Reemtsma-Entführer

Tod von Wolfgang Koszics bei Aktenzeichen XY

Reemtsma-Entführer
Wolfgang
Koszics 1997 auf
dem Weg ins Landgericht

Reemtsma-Entführer Wolfgang Koszics 1997 auf dem Weg ins Landgericht

Foto: dpa

Hamburger Polizei will Tod des Reemtsma-Entführers mit Hilfe der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ aufklären.

Hamburg. Der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel und Beamte des Landeskriminalamts werden in Portugal die Leiche des an der Reemtsma-Entführung beteiligten Wolfgang Koszics untersuchen. Die portugiesischen Behörden hätten ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen der Hamburger Staatsanwaltschaft bewilligt, sagte die Sprecherin der Behörde, Nana Frombach. Wann und wohin genau sich die Experten auf den Weg machen, wollte Frombach nicht sagen.

Koszics' Leiche war am 10. Februar 2014 im Meer vor der portugiesischen Algarve entdeckt worden. Erst ein Jahr später wurde dies bekannt. Die portugiesische Polizei vermutet, dass der 72-Jährige von einer Klippe gestürzt ist und geht von einem Selbstmord aus, das Landeskriminalamt Hamburg hält jedoch ein Tötungsdelikt für möglich. Die Staatsanwaltschaft führt ein Todesermittlungsverfahren. „Wir sind daran interessiert, das Verfahren abzuschließen und zu klären, ob es ein Fremdverschulden gab.“ Koszics war 1996 an der Entführung des Hamburger Millionen-Erben Jan Philipp Reemtsma beteiligt.

Er gehörte zu der vierköpfigen Bande um Thomas Drach, die den Sozialwissenschaftler in einem Verlies in Garlstedt bei Bremen festgehalten hatte. Nach 33 Tagen ließen die Täter Reemtsma für umgerechnet rund 15,3 Millionen Euro frei. Vom Großteil des Geldes fehlt bis heute jede Spur. Koszics war im Mai 1996 in der spanischen Stadt Murcia festgenommen worden. Dabei hatte er versucht, sich das Leben zu nehmen. Am 14. Februar 1997 verurteilte ihn das Hamburger Landgericht zu einer Haftstrafe von zehneinhalb Jahren.

Die Hamburger Polizei will den mysteriösen Tod des Reemtsma-Entführers Wolfgang Koszics auch mit Hilfe der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ aufklären, die am heutigen Mittwoch ausgestrahlt wird. Koszics war zuletzt in Steilshoop gemeldet. Am 6. Februar 2014 soll er nach Sagres in Südportugal gereist sein. Nach portugiesischen Medienberichten landete er in Faro und fuhr mit einem Mietwagen die 115 Kilometer nach Sagres. Dort soll er sich ein kleines Appartement gemietet haben. Vier Tage später war er tot.

Bei dem Toten seien keine Papiere oder persönlichen Gegenstände gefunden worden, hieß es. In seinem Blut wurden rund vier Promille Alkohol festgestellt, obwohl er nicht getrunken habe. Koszics hatte 15 Jahre im Gefängnis gesessen. In der Zeit hatte er nach LKA-Ermittlungen Morddrohungen erhalten.