Kinderbetreuung

Sozialsenator: „Kitas müssen mit Geld haushalten“

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Detlef Scheele (SPD) sieht den Bund in der Pflicht, in den Qualitätsausbau der Kindertagesstätten zu investieren. Im November wird es dazu einen Kongress auf Bundesebene geben.

Hamburg. wird absehbar kein Geld in zusätzliches Kita-Personal stecken. „Die Kita-Träger sollten versuchen, Verbesserungen aus eigenen finanziellen Mitteln zu bestreiten“, sagte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) am Mittwoch. Vom Senat werde es nicht mehr Geld geben. „Sie müssen haushalten – wie Empfänger von staatlichen Zuwendungen auch. Das ist nicht zu viel verlangt.“

Damit erteilte Scheele dem Bündnis Kita-Netzwerk Hamburg, zu dem sich Kita-Leitungen, Erzieher und Eltern zusammengeschlossen haben, eine klare Absage. Das Bündnis übergibt heute einen Brandbrief an Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), in dem es 4000 zusätzliche Erzieher in den 1088 Kitas fordert. Derzeit muss sich laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in Hamburg eine Erzieherin im Durchschnitt um 5,4 Krippenkinder kümmern, bundesweit sind es 4,6. Laut dem Landesrahmenvertrag „Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen“ wird in Hamburg eine 1:6,2-Relation finanziert.

Der Sozialsenator betonte, dass Hamburg für den Kita-Bereich mehr ausgebe, als der gesamte Kulturetat betrage. „Die Ausgaben sind von 240 Millionen im Jahr 2002 auf 560 Millionen Euro in 2014 gestiegen“, sagte er. Eine Besonderheit ist, dass es im Hamburger Landesrahmenvertrag „Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen“ eine Index-Lösung gibt und die Kita-Träger jedes Jahr mehr Geld erhalten. 2013 lag der Index bei 3,27 Prozent, das entsprach 20 Millionen Euro. „Deshalb wundert uns jetzt der Aufschrei“, sagte Scheele.

Größere Einrichtungen könnten durchaus an einigen Stellen Geld einsparen, sagte der Sozialsenator. Wer etwa nicht saniere, eine günstige Miete zahle oder die Finanzen gut manage, könne auch Geld zurücklegen oder in Personal stecken. „Die städtischen Elbkinder-Kitas haben ihren Krippenschlüssel aus eigenen Mitteln um acht Prozent verbessert“, sagte Scheele. Er räumte aber ein, dass es für kleinere Träger deutlich schwieriger ist.

Dass Erzieher eine Vorbereitungszeit fordern, hält er dagegen für legitim: „Da sich das Betreuungssystem nach und nach zu einem ersten Bildungssystem entwickelt, muss man über diese Frage reden.“ Das würde jedoch auch bedeuten, dass die Erzieherausbildung reformiert werden müsse. Scheele: „Ich bin für eine duale Ausbildung.“

Um die Qualität in Kitas und Krippen wird es im November auch auf einem Kongress auf Bundesebene gehen. Für Hamburgs Sozialsenator steht fest, dass sich der Bund am Qualitätsausbau der Kitas beteiligen muss: „Wir sehen den Bund hier in der Pflicht.“

( (coe) )

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