Mitfahrzentrale

Blablacar sagt Bus und Bahn den Kampf an

Der Deutschlandchef von Blablacar, Olivier Bremer, will von Hamburg aus den
deutschen Markt für Mitfahrgelegenheiten aufrollen

Der Deutschlandchef von Blablacar, Olivier Bremer, will von Hamburg aus den deutschen Markt für Mitfahrgelegenheiten aufrollen

Foto: BlaBlaCar

Das französische Unternehmen mit Deutschlandsitz in Hamburg kauft Münchner Konkurrenten. Fünf Millionen neue Nutzer.

Hamburg. Für Olivier Bremer steckt der deutsche Markt der Mitfahrzentralen noch immer in den Kinderschuhen. „Es gibt so viele Menschen, die allein im Auto unterwegs sind und ohne Probleme noch jemanden mitnehmen könnten“, sagt der Deutschlandchef der weltweit größten Mitfahr-Plattform Blablacar. „Unser Ziel ist es, auf Fernstrecken zu einer ernst zu nehmenden Alternative zu Bus und Bahn zu werden.“

Um das eigene Geschäft auszubauen, hat Blablacar jetzt einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht: Das französische Unternehmen mit Deutschlandsitz in Hamburg übernimmt den Münchner Konkurrenten Carpooling.com, der die bekannten Plattformen mitfahrgelegenheit.de und mitfahrzentrale.de betreibt. Verkäufer sind der Autobauer Daimler, der Risikokapitalgeber Earlybird Venture sowie weitere, kleinere Anteilseigner. Durch den Schritt kommen zu den derzeit etwa 15 Millionen Nutzern von Blablacar weltweit noch einmal rund fünf Millionen überwiegend in Deutschland hinzu. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

„Es macht Sinn, die derzeitigen Mitfahrangebote in Deutschland auf einer Plattform zu bündeln und so die Schlagkraft gegenüber anderen konkurrierenden Mobilitätsformen zu erhöhen“, sagt Bremer. Die übernommenen Internetportale sollten zunächst zwar bestehen bleiben, langfristig aber in die bestehende Blablacar-Plattform integriert werden. Der Standort München bleibe in jedem Fall erhalten, auch die dortigen Mitarbeiter würden übernommen. „Wir haben derzeit elf Büros in der Bundesrepublik und sind die Arbeit in dezentralen Einheiten gewohnt“, betont der Deutschlandchef.

Blablacar wurde 2006 in Paris gegründet und ist seit etwa zwei Jahren auch in Deutschland aktiv. Das Unternehmen verknüpft auf der eigenen Internetseite die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten mit Elementen von sozialen Netzwerken wie Facebook. Fünf Cent pro Kilometer sind der Richtwert, generell ist es den Fahrern aber freigestellt, zu welchen Preisen sie ihre Dienste anbieten wollen.

„Hamburg – Berlin ab 14 Euro“, ploppt beispielsweise auf der Homepage unter der Überschrift „Günstigste Angebote“ auf. Eine Fahrt von Berlin nach Dresden ist ab neun Euro zu haben, Frankfurt – Stuttgart ab zehn Euro. Neben den Angeboten zeigen Bilder der Fahrer, mit wem man es auf der Autobahn zu tun bekommt. Außerdem sollen sich Fahrer und Mitfahrer kurz vorstellen, mit einer kleinen Biografie und Hobbys, so dass sich auf der Reise nette Gespräche über gemeinsame Interessen ergeben können. Apropos reden: Unter dem Blabla-Zeichen auf dem Internetprofil können sich die Kunden in Sachen Gesprächigkeit selber einstufen, von mundfaul über redselig bis Plaudertasche, sodass vorher klar ist, ob es im Fahrzeug eher laut oder leise zugehen wird.

Geld verdient Blablacar mit diesem Angebot derzeit noch nicht in Deutschland, die Nutzung des Portals ist hierzulande kostenlos. „Unser Ziel besteht zunächst einmal darin, die Zahl unserer Nutzer deutlich zu steigern und eine große Marktbedeutung zu gewinnen“, sagt Bremer. Erst danach werde man wie in anderen Ländern über eine Nutzungsgebühr oder Werbung auf der Plattform nachdenken.

Der Markt der alternativen Mobilitätskonzepte ist hart umkämpft. Auf Fernstrecken sind es derzeit vor allem die Busunternehmen, die der Bahn mit extrem günstigen Angeboten Konkurrenz machen. In den Großstädten etablieren sich hingegen immer mehr Car­sharinganbieter und Taxivermittler.

In diesem Zusammenhang hatte sich zuletzt auch der Autobauer Daimler stark engagiert. Unter dem Namen Moovel betreiben die Stuttgarter eine eigene Mobilitätsplattform im Internet, sind darüber hinaus an dem Car­sharinganbieter Car2go der Hamburger Taxivermittlungs-App Mytaxi beteiligt. Insofern erstaunt es, dass Daimler nun seine erst im Jahr 2012 erworbene Minderheitsbeteiligung an Carpooling wieder verkauft hat.

Bei dem Autobauer will man dies allerdings nicht als Rückzug aus dem Markt der alternativen Mobilitätskonzepte verstanden wissen. „Für Carpooling haben wir entschieden, dass eine Verschmelzung mit Blablacar die sinnvollste Lösung ist“, sagt ein Daimler-Sprecher dem Abendblatt. „Für die Zukunft planen wir, das Angebot von Blablacar in unsere eigene Plattform Moovel zu integrieren.“ Dazu sei es allerdings nicht zwingend erforderlich, an dem Unternehmen beteiligt zu sein.

Mit den anderen Marken Car2go und Mytaxi ist man im Konzern nach Angaben des Sprechers durchaus zufrieden und wird auch weiterhin an den entsprechenden Beteiligungen festhalten. So ist Mytaxi mit seinen Taxivermittlungsdiensten gerade in Italien an den Start gegangen. Das Geschäft soll vielversprechend angelaufen sein.