Abendblatt-Fragebogen

Mehrheit der Hamburger lehnt Vorfahrt für Radfahrer ab

Die Bürger halten die Verkehrspolitik in Hamburg für ein Spitzenthema im Wahlkampf. Skepsis herrscht vor allem gegenüber Großprojekten wie die Olympischen Spiele.

Hamburg. Die Hamburger haben in der Fragebogenaktion des Abendblatts überraschend deutlich Zweifel an Großvorhaben geäußert. So fürchtet eine Mehrheit von 55,5 Prozent, dass sich Hamburg angesichts von Großprojekten wie der Fertigstellung der Elbphilharmonie, der HafenCity, dem Bau der Neuen Mitte Altona und des A-7-Deckels sowie der Bewerbung um Olympische Sommerspiele übernimmt. Nur eine Minderheit von 44,5 Prozent glaubt, dass Hamburg alles schafft.

Überraschend groß ist auch die Skepsis gegenüber der Ausrichtung des größten Sportfestes der Welt 2024 oder 2028. So plädieren 39,3 Prozent der Befragten uneingeschränkt für Olympische Spiele, 60,7 Prozent der Hamburger hegen Vorbehalte.

Optimistischer sind die Hamburger für das Ziel der Musikstadt. 59,3 Prozent trauen Hamburg diesen Titel zu, wenn die Elbphilharmonie fertiggestellt ist; 40,3 Prozent zweifeln daran.

Relative Einigkeit herrscht über die großen Themen des Hamburger Wahlkampfs: Rund 57 Prozent der Befragten halten die Verkehrspolitik für das Spitzenthema, Bildung und Wirtschaft kommen nur auf 22 beziehungsweise 21 Prozent. Ein Aspekt ist dabei bei den Wählern besonders umstritten. Die Idee, dass Radfahrer rund um die Alster Vorrang bekommen sollen, finden 46,6 Prozent gut. 53,4 Prozent lehnen sie ab.

Die größte Herausforderung für die Hansestadt ist demnach die marode Infrastruktur. 41,3 Prozent gaben den Zustand der Straßen, Schienen und Wasserwege als Topthema an; die sozialen Unterschiede nannte jeder Dritte als größte Herausforderung. Nur 12,4 Prozent erwähnten hier die Verschuldung. Auffallend viele Hamburger ergänzten ein Thema, das nicht auf der Liste stand – die Unterbringung und Aufnahme von Flüchtlingen. Das wichtigste Thema weltweit sind für die Hamburger die bewaffneten Krisen (70,1 Prozent) vor der Klimaerwärmung (10,7 Prozent) und der Euro-Krise (13,4 Prozent). Der NSA-Skandal spielt nur eine untergeordnete Rolle (5,8 Prozent).

Eher kritisch sehen die Befragten den Wissenschaftsstandort: So finden 63,7 Prozent, dass über die Qualität der Hamburger Wissenschaft zu Recht heftig gestritten wird. 36,3 Prozent können die Debatte nicht nachvollziehen. Die Lage am Wohnungsmarkt hat sich in den vergangenen Monaten nach Einschätzung der Hamburger kaum verbessert. 18,7 Prozent der Befragten sehen eine Entspannung, 81,3 Prozent der Leser widersprachen in diesem Punkt. Überraschend hoch ist der Anteil der Leser, die bei der Bürgerschaftswahl im Februar wählen wollen. 87,3 Prozent stellten ihre Teilnahme in Aussicht, 12,7 Prozent verneinten die Frage.

An der Befragung nahmen 3434 Onlinenutzer und 847 Printleser teil. Die Befragung ist nicht uneingeschränkt repräsentativ – in der Vergangenheit aber deckte sich das Stimmungsbild fast mit den Ergebnissen von Repräsentativbefragungen oder Volksabstimmungen wie etwa dem Rückkauf der Netze.