AfD-Spitzenkandidat Jörn Kruse über Politik in der Opposition

Hamburg. Nach dem Einzug in die Bürgerschaft sieht sich AfD-Spitzenkandidat Jörn Kruse als Gewinner. Er kündigt an, „mit allen seriösen Parteien“ zusammenarbeiten zu wollen. Dabei stößt seine AfD bei den anderen Parteien auf viel Widerstand.

Hamburger Abendblatt:

Die AfD ist knapp in die Bürgerschaft eingezogen. Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Jörn Kruse:

Sehr positiv. Und ich glaube, wenn wir es hier schaffen und in Bremen, dann schaffen wir es überall.

Wie viel Protestpartei steckt in der „Alternative“?

Kruse:

Wenn Sie mit Protest meinen, dass wir Themen ansprechen, die andere unter den Teppich kehren, dann würde ich sagen: Wir sind Protest. Ansonsten sind wir eine seriöse liberal-konservative Partei.

Was haben Ihrer Meinung nach andere Parteien unter den Teppich gekehrt?

Kruse:

Zum Beispiel die Euro-Thematik, aber auch die Rolle des Islam und des Islamismus sowie die Zuwanderung werden in Hamburg nicht präzise genug diskutiert. Da sehen wir sehr genau hin. Die AfD fordert für Deutschland ein Einwanderungssystem nach Punkten, so wie es Kanada durchgesetzt hat. So würden wir nicht nur unqualifizierte Zuwanderung nach Deutschland bekommen wie bisher, sondern auch qualifizierte Einwanderer.

In Ostdeutschland erzielte die AfD teilweise deutlich bessere Ergebnisse als in Hamburg.

Kruse:

Wir haben einen heftigen Gegenwind in der Stadt gespürt, auch von einem großen Teil der Medien, die uns niedergeschrieben haben, während sie Frau Suding von der FDP hochgeschrieben haben. Das hat sicher eine gewisse Wirkung gehabt. Aber wir sind drin.

Wie offen ist die AfD für eine Zusammenarbeit in der Opposition?

Kruse:

Wir werden mit allen vernünftigen Kräften zusammenarbeiten. Keine seriöse Partei schließe ich aus, und auch die FDP ist sicher eine seriöse Partei. Auch wenn ich sage, dass die Partei von Katja Suding im Wahlkampf etwas weniger politisch war und eher schickimickimäßig unterwegs war.

Die anderen Parteien haben sich stark von der AfD distanziert. Wie werden Sie damit umgehen?

Kruse:

Das wird kein Problem sein. Wir diskutieren über Sachverhalte, dann werden wir sehen, wo die besseren Argumente sind, und dann werden wir von der Wahlkampf-Rhetorik wieder wegkommen.