Fegebank-Nachfolge

Eimsbüttelerin Anna Gallina kandidiert als Grünen-Chefin

Anna Gallina vor dem Rathaus. Sie kandidiert für den Landesvorsitz der Grünen als
Nachfolgerin von Katharina Fegebank

Anna Gallina vor dem Rathaus. Sie kandidiert für den Landesvorsitz der Grünen als Nachfolgerin von Katharina Fegebank

Foto: Marcelo Hernandez

Die 31 Jahre alte Politologin will die Nachfolge von Katharina Fegebank antreten. Anna Gallina gilt als durchsetzungsfähig.

Hamburg. Sie könnte die neue starke Frau an der Spitze der Grünen werden: Anna Gallina, Bürgerschaftsabgeordnete und frühere Fraktionschefin in der Eimsbütteler Bezirksversammlung, will Landesvorsitzende ihrer Partei und damit auf diesem Posten Nachfolgerin von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank werden. „Ich übernehme gern Verantwortung und habe den Wunsch, dass wir die starke Partei, die wir sind, weiter erhalten“, begründet Gallina ihre Kandidatur im Gespräch mit dem Abendblatt.

Die 31 Jahre alte Politologin, die als Geschäftsführerin für das Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg arbeitet, ist politisch bislang noch nicht sehr sichtbar in Erscheinung getreten. Aber Gallina hat sich auf das Spitzenamt des grünen Landesverbandes, das eine Schlüsselposition im neuen rot-grünen Rathausbündnis bedeutet, vorbereitet: Sie gehörte der Verhandlungsdelegation bei den Koalitionsgesprächen mit der SPD an und hat so Eindrücke vom jetzigen Bündnispartner aus erster Hand gewonnen.

Die junge Frau, die auf St. Pauli und in Eimsbüttel aufwuchs, durchläuft ihre politische Karriere im Schnelldurchgang: Erst seit der Wahl am 15. Februar ist Gallina Bürgerschaftsabgeordnete. Sie holte im Wahlkreis 7 (Lokstedt-Niendorf-Schnelsen) ein Direktmandat. Nach der Bezirkswahl 2014 war Gallina in die Bezirksversammlung Eimsbüttel eingezogen und wurde dort schnell Fraktionsvorsitzende.

In der grünen Partei gilt Gallina als durchsetzungsfähig, gut vernetzt und fest verankert im Landesverband. Man traut ihr zu, bei etwaigen Konflikten mit den Sozialdemokraten einen kräftigen Kontrapunkt zu setzen und die grüne Sache zu vertreten, ohne dabei mögliche Kompromisslinien aus dem Blick zu verlieren. „Ich bin mehr die klassische Hamburger Deern, die sich nicht so schnell umpusten lässt, wenn der Wind mal etwas schärfer weht“, beschreibt sich Gallina selbst.

Die Landesvorsitzende in spe ist erst seit 2010 Mitglied und hat die Partei in der Phase der Selbstfindung nach dem Bruch des schwarz-grünen Bündnisses kennengelernt. „In der Aufarbeitung des Scheiterns von Schwarz-Grün haben wir vor allem die Beteiligung der Mitglieder vorangebracht. Das darf nicht verloren gehen“, sagt Gallina.

„In den nächsten Monaten und Jahren wird es darum gehen, das grüne Profil in der Stadt und in der Koalition zu schärfen. Dafür braucht es eine starke Partei“, betont die 31-Jährige. Sie will als Landeschefin an die bisherige „gute Zusammenarbeit zwischen Partei, Fraktion und Regierung“ bei den Grünen anknüpfen. Denn: „Es ist klar, dass die SPD uns nichts schenken wird, aber das ist auch nicht ihre Aufgabe.“

Nach den Erfahrungen der ersten Wochen des neuen Rathaus-Bündnisses konstatiert Gallina eine „positive Grundeinstellung zu Rot-Grün“ bei sich. Sie sei auch geprägt durch die guten Erfahrungen mit dieser Farbkombination im Bezirk Eimsbüttel, wo Rot-Grün auf eine lange gemeinsame Geschichte zurückblickt. „Aber wir müssen auch die Dinge abfordern, die wir gern hätten, und uns dann kon­struktiv aufeinander zu bewegen“, betont die Politologin.

Derzeit ist nicht erkennbar, dass es eine Gegenkandidatur um den Landesvorsitz geben wird. Allerdings ist nicht völlig auszuschließen, dass sich das noch bis zum 30. Mai ändert, wenn die Landesmitgliederversammlung die neue Parteispitze wählt.

Mit der Wahl von Gallina zur Landesvorsitzenden würden die Grünen einem bewährten Muster folgen. Katharina Fegebank, heute Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin, war ebenfalls 31 Jahre alt und politisch relativ unerfahren, als sie 2008 erstmals zur Parteichefin gewählt wurde. Auch damals standen die Grünen in der Regierungsverantwortung: Das schwarz-grüne Bündnis, bundesweit das erste auf Landesebene, hatte sich gerade konstituiert. Fegebank hatte Mitte April nach ihrer Berufung in den Senat erklärt, nicht erneut für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Mit ihrer siebenjährigen Amtszeit dürfte sie Rekordhalterin auf diesem Posten in der wechselvollen Geschichte der Hamburger Grünen sein.

Auch beim stellvertretenden Landesvorsitz der Grünen wird ein Wechsel nötig sein. Der Bundestagsabgeordnete Manuel Sarrazin erklärte dem Abendblatt, nicht erneut kandidieren zu wollen. Sarrazin ist vor zwei Wochen Vater geworden. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich Landesschatzmeister Michael Gwosdz um dieses Amt bewerben wird. Der 40 Jahre alte Gwosdz ist wie Gallina Politologe und leitet die Zen­trale Anlaufstelle Anerkennung, die Menschen mit ausländischen Abschlüssen berät. Gwosdz war von 2008 bis 2011 Bürgerschaftsabgeordneter.