Industrie

Wechsel bei Hamburger Chemiehändler Biesterfeld

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Daniela Stürmlinger
Der neue Chef der Biesterfeld AG, Thomas Arnold (links) steht neben dem alten Chef Birger Kuck

Der neue Chef der Biesterfeld AG, Thomas Arnold (links) steht neben dem alten Chef Birger Kuck

Foto: Michael Rauhe

Birger Kuck, der Vorsitzende des  Vorstands, nahm Ende März im Alter von 60 Jahren seinen Hut. Er überlässt das Geschäft einem Jüngerem.

Hamburg. Ein hanseatisches Traditionshaus, gegründet 1906 und in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend. Doch in diesem Jahr öffnet das auf die Distribution von Spezialchemikalien spezialisierte Unternehmen Biesterfeld erstmals seine Türen für die Presse – weil eine Ära zu Ende geht. Birger Kuck, der Vorsitzende des Vorstands, nahm Ende März im Alter von 60 Jahren seinen Hut. „Diesen Entschluss habe ich bereits vor drei Jahren gefasst“, sagt Kuck, der 38 Jahre in der Firma war und sich vom Auszubildenden zum Chef hochgearbeitet hat. Sein Nachfolger wird Thomas Arnold. Der 55-Jährige kennt sich gut aus in der Chemiebranche. Unter anderem hat er bei einem großen Hamburger Mitbewerber gearbeitet.

Die Branche des Chemiekalienhandels hat in Hamburg eine große Tradition. Energie spielte in der Stadt schon immer eine große Rolle. Bereits 1890 kam der Mineralölkonzern Esso in die Hansestadt. Auch heute noch arbeitet Biesterfeld mit deren Muttergesellschaft ExxonMobil zusammen. Unter Spezialchemikalien versteht man chemische Produkte, die aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften für eine Vielzahl von Anwendungen benötigt werden. Darunter befinden sich etwa Granulate aus Kunststoff, die zum Beispiel im Spritzgussverfahren zu Formteilen wie einem Armaturenbrett verarbeitet werden. „Rund 25 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Zulieferern der Automobilindustrie“, sagt Kuck. Insgesamt hat Biesterfeld 2014 rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Damit haben sich die Erlöse des Unternehmens seit dem Jahr 2004 fast verdoppelt.

750 Mitarbeiter, gut 300 davon in Hamburg inklusive der 21 Auszubildenden, arbeiten an mehr als 55 Standorten in über 30 Ländern weltweit. Sie beraten und unterstützen ihre Kunden in der Produktentwicklung. Lieferantenseitig arbeitet Biesterfeld mit weltweit führenden Produzenten zusammen. Hierzu zählen die amerikanischen Unternehmen DuPont oder Dow Corning, das asiatische Unternehmen ChiMei Taiwan oder namhafte europäische Produzenten wie Ineos. „Wir haben rund 20.000 Kunden in 120 Ländern“, sagt Kuck. „Auch deshalb konnten wir uns weltweit auf Rang sieben der größten Chemiedistributeure hocharbeiten.“ Die Geschäftsbeziehungen seien sehr langfristig angelegt.

Die Liste der Produkte, die Biesterfeld vertreibt, ist mit rund 13.000 riesig. So entwickeln und vermarkten die Hamburger Chemikalien für die Kosmetikindustrie, Tenside für Waschpulver, Cremes und Sonnenschutz, sowie Rohstoffe für Joghurtverpackungen oder auch Nahrungsergänzungsmittel. „Viele unserer Substanzen findet man in Produkten in Drogeriemärkten und im Einzelhandel“, sagt Arnold. „Inzwischen arbeiten wir auch an Zutaten für Naturkosmetik“, so der neue Chef. Die Anwendungsbereiche der Chemikalien sind breit. So vermarktet das Unternehmen Silikone für die Herstellung von speziellen Schläuchen, die dadurch wasserabweisend sind und so für die Zuleitung zu Bohrinseln eingesetzt werden können.

Das Unternehmen Biesterfeld befindet sich in dritter Generation in Familienbesitz. Das heutige Management kommt zwar nicht aus der Familie, aber der Eigentümer Dirk J. Biesterfeld ist Aufsichtsratsvorsitzender. Seine Tochter Carola Weger sitzt ebenfalls im Kontrollgremium. Heute gehört das Unternehmen zu den großen spezialisierten Distributeuren.

Doch in den 70er-Jahren war Biesterfeld sehr viel breiter aufgestellt. In Alsfeld bei Kassel hatte das Unternehmen etwa einen Konfektionierungs­betrieb für Papiere und Folien gebaut, in dem ab 1977 auch die Eigenmarke Julia-Haushaltspapiere hergestellt wurde. Auch weitere Unternehmen wie ein Konfektionierungsbetrieb für Plastikfolien in Hamburg-Hausbruch gab es.

Ende der 1990er-Jahren definierte das Unternehmen folgende Bereiche als Kerngeschäft: Kunststoffe und Kautschuk, Spezialchemikalien sowie der internationale Handel mit Indus­triechemikalien, Agrar- und Pharmarohstoffen. „So sind wir im Pharmabereich zum Beispiel ein großer Anbieter von Vitamin C in Europa“, sagt Kuck. Er hat die Umstrukturierung des Unternehmens aktiv betrieben. Nun will Arnold die Hamburger Traditionsfirma weiter nach vorne bringen. Sein Ziel: Das Ranking von Bieterfeld als heute siebtgrößter Distributeur weltweit weiter verbessern.

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