Hamburg

Per Taxi in den Beziehungsunfall

Taxifahrer sind seit jeher die beliebteste Berufsgruppe bei uns Journalisten. Nicht, weil sie uns nach Terminen zu später Stunde häufig überrascht im Rückspiegel begutachten („Mensch, Sie sind heute Abend aber die erste Nüchterne, die ich von dieser Gala nach Hause bringe!“), sondern weil sie immer wieder als Geschichten-Lieferant dienen.

Gestern fragte mich ein Fahrer eher rhetorisch, ob ich etwas Lustiges hören wolle. In seinen nunmehr 52 Jahren als Taxifahrer in Hamburg habe er dergleichen nicht erlebt, und er habe wirklich viel erlebt. Kein schlechter Spannungsbogen, den der Mann – nennen wir ihn mal Heinz – da aufgebaut hatte, ein Profi im Taxi-Storytelling, ohne Frage. „Klar!“, sagte ich, und der Erzähler legte los: Tatort Flughafen Hamburg, 19 Uhr an einem Sonnabend im April. Ein Mann mit zwei Koffern und einer Golftasche fragt Heinz, ob das alles in sein Auto passe. Aber sicher doch, entgegnet Heinz und wundert sich, schließlich hat er einen großen Wagen, hakt aber nicht weiter nach, denn die Tour soll nach Uetersen gehen, also eine sehr weite Strecke, 38 Kilometer, herrlich lukrativ. Schweigend fährt man vor sich hin.

Nach 36 Kilometern schließlich fragt der Mann: „Schatz, was ist mit dir, du bist so still?“ Heinz denkt erst, er sei gemeint und befürchtet einen homosexuellen Übergriff. Als der Mann neben ihm aber ein wenig hektisch nach hinten guckt, begreift er: Der hat seine Frau vergessen. Einfach stehen gelassen am Taxistand.

Warum die Dame sich nicht auf dem Handy gemeldet hat, ob sie in der Zwischenzeit vielleicht die Scheidung eingereicht hat, viele Fragen gehen Heinz durch den Kopf, aber er wagt nur zu fragen: „Noch mal zurück?“ „Nee“, sagt der Mann. „Nu sind wir ja schon fast zu Hause.“