Hamburg

Elisa, Terrassenhäuser, Tre Castagne: Reißen wir zu viel ab?

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Axel Ritscher
Erst kürzlich wurde das Tre Castagne an der Eppendorfer Landstraße abgerissen

Erst kürzlich wurde das Tre Castagne an der Eppendorfer Landstraße abgerissen

Foto: Juergen Joost

Stadtplaner kritisiert die Behörden. Er fordert ein stimmiges Gesamtbild statt gelegentlicher und akribischer Rekonstruktionen.

Hamburg.  Wohnt es sich schöner in neuen Mauern oder ist das alte, ehrwürdige die bessere Wahl? Muss es der technisch neueste Stand sein oder tut es auch ein rustikaleres Quartier? Oder zugespitzt gefragt: Reißt Hamburg zu viel ab?

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) und das Denkmalschutzamt sagen nein. „In den letzten drei Jahren hat es 13 Abrissgenehmigungen für geschützte Denkmäler gegeben, darunter kein einziges in städtischem Eigentum“, sagte der Leiter des Denkmalschutzamtes, Andreas Kellner. „Angesichts der rund 18.000 geschützten Gebäude in der Stadt ist das sehr wenig.“

Alte Bausubstanz wahrt Identität

Trotzdem bleibt Hamburg für viele Stadtplaner und Historiker die „Freie und Abrissstadt“. Zumal nicht alle als wertvoll erachteten historischen Gebäude auch unter Schutz stehen. Die Terrassenhäuser in Wandsbek etwa sind kein anerkanntes Denkmal, die Hammer Schumacher-Bauten am Elisabethgehölz auch nicht, ebenso wenig das gerade abgerissene Eppendorfer Restaurant „Tre Castagne“. Einzig die umstrittenen City-Hochhäuser sind geschützt, aber der Oberbaudirektor hält sie für nicht erhaltenswürdig. Ihr Verkauf läuft, der Abriss ist zu erwarten, steht zumindest formal aber noch nicht fest.

„Es geht weniger um den technischen Erhalt und die penible Rekonstruktion historischer Vorbilder, sondern um das atmosphärische und identitätsstiftende der alten Bausubstanz“, sagt der Hamburger Stadtplaner Julian Petrin vom Stadtlabor „Nexthamburg“. Oft würden wirtschaftliche Argumente vorgeschoben. Aber die Internationale Bau-Ausstellung (Iba) habe gezeigt, wie ein angeblich nicht bedarfsgerechter Bestand gerettet werden könne, sagt Petrin, „das ‘Welt-Quartier’ an der Wilhelmsburger Veringstraße ist eine Erfolgsgeschichte und hat eine Landmarke für den Stadtteil erhalten. Warum machen sich andere Genossenschaften nicht anhand der Erfahrungen mit diesen Projekten schlau und retten die Bausubstanz, statt abzureißen wie beim Elisabethgehölz?

Die Beispiele aus Wandsbek, Hamm, Mitte und Eppendorf zeigten die bedenkliche Abrissfreudigkeit der Stadt. „Auf einem zentralen Platz im Stadtteil mit dem Restaurant ‘Tre Castagne’ den letzten Zeugen einer dörflichen Vergangenheit wegzunehmen, dazu gehört schon einiges“, sagt Petrin. Auch die jetzt bedrohten Terrassenhäuser in Wandsbek seien eine echte Hamburgensie, ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt. „Was in Berlin die Hinterhöfe sind, waren Hamburg die Terrassenhäuser“, sagt Petrin. In Anlehnung an englische Arbeiter-Reihenhäuser haben sie die Tradition der Gängeviertel weitergeführt. „Gerade in einem Stadtteil wie Wandsbek, wo fast alle historischen Spuren ausgelöscht sind, wäre es wichtig für die Entwicklung von Stadtkultur und Lebensfreude, solche Orte zu pflegen.“

Das Denkmalschutzamt winkt ab und argumentiert juristisch. Atmosphärische Gründe sehe das Denkmalschutzgesetz nicht vor, sagt Amtsleiter Kellner. Für die Stadtbildpflege gebe es das Instrument der städtebaulichen Erhaltensverordnung, wofür die Stadtplanung zuständig sei. Die damit angesprochene BSU sieht sich nicht in der Verantwortung. Sie erklärte, Erhaltensverordnungen seien Sache der Bezirke.

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