Förderkreis

Straße für Friederike Klünder, die gute Seele von Blankenese

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Ralf Nehmzow

Friederike Klünder half Armen und Kranken. Förderkreis will Straße nach ihr benennen

Blankenese. Sie half den Armen und Bedürftigen sowie Tausenden, die an Pocken erkrankt waren: Friederike Klünder (1776 bis 1848) galt als bedeutende Wohltäterin von Blankenese. Die Frau des Versicherungsunternehmers Heinrich Klünder wirkte in dem Stadtteil jahrelang als gute Seele. Jetzt fordern Blankeneser, sie posthum zu ehren, indem man einen Platz, eine Treppe oder eine Straße nach ihr benennt.

„Nach Empfehlungen sind wir für die Bulckestraße, die 1949 nach Dr. Carl Bulcke benannt wurde“, sagt Ronald Holst vom Förderkreis Historisches Blankenese. Bulcke war Jurist und Oberregierungsrat im einstigen Innenministerium in Berlin als Leiter der Filmprüfstelle. Als junger Mann hatte er wohl in Altona und kurz auch in Blankenese gelebt. Holst: „Er gehörte zu den 88 Autoren, die 1933 die Ehrenerklärung für Hitler unterschrieben haben, das ,Gelöbnis treuester Gefolgschaft´.“ Daher biete es sich an, „die unzeitgemäße Ehrung eines Herrn Bulcke“ zurückzunehmen und dafür eine „überaus verdiente“ Blankeneserin mit einem Straßennamen zu würdigen. Holst: „Und das in unmittelbarer Nähe ihres ehemaligen Wohnsitzes, dem Hessehaus.“

Holst und seine Frau haben das Leben der Friederike Klünder erforscht, in ihrem Werk „Blankeneser Frauen“. Klünder galt als die „Schöne auf dem Berg“. Obwohl sie als begüterte Frau in einem Herrenhaus mit Parkgelände lebte, nahm sie Anteil an den gesundheitlichen und finanziellen Sorgen ihrer Mitmenschen. Die Pockenkrankheit grassierte in ihrer Zeit. Viele Menschen starben daran. Die wenigen, die überlebten, waren lebenslang von schlimmsten Narben gezeichnet. Holst: „Als Friederike Klünder erfuhr, dass dänische Ärzte ein Gegenmittel, eine Impfung, gegen diese fürchterliche Seuche entwickelt hatten, ließ sie sich ausbilden.“

Daraufhin ging die junge Frau von Hütte zu Hütte und impfte eigenhändig 2168 Kinder und Erwachsene. Doch damit nicht genug: Um den Menschen die Angst vor der Impfung zu nehmen, nahm sie ihre eigenen geimpften Kinder mit, als blühend gesund aussehende Beispiele für die Wirksamkeit der Impfung.

Auch als die Blankeneser Fischer damals verarmten, litt die Bevölkerung große Not. Friederike Klünder besorgte Flachs und animierte immer mehr Frauen, Leinwand zu weben, die die Wohltäterin für sie vermarktete. Holst: „Ihren Mann animierte sie, eine Ölmühle zu bauen, in der viele arbeitslose Fischer einen neuen Arbeitsplatz fanden.“ Zudem gründete sie eine Armenhilfe, sammelte Geld für besondere Notfälle, beispielsweise auch nach mehreren Brandkatastrophen – bis zu ihrem Tod 1848 lebte sie in Blankenese.

Nach ihrem Tod wurden Haus und Park verkauft. Die an den Park angrenzende Straße Klünders Park wurde 1945 nach einem späteren Eigentümer in „Hessepark“ umbenannt. Die Bulckestraße grenzt an den Park.

„Wir möchten die Erinnerung an die herausragende Frau wieder in der Bevölkerung verankern und sie durch Benennung einer Straße in Blankenese, dem Ort ihres segensreichen Handelns, ehren“, sagt Holst.

In Erinnerung an die herausragende Frau

Doch die Stadt tut sich bislang schwer damit: Die Kulturbehörde, Abteilung Staatsarchiv, nennt die Idee in einem Schreiben einen „hochinteressanten Vorschlag“, zumal man generell bemüht sei, den Anteil von Frauennamen bei Personenbenennungen zu erhöhen. Allerdings seien Umbenennungen eigentlich nur bei „Beseitigung von Unklarheit“ zulässig. Zuständig sei aber das Bezirksamt. Auch dort werde der Vorschlag, eine Verkehrsfläche nach Klünder zu benennen, „positiv aufgenommen“ und stoße auf „breite Zustimmung“, heißt es in einer Stellungnahme.

Und: Möglicherweise sei dies bei einer neuen Straße, die in ein paar Jahren in Altona entsteht, denkbar. Nils Fischer vom Bezirksamt Altona sagt: „Wenn ein entsprechendes Votum der Bezirksversammlung vorliegt, wird das zuständige Staatsarchiv mit dem offiziellen Umbenennungsvorschlag befasst werden. Dies ist ein Verwaltungsprozess, der immer einige Monate in Anspruch nimmt.“

Holst lässt nicht locker: „Es geht nicht, dass man einen Mann wie Bulcke, der so in den Nationalsozialismus verstrickt ist, weiter so ehrt!“ Holst erinnert an frühere Beispiele wie die Umbenennung in die Anne-Frank-Straße, die nach einer jüdischen Schülerin benannt wurde, die von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Ihr Tagebuch machte sie weltbekannt. Davor hieß die Anne-Frank-Straße noch Gustav-Frenssen-Straße – benannt nach dem völkisch-nationalen Schriftsteller, der die Rassenpolitik der Nazis unterstützt hatte. In der Angelegenheit Friederike Klünder hätte nun der Hamburger Senat das letzte Wort.

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