Nach Gerichtsurteil

Olaf Scholz will Flüchtlingsheim in Harvestehude durchsetzen

Das Verwaltungsgericht hat die geplante Unterkunft in Harvestehude gestoppt. Die SPD-Spitze will unbedingt an dem Bau festhalten. Der Intendant und Anwohner Joachim Lux hielt ein flammendes Plädoyer.

Hamburg. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und SPD-Fraktionschef Andreas Dressel haben die Klagen von Anwohnern gegen das geplante Flüchtlingsheim im vornehmen Harvestehude scharf kritisiert. „Es muss überall in dieser Stadt ein Beitrag dazu geleistet werden, dass wir die Flüchtlinge unterbringen können“, sagte Scholz am Sonntag auf dem Neujahrsempfang der SPD-Fraktion.

Zuvor hatte der Bürgermeister betont, dass er den Einspruch des Bezirks richtig halte und trotz des Gerichtsurteils auf der Einrichtung des Flüchtlingsheims bestehe. "Wir können und werden diese Entscheidung nicht akzeptieren", sagte Scholz. Die Stadt Hamburg und deren Bürger verstünden die Unterbringung von Flüchtlingen als gesamtstädtische Aufgabe.

Und Fraktionschef Dressel betonte: „Es kann nicht sein, dass sich vermeintlich bessere Stadtteile aufgrund der Klage einzelner aus der Verantwortung stehlen können.“ Das Verwaltungsgericht hatte am Freitag nach einer Klage von drei Anwohnern den Umbau des ehemaligen Kreiswehrersatzamts an der Sophienterrasse in ein Heim für rund 220 Flüchtlinge vorerst gestoppt.

Plädoyer von Thalia-Intendant Lux

Thalia-Intendant Joachim Lux hat sich während der Eröffnung der Hamburger Lessingtage am Sonntagvormittag offensiv für eine Flüchtlingsunterkunft in Harvestehude eingesetzt. Lux, der mit seiner Familie selbst in unmittelbarer Umgebung der vorgesehen Fläche lebt, sagte: "Ich empfinde es als Bereicherung und nicht als Bedrohung, wenn dort ein Haus für Flüchtlinge entsteht." Es gab im ausverkauften Thalia-Theater, in dem zur offiziellen Lessingtage-Eröffnung neben Lux noch zahlreiche weitere Bewohner sogenannter "besserer" Wohnviertel saßen, reichlich Applaus für sein Plädoyer für eine offenere Gesellschaft.

Die Lessingtage, die sich im Sinne des namensgebenden Dichters zum sechsten Mal "Um alles in der Welt" drehen, insbesondere aber Toleranz und Völkerverständigung in den Fokus rücken, finden zum sechsten Mal statt und zeigen noch bis zum 8. Februar internationale Gastspiele, Eigenproduktionen und Diskussionsveranstaltungen zum diesjährigen Schwerpunktthema "Aufruhr". Zum Auftakt sprach der renommierte US-Soziologe Richard Sennett über die Vision einer "Open City".