Klimaforschung

Kirchturm von Sankt Nikolai wird zur Wetterstation

An der Spitze des Mahnmals St. Nikolai wollen Wissenschaftler künftig Daten zum Stadtklima gewinnen

An der Spitze des Mahnmals St. Nikolai wollen Wissenschaftler künftig Daten zum Stadtklima gewinnen

Foto: dpa/Malte Christians

Klimaforschung in 147 Metern Höhe: Auf dem Turm des Hamburger Mahnmals Sankt Nikolai soll ein Ultraschall-Messgerät wichtige Daten liefern.

Hamburg. Der Turm des Hamburger Mahnmals Sankt Nikolai wird zur Wetterstation. An der Spitze des mit 147 Metern dritthöchsten Kirchenbaus Deutschlands wollen Wissenschaftler künftig Daten zum Stadtklima gewinnen, wie Meteorologe Felix Ament vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg am Dienstag erläuterte. Die schlanke Architektur des Turms und seine zentrale Lage seien dabei ein Glücksfall. So könne auch erforscht werden, wie stark der Wind durch die Bebauung Hamburgs abgebremst wird.

Zur Anwendung kommt nach den Angaben ein Ultraschall-Messgerät. Es konnte im Zuge der Bauarbeiten und der damit verbundenen Einrüstung am Turmkreuz montiert werden. Erfasst werden Windgeschwindigkeit, -richtung und -temperatur sowie Windböen. Die Messungen würden die Stadtklimaforschung deutlich voranbringen, sagte Ament. So könnten Rechenmodelle für das Stadtklima künftig anhand realer Messwerte überprüft und verbessert werden. Auch seien Erkenntnisse für globale Klimamodelle zu erwarten, da auch sie städtische Klimaeffekte darstellten.

Die Anfänge des 1874 fertiggestellten Gotteshauses liegen im 12. Jahrhundert. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1951 weitgehend abgerissen. Erhalten blieben der Turm, ein Teil der südlichen Außenmauer und die Wände des Chors. Das Mahnmal gegen den Krieg wird derzeit umfassend saniert. (kna)