Olympisches Alsterfeuer

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20.000 Fackelträger versammeln sich an der Binnenalster um ihre Begeisterung für die Spiele zu zeigen

Altstadt . Kurz nach 18 Uhr ertönt das Signalhorn eines Alsterdampfers, wenige Sekunden später verwandelt sich die Promenade rund um die Binnenalster in ein Lichtermeer. Der große Andrang hat dafür gesorgt, dass sich der Start der Aktion um einige Minuten verzögert, bis letzten Endes auch die letzte Fackel vergriffen ist. Die Begeisterung der Anwesenden über diesen einzigartigen Anblick ist spürbar. Einzelne Jubelrufe sind zu vernehmen, andere staunen schweigend angesichts der unzähligen Fackeln, die den Abendhimmel erleuchten. „Hamburg meine Perle“ dröhnt aus den Lautsprechern, die rund um die Binnenalster aufgestellt sind. Über 20.000 Hamburger haben sich am Freitagabend rund um den Jungfernstieg versammelt, um für die olympischen Spiele in ihrer Stadt zu werben. Ein gut zehnminütiges Feuerwerk sorgt für einen imposanten Abschluss der Veranstaltung, die trotz des ungemütlichen Wetters die Erwartungen der Organisatoren übertroffen hat. „Die olympischen Spiele sind ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Kerstin Rulf, 44, die zusammen mit ihrer Familie an die Binnenalster gekommen ist. „Vor allem meinen Kindern würde ich es wünschen, dieses Event als Jugendliche erleben zu dürfen.“

Hinter der Fackelaktion steht die Initiative „Olympia in Hamburg“, die von den Gründern des Miniatur Wunderlands Hamburg, Stephan Hertz und den Zwillingsbrüdern Frederik und Gerrit Braun ins Leben gerufen wurde. Auf 5.000 Teilnehmer hatten die Veranstalter im Vorfeld gehofft, vor allem die Wetterprognosen dämpften die Erwartungen. „Die Aktion soll der Welt zeigen, dass Hamburg die Spiele will“, so die Veranstalter.

Bereits in der Vergangenheit haben sie versucht, die Hamburger für die olympischen Spiele in der Hansestadt zu begeistern. Dafür bauten sie beispielsweise ein Modell-Stadion für die große Sportveranstaltung, in dem Befürworter symbolisch jeweils einen Zuschauer auf den Rängen platzieren konnten.

„Mit dem Alsterfeuer wollten wir ursprünglich ein letztes Zeichen vor der Befragung des Deutschen Olympischen Sportbundes setzen“, sagt Frederik Braun. Diesem Plan machte der DOSB vergangene Woche einen Strich durch die Rechnung. Die möglicherweise entscheidende Telefonumfrage von jeweils 1.500 repräsentativ ausgewählten Bürgern in den beiden Bewerberstädten Hamburg und Berlin startete nämlich bereits am Mittwoch.

Das Engagement für olympische Spiele in ihrer Geburtsstadt begründen die drei Initiatoren mit „privater Leidenschaft“. „Die olympischen Spiele sind eine hervorragende Möglichkeit für alle Hamburger, live dabei zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird“, sagt Frederik Braun. Bereits bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2006 habe er jedes Spiel beim Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld verfolgt. „Es war für mich eine einzigartige Erfahrung, mit den Fans aus aller Welt zusammenzukommen und gemeinsam zu feiern. Ich habe diese Zeit sehr genossen und denke, dass Olympia eine tolle Gelegenheit wäre, Hamburg erneut als multikulturelle Bühne zu erleben.“

Die Umfrageergebnisse sollen um den 10. März veröffentlicht werden

Dass nicht alle diese Meinung teilen, weiß der 47-jährige Unternehmer. „Manche Kritikpunkte sind in meinen Augen vollkommen berechtigt und auch sinnvoll. Schließlich dürfen die Spiele der Stadt nicht schaden. Jedoch gibt es auch einige Kritiker, die sich gegen eine Bewerbung Hamburgs aussprechen, nur um sich wichtig zu machen. Die sind leider an einer konstruktiven Diskussion nicht interessiert.“ Er selbst sei mit der aktuellen Bewerbungsmappe der Hansestadt vollends zufrieden. Ähnlich sieht das die Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Katja Suding: „Hamburgs Olympiabewerbung hat keine skeptische Verweigerungshaltung, sondern grundsätzliche Unterstützung verdient, der eine sachliche Klärung von Chancen und Risiken im Detail folgen muss.“

Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der Befragung des DOSB wird um den 10. März herum gerechnet. Dass Hamburg das Rennen machen wird, ist für Heino Hushahn, 68, der zum Fackellauf gekommen ist, keine Frage. „Wir haben viel mehr zu bieten als Berlin.“ Hamburg werde nicht umsonst das Tor zur Welt genannt.