Radverkehrsausbau

22.000 Euro für einen Fahrradzähler in Hamburg

Auf der Fahrradzählsäule wird tagesaktuell die Anzahl der Radler angezeigt, die in Höhe der Gurlitt-Insel vorbeiradeln. CDU wirft Stadt Geldverschwendung vor – Umfrage: Mehrheit für Radverkehrsausbau.

Hamburg. Verschwendet die Stadt Hamburg beim Ausbau des Radverkehrs sinnlos Steuergelder? Nachdem erst vor Kurzem der Startschuss für den Ausbau des Harvestehuder Weges zu einer Fahrradstraße gegeben worden ist, wollte der Bezirk Mitte jetzt mit besonders innovativen Ideen punkten – und sieht sich harschen Vorwürfen ausgesetzt: 22.000 Euro hat der Bezirk nach Abendblatt-Informationen für die aus Frankreich importierte Fahrradzählsäule an der Alster ausgegeben, die Kosten für die Erdbauarbeiten noch nicht eingerechnet.

Die Opposition im Bezirk Mitte und der Bund der Steuerzahler Hamburg (BdSt) reagierten mit scharfer Kritik. „Wir sind immer wieder erstaunt darüber, wie viele Steuergelder in dieser Stadt für unnötige Projekte verschleudert werden. Ein einzelner, leicht zu manipulierender Fahrradzähler kann keine zuverlässigen wissenschaftlichen Erkenntnisse liefern“, sagte der BdSt-Vorsitzende Lorenz Palte. Auch CDU-Fraktionschef von Mitte, Gunter Böttcher, fand deutliche Worte: „Das Aufstellen dieser Säule ist nur publikumswirksamer Aktionismus ohne wirklichen Mehrwert für die Bürger.“

Dabei findet eine weitere Förderung des Radverkehrs grundsätzlich die Zustimmung der großen Mehrheit der Hamburger, ergab eine aktuelle Umfrage des Abendblatts. Auf die Frage „Soll in Hamburg der Radverkehr ausgebaut werden, auch wenn das zulasten des Autoverkehrs geht?“, antworteten 60 Prozent mit Ja, nur 37 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Zu den Befürwortern zählen vor allem Sympathisanten der Grünen (86 Prozent), der Linken (69 Prozent) und der SPD (63 Prozent). Unter den Gegnern finden sich vor allem Anhänger der CDU: Die Hälfte (51 Prozent) lehnt den weiteren Ausbau des Radverkehrs ab. Aber auch hier sind noch 45 Prozent der Befragten der Meinung, es müsse mehr für die Radler getan werden.

Norman Cordes, Sprecher des Bezirksamts Mitte, verteidigte die kritisierte Investition in den Fahrradzähler an der Alster. Die Säule solle das Selbstwertgefühl der Gemeinschaft der Radfahrer steigern und sei ein Zeichen der Wertschätzung. Außerdem sprach Cordes von einem „Aha-Effekt bei Fußgängern und Autofahrern, wenn diese sehen, wie hoch die Anzahl der Radfahrenden dort ist“.

Auf der Fahrradzählsäule wird tagesaktuell die Anzahl der Radler angezeigt, die in Höhe der Gurlitt-Insel vorbeiradeln. Ausgewertet werden soll laut Bezirk zum Beispiel auch das Fahrverhalten bei verschiedenen Wettereinflüssen oder Tageszeiten. Bei der Einweihung vor wenigen Wochen hatte sich der Bezirksamtsleiter von Mitte, Andy Grote (SPD), sehr angetan von der Investition gezeigt und hoffte, „nebenbei den ein oder anderen Autofahrer zu ermuntern, den Umstieg aufs Fahrrad einfach mal auszuprobieren“. Der Bezirk Mitte hat ohnehin noch mehr vor: Für fünf „Luftpumpenstationen“ werden mehr als 12.000 Euro ausgegeben. Eine davon wird neben der Fahrradsäule an der Gurlitt-Insel an der Alster aufgestellt, weitere sind an den Landungsbrücken, Kaltehofe, Hammer Kirche und dem Inselpark geplant.