Lassen Sie uns für Spiele in Hamburg sein

Auszüge aus der Rede von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider

Ausgerechnet jener Senat, der immer so tat, als würde er einfach nur ordentlich regieren, hat uns in Wahrheit gewaltige Baustellen hinterlassen: Die Bewerbung um Olympische Sommerspiele, die Überdeckelung von Teilen der A7, den möglichen Neubau der U5, die Neue Mitte Altona, das Wohnungsbauprogramm.

Dazu kommen in den nächsten fünf Jahren die Vollendung der Elbphilharmonie und hoffentlich die Vertiefung der Elbe. Dass trotzdem immer noch einige selbsternannte Experten und Politiker Helmut Schmidts Zitat von Hamburg als schlafender Schöne im Mund führen, kann ich nicht verstehen. Die Schöne ist nämlich längst aufgewacht, und wir müssen jetzt dafür sorgen, dass das außerhalb Deutschlands auch mal jemand merkt.

2015 ist das ideale Jahr dafür. Die Stadt steht vor großen Herausforderungen, vor einer Legislaturperiode, die Hamburg so oder so verändern und prägen wird. Deshalb ist die Bürgerschaftswahl, die viele für wenig spannend halten, so wichtig, deshalb sollten möglichst viele wählen gehen. Denn es wird einen Unterschied machen, wer regiert, ob einer allein oder zwei zusammen oder gar noch mehr – einen Unterschied, den man vielleicht erst in vielen Jahren merken wird.

Zum Beispiel, wenn Hamburg wirklich Olympische Spiele austragen sollte. Ich erinnere mich leider noch gut an die Niederlage gegen Leipzig, im Frühjahr 2003 bei der deutschen Entscheidung in München. Damals haben wir Hamburger uns, wie nicht selten, damit getröstet, dass wir die schönere, die reichere Stadt haben, Sie kennen das. Dieses Mal sollten wir uns damit nicht zufriedengeben. Dieses Mal sind wir dran, nicht weil wir eine schöne Stadt, sondern weil wir ein sehr gutes Konzept haben.

Und vor allem: weil wir es wollen. Wir sind leider schnell und erfahren darin, gegen etwas zu sein. Lassen Sie uns ausnahmsweise für etwas sein: für Olympia in Hamburg!

Und lassen Sie uns all jenen, die noch zweifeln, erklären, dass Olympia auch bei jenen großen Hamburger Problemen helfen würde, die jetzt im Wahlkampf Thema sind: bei der Infrastruktur, beim Bau von neuen Straßen, Brücken, beim öffentlichen Nahverkehr ... Wobei Hamburg 2024 wahrscheinlich sowieso weitgehend autofrei sein wird, wenn der Senat in dem Tempo der vergangenen Monate weitermacht (und Tempo meine ich nicht direkt wörtlich). Wir beim Abendblatt haben sicherheitshalber schon mal Dienstfahrräder angeschafft ...

Viel wichtiger: Das Abendblatt wird noch in dieser Woche eine eigene, tägliche Seite zum Thema Olympia einführen – um allen Leserinnen und Lesern zu sagen, was Hamburg von den Spielen hätte: Sie würden den Wohnungsbau voranbringen, die Entwicklung neuer Stadtteile beschleunigen, die Bekanntheit Hamburgs in der ganzen Welt dramatisch erhöhen.

Und: Die reine Bewerbung um die Spiele würde diese Stadt, die an so vielen Ecken auseinanderzubröseln droht, endlich hinter einer Idee versammeln. Olympia kann dieser Stadt einen neuen Geist geben – diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen! Zumal die Austragung der Spiele gar nicht so teuer ist: Für einmal Olympia bekäme man gerade einmal zwei Elbphilharmonien...

Bleibt die Frage, wie der neue Senat aussehen wird: So wie der alte, der es tatsächlich geschafft hat, seit der Wahl 2011 unverändert zu bleiben, ein politisches Wunder? Oder gibt es eine neue Konstellation, sollte Olaf Scholz nicht noch einmal die absolute Mehrheit schaffen...

Sie, lieber Herr Bürgermeister, erklären ja in diesen Tagen gern, dass Sie im Fall eines Falles mit den Grünen koalieren würden. Und ich frage mich manchmal: Ist das jetzt ein ernsthafter Plan oder nur eine geschickt getarnte Drohung? Wahrscheinlich beides...

Wir beim Hamburger Abendblatt sind so oder so auf den 15. Februar gespannt, an dem es ja gar nicht um die Macht im Rathaus, sondern um die besten Plätze bei der Eröffnung der Elbphilharmonie am 12. Januar 2017 geht ...