Schüler machen Zeitung

Ich bin Veganerin – und stolz darauf

Jacqueline hat ihr Leben 2014 komplett umgestellt und verzichtet heute auf tierische Produkte auch bei der Kleidung

Hamburg. Das Jahr 2014 hat mein Leben verändert. Ich bin seit einem Jahr Veganerin und das mit Leib und Seele, und ich bin stolz darauf.

Meine Oma und mein Vater meckern ständig, manchmal auch mit meiner Mutter, denn sie machen sie für mein Essverhalten verantwortlich. „Wie kannst du nur dafür sein, dass deine Tochter krank und ungesund lebt, schau’ sie dir an, sie ist ständig müde, blass und hat doch nichts mehr Richtiges zu essen.“

Immer dieses Gerede: „Veganer sind krank!“, „Veganer essen nur Rohkost“, „Veganer sterben früher“. So ein Quatsch, ich fühle mich besser denn je. Ich habe jeden Tag die Kraft, für Zwei zu leben, und finde es immer sehr interessant, neue Dinge in der veganen Küche zu entdecken, und es kann so lecker schmecken.

Im Jahr 2012 hat alles angefangen. Ich bin dem Beispiel meiner Mutter gefolgt und wurde zunächst Vegetarierin. In diesem Punkt ist meine Mutter ein großes Vorbild für mich, denn sie lebt jetzt schon seit mehr als 15 Jahren vegetarisch.

Dass die Tiere mir leid tun, stand für mich nur an zweiter Stelle, der Hauptgrund war meine Gesundheit. Seit meiner Kindheit habe ich eine starke Laktoseintoleranz und kann ohne Tabletten keine Milchprodukte zu mir nehmen. Hinzu kam, dass mir das Fleisch nicht mehr schmeckte und ich immer weniger und später dann gar nichts mehr an Fleischprodukten aß.

Seit August dieses Jahres habe ich auch zu den Tabletten „Stopp!“ gesagt. Wenn der Körper streikt und sagt, dass er das nicht verarbeiten kann, warum soll man es mit Medikamenten erzwingen, wenn es auch ohne tierische Produkte geht?

Für mich war es ein schwieriger Weg, alles Milchhaltige von meiner Speisekarte zu streichen, denn ich esse für mein Leben gerne Schokolade und die fiel dann einfach weg. Ich bekam ständig Heißhungerattacken und dachte auch manchmal daran, wieder „nur“ Vegetarierin zu werden.

Doch mein Körper hat mir die Gedanken und Heißhungerattacken wieder sehr schnell abgewöhnt, denn wenn ich Dinge mit Laktose esse, bekomme ich starke Magenkrämpfe und darauf verzichte ich gern.

Mein Problem war, dass ich zu ruckartig und unüberlegt an die Sache herangegangen bin, denn ich bin eines Morgens aufgewacht und meinte zu meiner Mutter: „Mama, ich bin jetzt Veganerin!“ Um diese Lebensweise leben zu können, muss man sich daran gewöhnen und sich langsam herantasten. Das ist das, was ich auch jetzt mache und ich freue mich immer über jeden Tag, an dem ich ohne Tier auf meinem Teller lebe. Oftmals koche ich auch zu Hause und versuche, meine Oma und meinen Vater an die vegane Küche heranzuführen und ihnen zu zeigen, dass sie doch nicht so eintönig ist, wie sie dachten. Die vegane Küche wird nie ihre Lieblingsküche, aber sie essen es und meckern nicht herum.

Meine Mutter hat mir schon lange, bevor ich vegan wurde, Videos gezeigt, in denen man sieht, wie Tiere misshandelt werden. Danach fing ich dann auch an, gegen Tierquälerei anzukämpfen, und ich muss nun ständig mit denen diskutieren, die denken, Fleischessen sei gut und ein veganes Leben sei schlecht. Aber wie kann man etwas schlecht nennen, was man nicht ausprobiert hat, und wie kann man etwas gut nennen, bei dem man weiß, dass Tiere misshandelt werden?

Meine Logik ist: Wenn ich Rinder, Schweine und Geflügel esse, müsste ich doch auch meine Haustiere essen. „Aber das ist doch etwas ganz anderes, Rinder, Schweine und Geflügel werden doch zum Essen gezüchtet“, immer höre ich das Gleiche. Katzen und Hunde sind nichts anderes als Rinder und Schweine und Letzteres gehört nicht ausgenutzt. Sie können genauso ein treuer Freund sein, wie die bellenden und miauenden Vierbeiner in unserem Zuhause. Doch die konventionellen Fleischesser sind davon überzeugt, dass die gezüchteten, gemästeten und gefolterten Tiere gegessen werden wollen.

In Deutschland sind 0,3 bis 0,6 Prozent der Menschen vegan. In den USA sind es schon 0,9 Prozent der Bevölkerung. Vegetarier gibt es schon mehr und die Zahl scheint zu steigen. Das heißt, die Vegetarier und Veganer erlangen immer mehr Ansehen und die Fleischesser immer weniger.

Auch in Hamburg hat sich für die Veganer viel getan. „The Vegan Eagle“, „Happenpappen – die vegane Wohnküche“ und „Hin&Veg!“ sind nur einige der vegetarischen und veganen Restaurants in der Stadt.

Vegan zu leben, bedeutet nicht nur, auf das Essen zu achten. Es ist viel mehr. Es ist eine Art Abenteuer, denn man muss auf Vieles achten. Beim Einkaufen und Kochen, bei der Kleidung und bei Kosmetik.

Es ist noch ein weiter Weg, bis die Mehrheit der Menschheit ohne Fleisch oder sogar komplett auf Tiere in der Nahrung verzichten, aber ich denke, man sollte die Hoffnung und die Wünsche nie aufgeben.

Jacqueline Christen, Klasse 11c, Berufliches Gymnasium City Nord, H7