Systemgastronomie

Fünf-Minuten-Gerichte sind in Hamburg im Trend

Die Gesellschafter Kemal Üres (l.) und Moritz Jencquel (r.) mit dem Geschäftsführer Manuel Hauck im Daily Your Coffee & Food in der Hammerbrookstraße

Die Gesellschafter Kemal Üres (l.) und Moritz Jencquel (r.) mit dem Geschäftsführer Manuel Hauck im Daily Your Coffee & Food in der Hammerbrookstraße

Hamburger Systemgastronom Daily erzielt bereits einen Millionenumsatz. Weitere Filialen sind in Hamburg und auch in Berlin geplant.

Hamburg.  Im Daily an der Hammerbrookstraße beginnen um kurz vor zwölf Uhr die Stunden der offenen Tür. Montags bis freitags. Der Bewegungsmelder an der Schiebetür des Restaurants registriert einen Gast nach dem anderen und sorgt für ein dauerhaftes Offenstehen. Vor dem Tresen bildet sich eine Schlange, die die Mitarbeiter schnell abarbeiten. „Von dem Zeitpunkt an, wenn der Kunde den Laden betritt, bis er das Essen erhält, dürfen maximal fünf Minuten vergehen“, erklärt Gesellschafter Moritz Jencquel das Konzept. Schließlich hätten die rund 35.000 Beschäftigten in der City Süd nicht viel Zeit in ihrer Mittagspause. Dank des hohen Tempos können bis zu 1100 Kunden in den drei Stunden bedient werden. Die Geschäftsleute sind die Zielgruppe des Systemgastronomieunternehmens, das mit vollem Namen Daily Your Coffee & Food Company heißt, in Hamburg gegründet wurde und nun expandieren will.

Vor fünf Jahren brachte Kemal Üres seine Geschäftsidee auf den Markt. „Ich wollte einen richtig guten Coffeeshop mit gutem Essen verbinden, bei dem alles frisch, ohne Geschmacksverstärker und möglichst mit regionalen Zutaten von uns selbst gekocht wird“, sagt der Kaufmann und Gastronom. Er mietete auf der Fleetinsel die ersten Räumlichkeiten mit 40 Sitzplätzen. An der Fettstraße in Eimsbüttel stellte er mit einem Koch zusammen die Speisen her, fuhr sie zum Restaurant, in dem seine Frau die Produkte heiß machte und an die Kunden brachte. „Ich wollte 400 warme Essen pro Tag verkaufen. Das hatte ich am dritten Tag erreicht“, erinnert sich der 37-Jährige an den Start.

Zwei Jahre später sah er das leerstehende Geschäft in der City Süd. Direkt gegenüber der S-Bahnstation. Ein Bus hält vor der Tür. „Und der Zebrastreifen führt direkt in mein Geschäft“, sagt Üres. Drei Faktoren, die für viel Laufkundschaft sorgen und ihn überzeugten. Für zehn Jahre plus Verlängerungsoption mietete er die 230 Quadratmeter große Fläche im Haus Nummer 89, in der vorn 120 Sitzplätze untergebracht sind und hinten die Küche, die nun als zentrale Produktionsstätte für die beiden Verkaufsstellen dient. Rund 600.000 Euro investierte er. „Das war sehr viel Geld für mich, auch wenn ich schon vorher als Unternehmer tätig war“, sagt der Gründer des Restaurants La Paz am Heußweg und Mitinhaber des Weiterbildungsunternehmens Eisberg.

Wieder wurden seine Umsatzerwartungen von Anfang an erfüllt. Im Schnitt geben die Gäste 5,50 Euro aus. Einen großen Salat gibt es für 4,30 Euro. Eine vegetarische Suppe kostet 4,60 Euro. Pasta mit Tandoori-Huhn schlägt genauso wie Reis mit Erdnuss-Kokos-Huhn mit 5,80 Euro zu Buche. Eine Pizza mit Parmaschinken ist für 6,90 Euro zu haben. Es gibt Gerichte, die vegan, vegetarisch, gluten- oder laktosefrei sind. Üres: „Derzeit suchen wir nach einer neuen Produktionsstätte, weil die Aufträge immer mehr werden.“

Das Unternehmen beruht auf mehr Säulen. Neben der zentralisierten Produktion und den beiden Läden werden die Firmenkunden immer wichtiger. Daily übernahm das Catering für Veranstaltungen und erhielt daraufhin häufig die Anfrage, ob nicht auch Mittagessen für die Mitarbeiter ins Haus geliefert werden können. Jüngst kam auch das Premium Catering hinzu, bei dem auf Vernissagen und anderen gehobenen Anlässen hochwertige Speisen und Fingerfood bestellt werden können. Insgesamt stünden mittlerweile 600 Unternehmen in der Kundendatei.

„Wir versorgen bestimmt 4000 Leute pro Tag mit Essen“, sagt Üres. In diesem Jahr soll sich der Umsatz verdoppeln, mindestens 2,2 bis 2,5 Millionen Euro will das Unternehmen erlösen. Spätestens 2020 soll sich der Umsatz verdreifacht haben. Auch unterm Strich bleibe ein ordentlicher Gewinn übrig, sagt Üres, der das operative Geschäft mittlerweile an Jencquel und den Geschäftsführer Manuel Hauck, 29, übergeben hat: „Unsere Ebit-Marge liegt bei 18 bis 22 Prozent.“

Der Vorteil liege in der zentralen Produktion. Sie ermögliche, mehrere Läden mit jeweils nur drei Beschäftigten zu führen, weil dort das Essen nur noch erwärmt werden muss. Der Firmengründer plant, diese Kostenvorteile zu nutzen. „Noch in diesem Jahr kommen zwei neue Shops in Hamburg hinzu“, sagt Üres, dessen Unternehmen 55 Mitarbeiter beschäftigt, davon knapp 30 Festangestellte. Ein Laden werde sehr wahrscheinlich im Sommer in der Hafencity an den Start gehen, der zweite in der City Süd. Die Umgebung mit Unternehmen wie DAK, Deutscher Bahn und Helm AG sei einfach ideal. Die Gespräche mit den Vermietern liefen aber noch.

Einen Abschluss kann der für das Franchisegeschäft zuständige Betriebswirt Jencquel vermelden: „Wir haben das Daily-Konzept gerade nach Berlin vergeben.“ Im Sommer will ein Franchisenehmer im Bezirk Mitte ein Restaurant mit großer Produktion eröffnen. Rasch könnten weitere Läden in der Hauptstadt folgen. 25.000 Euro kostet die Einstiegsgebühr, sechs Prozent des Netto-Umsatzes müssen monatlich an die Daily Franchise GmbH abgetreten werden. Auch mit potenziellen Investoren aus weiteren Städten sei man in guten Gesprächen, sagt der 31-Jährige: „Ich bin optimistisch, dass wir in diesem Jahr in drei bis fünf Städten Geschäfte eröffnen können.“