Alsterdorf

19-Jähriger nach brutalem Raubmord an Rentnerin vor Gericht

| Lesedauer: 2 Minuten
David Fischer

Drei Männer sollen eine 74-Jährige bei einem Überfall in Alsterdorf geschlagen und geknebelt haben, bis die Rentnerin verstarb. Der 19-jährige Angeklagte stellt sich vor Gericht als Mitläufer dar.

Hamburg. Beim Auftakt eines Prozesses um einen brutalen Raub, bei dem das 74 Jahre alte Opfer ums Leben kam, hat der Angeklagte jegliche Schuld am Tod der Frau von sich gewiesen. Der 19-Jährige räumte am Mittwoch vor dem Landgericht Hamburg zwar ein, mit zwei Komplizen in die Wohnung der Rentnerin im Stadtteil Alsterdorf eingedrungen zu sein, um sie auszurauben. Jedoch stellte er sich nur als Mitläufer dar – und bestritt Vorwürfe, die Frau gemeinsam mit den anderen zusammengeschlagen, gefesselt und mit einem Schal geknebelt zu haben.

Laut Anklage soll er ihren Tod in „gemeinschaftlichem Handeln“ und unter Drogen „leichtfertig verursacht“ haben. Die Frau war im Dezember vergangenen Jahres an dem Knebel erstickt.

Mit einem Trick hatten sich die Männer Zutritt zur Wohnung der 74-Jährigen verschafft: Sie klingelten an der Tür und gaben vor, Medikamente vorbeibringen zu wollen. Tatsächlich aber befanden sich in ihrer weißen Plastiktüte nur Bonbons, wie der Angeklagte sagte. Um bei ihrer Tat keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, hätten sie sich Handschuhe übergezogen. Von einem Bekannten wollten sie erfahren haben, dass die 74-Jährige eine große Menge Bargeld hat.

Erst servierte die ältere Dame ihren vermeintlichen Gäste Getränke. Dann verletzte einer der drei Männer die Frau laut Anklage plötzlich mit einem Hieb ins Gesicht und schlug ihren Kopf brutal gegen einen scharfen Gegenstand. Dabei wurde ein Augapfel zertrümmert.

Von der Attacke will der Angeklagte jedoch nichts bemerkt haben: Während seine beiden Komplizen die Frau malträtierten, habe er einen Schrank im Schlafzimmer nach Schmuck und Geld durchsucht – ohne zu hören, was nebenan passierte. „Ich war total überrascht“, sagte der 19-Jährige. Auf einen Überfall habe er sich eingestellt – nicht aber auf Gewalt.

Als er den Raum verließ, habe er die gefesselte und geknebelte Frau am Boden entdeckt – um ihr Wohlergehen habe er sich dennoch keine Sorgen gemacht. „Ich habe gesehen, wie sie sich bewegte und sich entfesseln wollte. Mir wurde gesagt, dass sie später gerettet würde.“ Es sei nicht geplant gewesen, sie zu töten.

Die Ermittler waren dem jungen Mann über ein Notizbuch auf die Spur gekommen, das er am Tatort verloren hatte, wie der Vertreter der Anklage am Rande der Verhandlung sagte. Gegen die beiden Komplizen werde in separaten Verfahren ermittelt. Vor dem Landgericht sind weitere fünf Verhandlungstage bis zum 9. Dezember geplant.

( (dpa) )

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