Lokstedt

Hamburg mietet Neubauwohnungen für 40 Flüchtlinge

Foto: Klaus Bodig,Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Das aufwendig gestaltete Mehrfamilienhaus am Lohkoppelweg bietet Platz für 20 Erwachsene und 18 Kinder. Die Behörde spricht von einem „Einzelfall“.

Lokstedt. Die Stadt geht bei der Unterbringung von Flüchtlingen neue Wege: In Lokstedt hat sie ein erst 2014 gebautes Mehrfamilienhaus von der Eigentümerin gemietet, um dort Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen. Nach Abendblatt-Informationen bietet das moderne, aufwendig gestaltete Haus am Lohkoppelweg Platz für bis zu 20 Erwachsene und 18 Kinder. Ursprünglich wurden die Kleinwohnungen für Mieter auf dem freien Markt angeboten.

Laut Anwohnern, die sich seinerzeit nach den Modalitäten erkundigten, waren dafür 17 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter aufgerufen – ein stolzer Preis. Wie viel die Stadt dem Hausbesitzer jetzt zahlt, wird nicht bekannt gemacht. Laut Christiane Schröder von der zuständigen Einrichtung „fördern und wohnen“ sei die Eigentümerin nicht mit einer Veröffentlichung der Modalitäten einverstanden.

Nach Angaben der Sozialbehörde sei die Eigentümerin, die auch Bauherrin war, kurz vor Fertigstellung des Hauses mit dem Mietangebot an die Stadt herangetreten. Nach Angaben von Behördensprecher Marcel Schweitzer hätten sich viele Privatpersonen bei der Behörde gemeldet, um aus humanitären Gründen Wohnraum für Flüchtlinge bereit zu stellen. Das sei unter anderem auf Ausführungen des Schriftstellers Günter Grass zurückzuführen gewesen, der Zwangseinquartierungen von Flüchtlingen vorgeschlagen hatte. Als Gegenentwurf zu Zwangsmaßnahmen hätten die Anbieter freiwillig ein positives Zeichen setzen wollen. Allerdings sei längst nicht jedes Angebot tatsächlich in Frage gekommen.

Am 7.Januar informierte die Sozialbehörde die Bezirksversammlung Eimsbüttel von dem Coup. Zur Begründung wird unter anderem mitgeteilt, dass auch 2015 nicht mit einem Rückgang der Flüchtlingszahlen zu rechnen sei. Neben kurzfristiger Unterbringung in Einrichtungen mit befristeter Nutzungszeit gebe es nun, so wörtlich, „einen Bedarf an längerfristiger Unterbringung in kleineren Einheiten“. Zuvor waren Flüchtlinge unter anderem in Containern oder in „umgewidmeten“ städtischen Gebäuden untergebracht worden, so wie es beispielsweise auch am Standort Sophienterrasse geplant ist. Laut Marcel Schweitzer handelt es sich in Lokstedt um einen Einzelfall „in dieser Form“. Allerdings seien durchaus schon neuere Häuser für Flüchtlinge umgewidmet worden.

Anwohner Michael Thiele macht deutlich, dass er nichts gegen die Unterbringung der Flüchtlinge einzuwenden hat und auch bereit ist, sie bei der Eingewöhnung vor Ort zu unterstützen. Allerdings findet er auch kritische Worte: „Angesichts des großen Wohnraumbedarfs in Hamburg ist mir die Notwendigkeit dieser Aktion schleierhaft“, sagt Thiele. Und ein anderer Anwohner sagt: „In den Wohnungen ist alles vom Feinsten, die werden sicherlich nicht günstig an die Stadt vermietet worden sein.“ Dazu Marcel Schweitzer: „Luxusangebote wurden und werden von uns grundsätzlich abgelehnt. Spekulanten haben keine Chance.“