AK St. Georg

Opposition: Wollte Senat Strahlenskandal vertuschen?

Linke und Grüne werfen der Gesundheitsbehörde vor, falsche Angaben zur Ursache der Unterdosierungen bei Krebspatienten gemacht zu haben. Forderung: Alle Berichte veröffentlichen.

Hamburg. Linkspartei und Grüne haben erneut die Arbeit der Gesundheitsbehörde im Fall der fehlerhaften Dosierungen bei der Bestrahlung von Krebspatienten im Asklepios-Klinikum St. Georg kritisiert. Dabei geht es unter anderem um die Frage, warum die Behörde von Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) nicht selbst die Staatsanwaltschaft über die Unregelmäßigkeiten informiert hatte, nachdem im November 2014 ein entsprechender Prüfbericht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte vorgelegen habe. Beide Oppositionsparteien fordern erneut die Offenlegung des Berichts.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass zwischen 2010 und 2013 zehn Personen mit einer zu niedrigen Strahlendosis behandelt worden waren. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Tötung eingeleitet.

Die Gesundheitsexpertin der Linken in der Hamburger Bürgerschaft, Kersten Artus, wirft dem Senat zudem vor, „die Unwahrheit“ gesagt zu haben. Nach ihren Angaben geht aus dem Prüfbericht hervor, dass die Unterdosierungen - anders als zunächst verbreitet - nicht durch einen Softwarefehler des Geräts verschuldet worden sein sollen, sondern durch Fehlbedienungen.

In der Antwort des Senats auf eine Kleine Schriftliche Anfrage der Politikerin heißt es: „Im Fall der Unterdosierungen verweist das für die Risikobewertung zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in seiner abschließenden Bewertung des Falles auf die Untersuchungen des Herstellers. Danach resultierten die fehlerhaften Bestrahlungen (Unterdosierungen) aus einer Fehlinterpretation der Dosisverteilung im Bestrahlungsplan. Eine dadurch bedingte manuell ausgeführte Anpassung brachte systembedingt eine ungewollte Verringerung der Bestrahlungsdauer mit sich.“

Daraus ergeben sich mehr Fragen als Antworten, so Artus. „Der Verdacht auf Ärztepfusch und Vertuschung von Behandlungsfehlern drängt sich auf. Wir sind höchst irritiert über die gegensätzlichen Aussagen“, sagte die Politikerin, die nun eine weitere Anfrage an den Senat stellen will.

Auch Katharina Fegebank, sozialpolitische Sprecherin der Grünen, sieht wegen unterschiedlicher Darstellungen den „SPD-Sentat in Erklärungsnot“. Einen Antrag der Grünen in der letzten Bürgerschaftssitzung auf Offenlegung des Prüfberichts hatten SPD und FDP abgelehnt.

Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde erklärte am Montag, es gebe keine unterschiedliche Darstellung zur Ursache der Vorfälle, lediglich eine unterschiedliche Wortwahl. Eine formale Berichtspflicht an die Ärztekammer habe es zudem nicht gegeben. Der Sprecher räumte allerdings ein: „Dennoch wäre es aus heutiger Sicht besser gewesen, dass der Fachbereich der BGV die Ärztliche Stelle und die Staatsanwaltschaft informiert hätte.“ Die Behörde hat nach eigenen Angaben inzwischen den rennomierten Strahlenmediziner Professor Kimming aus Kiel in eine externe Bewertung einbezogen. Zeitnah sei zudem eine Komplettüberprüfung durch eine Sonderkommission mit zwei Medizinern und einem Physiker vorgesehen.

Die Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft laufen derweil weiter. In der vergangenen Woche waren im AK St. Georg 15 Krankenhausakten beschlagnahmt worden, zudem hatte die Klinik weiteres Material zu Verfügung gestellt. „Die Überprüfung der Akten ist keine Frage von Tagen, sondern von Wochen“, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.