Hamburg

Brandbrief an Senator Rabe: Schulleiter überlastet

Der Verband der Hamburger Schulleitungen (VHS) wendet sich mit einem Brief direkt an Schulsenator Ties Rabe.

Der Verband der Hamburger Schulleitungen (VHS) wendet sich mit einem Brief direkt an Schulsenator Ties Rabe.

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Hamburgs Schuldirektoren klagen über eine Vielzahl an zusätzlichen Aufgaben, für die allerdings keine Zeit zur Verfügung gestellt wird.

Hamburg.  Die Schulleiter in der Hansestadt fühlen sich angesichts immer neuer Tätigkeiten überlastet. Inklusion und Ganztag bringen zusätzliche Aufgaben mit sich, die viel Zeit kosten - Zeit, die den Direktoren laut Verband Hamburger Schulleitungen (VHS) von der Behörde nicht zur Verfügung gestellt werde. Nun fordert der VHS vom Schulsenator Ties Rabe angepasste Arbeitszeiten und eine bessere Besoldung.

„Besonders Grundschulleiter sind von zu hohen Arbeitsbelastungen betroffen“, sagt Ulrike Hastedt vom Verband Hamburger Schulleiter. Grund dafür sei das kleine Team, das die Schulen leiten müsse. Hingegen haben Gymnasien und Stadtteilschulen mehr Personal und somit mehr Möglichkeiten, die zunehmenden Aufgaben zu bewältigen. „In einer Grundschule erledigt sie allein der Schulleiter.“

Stephan Kufeke leitet die Grundschule Großlohering in Rahlstedt und begann seine Karriere als Schuldirektor vor acht Jahren. „Der Beruf ist nicht mehr das, was er früher mal war“, erzählt Kufeke. Heute müssten die Grundschulleiter Manager-, Entwickler-, Controller-, Finanzplanungs- sowie Personalführungsaufgaben erledigen, „wodurch das Unterrichten auf der Strecke bleibt“. Für Sport- und Englischstunden habe der Lehrer schon lange keine Zeit mehr.

Arbeitszeitmodell für Lehrer nicht mehr zeitgemäß?

Nach Meinung der Schulleiterverbandes sei das Lehrerarbeitszeitmodell von 2003 überholt. Die Zeitaufteilung sowie das Besoldungssystem seien ungerecht und „nicht tragbar“, sagt Ulrike Halstedt, die seit acht Jahren Schulleiterin der Rissener Grundschule Marschweg ist. Die Besoldung ist an die Schülerzahl der Schule gekoppelt, „so dass rund ein Drittel der Grundschulleiter, die nach A13 bezahlt werden, weniger verdienen als Lehrkräfte mit einer herausgehobenen Aufgabe an Gymnasien oder Stadtteilschulen“. Im Vergleich zu Grundschullehrern ohne leitende Position verdienen die Schulleiter nur 150 Euro mehr.

Unter diesen Umständen würde es in Zukunft immer schwieriger werden, die Schulleiterstellen in Hamburg zu besetzen. Halstedt: „Selbst erfahrene Schulleiter sind bereits zurückgetreten, da sie dem zeitintensiven Arbeitsaufwand nicht gerecht wurden.“