Luftfahrtbranche

Der Flugzeugbau trotzt der Industrieflaute

Der Innenausbau eines A320-Jets
im AirbusWerk
auf Finkenwerder. Dort arbeiteten zuletzt 12.700 fest angestellte Beschäftigte

Der Innenausbau eines A320-Jets im AirbusWerk auf Finkenwerder. Dort arbeiteten zuletzt 12.700 fest angestellte Beschäftigte

Foto: Roland Magunia

Laut HWWI-Studie legt die Zahl der Hamburger Beschäftigten in der Luftfahrtbranche kräftig auf fast 24.000 Mitarbeiter zu.

Hamburg.  Die Luftfahrtindustrie bleibt weltweit auf Wachstumskurs – und Norddeutschland profitiert davon durch eine Zunahme der Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Beschäftigte sowie durch eine Stärkung der Forschung und Entwicklung. So hat die Mitarbeiterzahl in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2011 und 2013 – neuere Zahlen liegen nicht vor – um 3300 auf fast 39.000 Personen zugenommen. Dabei steuerte Hamburg den weitaus größten Teil des Zuwachses bei: In der Hansestadt weitete sich die Beschäftigung im Luft- und Raumfahrzeugbau um knapp 2750 auf gut 23.900 Stellen aus. Diese Zahlen ergeben sich aus einer Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) im Auftrag von Airbus.

„Für Norddeutschland bleibt die Luftfahrt eine wichtige Schlüsselindustrie“, sagt HWWI-Direktor Henning Vöpel. „Die weltweit steigende Nachfrage im Luftverkehr sowie die hohe Forschungsintensität der Branche sorgen für einen Zuwachs an hoch qualifizierter Beschäftigung.“ Vom branchenübergreifenden Technologie- und Wissenstransfer profitiere der gesamte Standort, so Vöpel.

Dabei sind die weltweiten Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum der Branche gut: Prognosen von Airbus zufolge wird sich der globale Luftverkehr in den nächsten 15 Jahren verdoppeln. Airbus wie auch der Konkurrent Boeing haben zuletzt ihre Projektionen für die Flugzeugnachfrage in den kommenden 20 Jahren abermals nach oben angepasst. Während der europäische Hersteller nun mit der Auslieferung von gut 31.000 Flugzeugen aller Anbieter in diesem Zeitraum rechnet, veranschlagt der US-Konzern die Nachfrage sogar auf mehr als 34.000 Maschinen.

In den zurückliegenden fünf Jahren hat die Beschäftigung im Wirtschaftszweig Luft- und Raumfahrt in Norddeutschland um 12,9 Prozent zugenommen und damit deutlich schneller als in der Gesamtwirtschaft (plus 8,5 Prozent). Und im Gegensatz zum Verarbeitenden Gewerbe insgesamt ist die Beschäftigtenzahl in dieser Branche nicht nur kontinuierlich gestiegen, sie hat auch unter der Wirtschaftskrise der Jahre ab 2008 nicht gelitten. Dies zeigt ein Blick etwas weiter in die Vergangenheit: Seit 2001 hat die Zahl der Industriearbeitsplätze in den fünf norddeutschen Ländern um fast 100.000 auf etwa 890.000 Stellen abgenommen. Im Luft- und Raumfahrzeugbau dagegen kletterte die Beschäftigung um 12.750 auf 38.750 Jobs.

Von diesem Effekt profitierte vor allem Hamburg, denn hier ist der Anteil dieser Branche am gesamten Industriesektor besonders hoch; er liegt bei 24 Prozent, im gesamten Bundesgebiet sind es weniger als zwei Prozent.

Zudem bietet die Luft- und Raumfahrtindustrie viele Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Beschäftigte: Der Anteil der Personen mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss an den Belegschaften im Norden beläuft sich auf knapp 30 Prozent, in der deutschen Gesamtwirtschaft stellen sie lediglich rund elf Prozent der Beschäftigten.

„Für Norddeutschland spielt diese Branche damit eine herausragende Rolle, da hier vergleichsweise wenige Industriezweige angesiedelt sind, die ähnlich hohe Akademikeranteile aufweisen“, heißt es in der Studie. Denn Betriebe der Pharmabranche oder Hersteller von optischen Geräten, in denen ebenfalls viele Hochschulabsolventen angestellt sind, finden sich eher in den südlicheren Bundesländern.

Der Luft- und Raumfahrzeugbau ist aber nicht nur hinsichtlich des Akademikeranteils führend in Deutschland, er zählt auch zu den Branchen mit den höchsten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E), gemessen am Umsatz. Während allerdings die internen F&E-Ausgaben der Unternehmen in diesem Wirtschaftszweig von 2007 bis 2012 nahezu kontinuierlich gestiegen sind, wurden sie ebenso wie die Anzahl der F&E-Beschäftigten im Jahr 2013 erstmals wieder reduziert. Bundesweit sind die Ausgaben von knapp 2,4 Milliarden Euro auf fast 1,8 Milliarden Euro zurückgegangen. Dies erklärt sich der Studie zufolge mit den aktuell fast zeitgleich auslaufenden Entwicklungsarbeiten an mehreren Flugzeugprogrammen bei Airbus. Weil in den kommenden Jahren kein Flugzeugtyp komplett neu entworfen wird, hatte der Flugzeugbauer im vergangenen Sommer angekündigt, Leiharbeiterpositionen im Entwicklungsbereich zu streichen. In Branchenkreisen war von rund 1000 Stellen die Rede.

Den HWWI-Experten zufolge wird die Luft- und Raumfahrtindustrie jedoch daran arbeiten, die Effizienz der Fluggeräte zu erhöhen und somit Kosten und Emissionen weiter zu senken. Dazu zähle der zunehmende Einsatz leichterer Werkstoffe, die den Treibstoffverbrauch verringern. Zudem werde an neuen Fertigungstechnologien wie dem 3-D-Druck geforscht. Hierdurch entstehe in der Branche ein Bedarf an neuen Qualifikationen in den Ingenieurberufen.