Hamburger Unternehmen

Josanto produziert Ponchos, die man essen könnte

Hofft auf Schmuddelwetter, damit der Absatz seiner Regenponchos steigt: Josanto-Chef
Joscha Franke mit seiner innovativen Idee

Hofft auf Schmuddelwetter, damit der Absatz seiner Regenponchos steigt: Josanto-Chef Joscha Franke mit seiner innovativen Idee

Foto: Marcelo Hernandez

Das Hamburger Unternehmen Josanto fertigt Regencapes. Das Besondere: Sie bestehen aus pfanzlicher Stärke und sind kompostierbar.

Hamburg.  Am besten ist Regen. Richtiger Regen. Nicht nur ein bisschen grauer Himmel, sondern richtiges Schmuddelwetter. Mit Nieselregen, Schauern und Güssen, mit Wolkenbrüchen und Sturzregen. Die Rechnung von Joscha Franke, 29, ist einfach: Schlechtes Wetter ist gut fürs Geschäft. Denn der Hamburger vertreibt Regenponchos. Sein Ziel: „den bestehenden Gebrauch von Regenschutz zu verbessern – und die Regencapes zu einer beliebten Werbefläche für Unternehmen zu machen“, sagt Joscha Franke und wirbt damit, seinen Kunden innerhalb von drei Wochen individuell bedruckte Regenponchos zu besorgen. Mindestabnahmemenge: 500 Stück. Zu seinen Kunden gehören zum Beispiel Firmen, welche die Regenponchos als Werbegeschenk nutzen, und Veranstalter von Outdoor-Events wie Konzerten, die die Capes an die Besucher verteilen oder verkaufen.

Fast 100.000 Stück hat Josanto im vergangenen Jahr verkauft, in diesem Jahr will sich das Mitte 2013 gegründete Unternehmen auch im Einzelhandel etablieren und die Absatzzahlen verdoppeln. Neu im Sortiment ist ein Regenponcho aus Bioplastik, der zu 100 Prozent kompostierbar ist – und nach Angaben von Joscha Franke sogar essbar sei, da er vorwiegend aus pflanzlicher Stärke bestehe, die aus Mais oder Kartoffeln gewonnen wird. „Weil die Rohstoffe ohne den Einsatz von Gentechnik angebaut werden und das Material biologisch entsorgt werden kann, handelt es sich bei dem Poncho um ein ganzheitlich gutes Produkt“, so Joscha Franke, der vor seiner Selbstständigkeit VWL studiert hat. Die Nachhaltigkeit steht für Joscha Franke und seine Geschäftspartnerin Antonia Haase, 28, im Mittelpunkt ihrer Unternehmensphilosophie.

„Wir sind Weltverbesserer. Idealisten“, sagt Joscha Franke. „Wir glauben, dass es keine Grenzen gibt, wenn es zum Thema Nachhaltigkeit kommt.“ Das sei keine Floskel. Kein Werbegag. Sondern eine Lebenseinstellung. Bereits nach ihrem Studium haben die beiden in den USA für eine Firma gearbeitet, die kompostierbare Alternativen zu Wegwerfprodukten wie Kaffeebechern entwickelt haben.

Der Weg vom kompostierbaren Kaffeebecher zum Bio-Regencape führte direkt vom Silicon Valley nach Hamburg, wo die beiden Start-up-Gründer nur ein paar Wochen nach ihrer Rückkehr die Idee zu Josanto entwickelt haben. „Ich war oft in Asien und habe gesehen, welchen Stellenwert Regenponchos dort haben. Da es bis dato keinen entsprechenden Markt in Deutschland gab, wollten wir diese Lücke füllen“, so Joscha Franke, der den Job erst seit Kurzem hauptberuflich macht und in der Anfangszeit nebenbei noch gearbeitet hat. Weil Josanto sonst nicht zu finanzieren gewesen sei. Weil die erste Bestellung zwar kurz nach dem Start eingegangen sei, danach aber wochenlang nichts passierte. Weil das Geschäft ein ewiges Auf und Ab sei. Und weil Josanto immer noch dabei sei, sich auf den Markt zu positionieren. „Es ist schwierig, sich als junges Unternehmen zu etablieren. Es reicht nicht, einfach ein tolles Produkt zu haben und es im Internet zu präsentieren“, sagt Joscha Franke, der regelmäßig auf Messen und Branchentreffen für seine Ponchos wirbt und optimistisch ist, dass sein Unternehmen damit großen Erfolg haben wird. „Der Klimawandel in Richtung feuchte Sommer ist optimal für unser Geschäft.“

Sechs verschiedenen Modelle hat Josanto inzwischen im Angebot, drei davon aus Bioplastik, die es je nach den Wünschen der Kunden in verschiedenen Farben und Formen gibt und die individuell bedruckt werden können. Die Preise für den Standard-Poncho mit einem einfarbigen Druck liegen bei 1,50 Euro pro Stück, für die Bio-Variante fallen knapp drei Euro an. Hergestellt werden die Regencapes in China. In Shanghai hat das Unternehmen eine Zweigstelle. „Wir sind mehrmals dorthin gefahren und haben uns die Fabrik angeschaut. Uns ist wichtig zu wissen, wo unsere Waren herkommen“, sagt Joscha Franke, der den Werbekatalog sowie die Internetseite www.josanto.de nur mit der Hilfe von Freunden aufgebaut hat. Rund 90 Prozent der Bestellungen kommen derzeit aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, doch Josanto will auch international durchstarten. Das Ziel ist hoch gesteckt: Das Hamburger Unternehmen will offizieller Ausstatter mit Regenponchos auf großen Sportveranstaltungen werden. Auf welchen? Für Joscha Franke ist das ganz klar: „Olympia!“ Er selbst hat ­übrigens immer ein paar Regenponchos griffbereit, in der Jacke oder unter dem Fahrradsattel. Für sich selbst und andere. Weil er niemand ist, der andere im Regen stehen lässt.