas Grutzeck, stellvertretender Vorsitzender der Bezirksversammlung. "Baurechtlich mag die Entscheidung vielleicht in Ordnung gewesen sein, aber bei einem Thema von derartigem öffentlichem Interesse hätte das Vorgehen kommuniziert werden müssen."

Ob die Kommunikation optimal verlaufen sei, will Henrik Strate von der SPD Altona lieber unkommentiert lassen. Er verweist darauf, dass das Amt bei dieser Entscheidung "offenbar nach Recht und Gesetz gehandelt" habe. Weitere Informationen zum Vorhaben auf dem Zeise-Gelände sollen auf der Sitzung des Planungsausschusses in der kommenden Woche öffentlich vorgestellt werden.

Die Kehrtwende bezüglich der Pläne für das Zeise-Gelände sorgt seit Bekanntwerden im vergangenen Sommer stadtweit für Diskussionen. Ursprünglich waren hier ein Wohn- und Geschäftshaus mit günstigen Mieten geplant. Die neuen Pläne sehen jedoch vor, dass auf dem Gelände das britische Werbeunternehmen WPP eine neue Hamburger Niederlassung für mehr als 850 Mitarbeiter baut.