Harvestehude

Luxus-Villa am Mittelweg Ziel von Anschlägen

Die Villa des Gold- und Diamantmagnaten Alfred Beit am Mittelweg 113.

Die Villa des Gold- und Diamantmagnaten Alfred Beit am Mittelweg 113.

Foto: Louisa Rascher

Die „Beit Villa“ wird derzeit teuer saniert. Einbrecher verursachen Schaden von 130.000 Euro. Eskaliert hier ein Nachbarschaftsstreit?

Hamburg.  Es ist der wohl prachtvollste Altbau in Harvestehude: Die denkmalgeschützte Villa des einstigen Gold- und Diamantmagnaten Alfred Beit am Mittelweg 113. Der Altbau von 1895 hat eine bewegte Geschichte, derzeit wird die „Beit Villa“ zum Luxus-Ensemble umgebaut. Gestört werden die Arbeiten jedoch seit Monaten von Einbrechern, die Leitungen zerstören und Wände zerkratzen. Schaden: Insgesamt 130.000 Euro. Die Polizei sucht jetzt Zeugen.

Täter brechen ein um zu zerstören

Der erste Vorfall ereignete sich Anfang Januar. „Unbekannte sind nachts in die Villa eingebrochen und haben Elektroleitungen gestohlen“, sagt Polizeisprecher Jörg Schröder. Weil die Anlage derzeit eine Baustelle ist, ist das Gebäude nachts nicht vor Einbrüchen geschützt.

Daraufhin brachen Unbekannte im Januar und Februar weitere drei Male - immer am Wochenende - in die Villa ein. Der Unterschied: Beim ersten Einbruch wurde etwas gestohlen, bei den letzten drei Vorfällen wollten die Täter offenbar nur zerstören.

„Jedes Mal haben die Täter Wände zerkratzt und mit einer Flex die Rohre der Fußbodenheizung beschädigt“, sagt Schröder. Dadurch sei stundenlang Wasser ausgetreten, wodurch weitere Leitungen und Fußböden in dem Prachtbau zerstört worden sind. „So kommt der Sachschaden von insgesamt 130.000 Euro zusammen. Außerdem kommt es zu erheblichen Bauverzögerungen“, sagt der Polizeisprecher.

Einen konkreten Hinweis auf ein Motiv für die Zerstörungswut der Einbrecher habe die Polizei nicht. Hinter den Kulissen ist jedoch von einem Nachbarschaftsstreit die Rede. Auf Nachfrage sagte auch die Polizei, dass man dies nicht ausschließen könne.

Villa gehörte einem der reichsten Männer seiner Zeit

Einst gehörte die Villa einem der reichsten Männer seiner Zeit: Alfred Beit (1853 - 1906). Der britisch-südafrikanische Adlige mit deutschen Wurzeln machte sein Vermögen mit einem Imperium aus Diamanten- und Goldhandel. Er lebte vor allem in London, hatte aber seine Lehre in einer Hamburger Im- und Exportfirma gemacht. Für seine Mutter Laura ließ er deshalb die prachtvolle Villa am Mittelweg 113 erbauen, in der er während seiner Aufenthalte in Hamburg lebte.

Später wurde der Prachtbau zur „Sesamstraße“

Später nutzte der NDR die Villa für Dreharbeiten unter anderem der „Sesamstraße“, dann zog ein Meinungsforschungsinstitut in das Haus. Seit 2005 ist die „Beit Villa“ auf dem 10 000 Quadratmeter großen Grundstück denkmalgeschützt.

Derzeit wird der Altbau saniert und zu einer Luxus-Residenz mit sieben Wohnungen umgebaut. 296 bis 723 Quadratmeter groß sollen die Apartments sein, inklusive 4,60 Meter hohen Decken, Dachterrassen und mehreren Schwimmbädern.

Enno Isermann, Pressesprecher der Kulturbehörde, lobte die Zusammenarbeit mit der Eigentümerin, die sich auf Anfrage nicht äußern möchte. „Es kommt selten vor, dass Eigentümer mit so viel Herzblut darum bemüht sind, das Denkmal bei der Sanierung zu erhalten und sich so klar nach den Vorgaben richten.“ Dies betreffe nicht nur die Fassade des Hauses, sondern auch die Inneneinrichtung - wie etwa alte Marmorkamine.

Auch diese wurden offenbar bei einem der Anschläge erheblich beschädigt. Um Hinweise bittet die Polizei unter Tel. 428 65 67 89.