Geldinstitut

Die Haspa senkt im Oktober ihre Dispozinsen

Damit ist die Sparkasse allerdings immer noch teurer als Hamburger Wettbewerber. Der Überziehungszins fällt weg. Stiftung Warentest: Zu viele Banken nutzen den Dispozins, „um ihre Kunden zu schröpfen“.

Hamburg. Gerade in Zeiten, in denen die Sparzinsen nahezu auf Null gesunken sind, passen die bei vielen Banken noch zweistelligen Dispozinsen aus Sicht von Kunden und Verbraucherschützern nicht mehr rechts ins Bild. Die Haspa, die sich bei ihren Konditionen dafür üblicherweise an einem Referenzzins orientiert, hat sich jetzt entschieden, die Dispozinsen zum 1. Oktober außer der Reihe zu senken. Für die mehr als 900.000 Privatgirokonten werden sie von derzeit 11,81 auf 10,95 Prozent reduziert. Etliche Inhaber der rund 630.000 Haspa-Joker-Konten profitieren jedoch künftig von noch günstigeren Konditionen. Denn für die beiden teuersten Joker-Varianten (premium und comfort) betragen die Zinssätze künftig nur noch 8,95 beziehungsweise 9,95 Prozent.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Stiftung Warentest einen Vergleich der Bedingungen von bundesweit 1504 Geldinstituten veröffentlicht. Das Resultat: Im Schnitt zahlten die Kunden zum Stichtag 1. August für die Dispo-Nutzung 10,65 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 11,31 Prozent gewesen. Der günstigste Anbieter verlangte jetzt 4,9 Prozent, der teuerste 14,25 Prozent.

Zu viele Banken nutzten den Dispozins, „um ihre Kunden zu schröpfen“, sagte Stiftungsvorstand Hubertus Primus. Nach Ansicht der Tester müsste ein fairer Dispozins deutlich unter zehn Prozent liegen, denn die Banken selbst können sich Geld untereinander zu historisch niedrigen Konditionen leihen – zum Stichtag für gerade einmal 0,21 Prozent. Eine Umfrage des Hamburger Abendblatts hatte Ende August ergeben, dass von fünf regionalen Anbietern in der Hansestadt bereits vier einen Dispozins unterhalb von zehn Prozent erhoben. Günstigster Anbieter war dabei die Hamburger Volksbank mit 8,95 Prozent. Nach den Worten von Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang hat die jüngste Entscheidung nichts mit der Kritik an der Branche zu tun. „Wir haben uns nicht unter Druck gefühlt, den Dispozins zu senken“, so Vogelsang. „Wir haben uns allerdings umgesehen, was in die Wettbewerbslandschaft passt.“ Außerdem müsse man davon ausgehen, dass die Niedrigzinsphase noch mehrere Jahre lang anhält.

„Mit einem gestaffelten Dispozins von 8,95 Prozent bis 10,95 Prozent sind wir im Hamburger Markt sehr gut positioniert“, so der Sparkassenchef. Nach seiner Darstellung muss der Zinssatz deutlich höher sein als etwa für einen Ratenkredit: „Dispokredite haben einen hohen Verarbeitungsaufwand, weil sie jederzeit ohne Vorankündigung in Anspruch genommen werden können. Der Dispositionsrahmen steht dem Kunden verlässlich und ohne zusätzliche Prüfung rund um die Uhr zur Verfügung.“ Zudem müsse man regelmäßig überprüfen, ob der Rahmen im Hinblick auf die Einkommensverhältnisse des Kunden noch angemessen ist.

Weiterhin schafft die Haspa den Überziehungsszins bei Dispo-Krediten für alle privaten Girokonten ab; wird der Disporahmen überschritten, verlangt die Haspa bisher einen Aufschlag von nochmals vier Prozentpunkten. Die Sparda-Bank Hamburg hatte den Überziehungszins schon im Juli gestrichen.

Der Zinsaufschlag habe die Kunden vor zu hoher Verschuldung warnen sollen, erklärte Vogelsang. „Aus unserer Sicht hat die persönliche Beratung aber eine viel stärkere Wirkung.“ Im Gespräch könne man gemeinsam mit dem Kunden eine günstigere Finanzierungsvariante finden, so Vogelsang. Die deutliche Absenkung der Dispozinsen bei den Spitzenprodukten der Haspa-Joker-Reihe steht im Zusammenhang mit einer allgemeinen Aufwertung dieser Angebote. Eine der Neuheiten: Der Telekommunikationspartner O2 gewährt Kontoinhabern zehn Prozent Rabatt auf den monatlichen Basispreis aller Mobilfunktarife mit 24 Monaten Laufzeit. Die Hamburger Firma iHelpStore repariert Handys, Laptops und Spielekonsolen innerhalb einer Stunde mit 15 Prozent Rabatt. Schon bisher gibt es Vorzugskonditionen unter anderem bei Dat Backhus, McDonald's, Cinemaxx und Hamburg Energie.

Bei den Girokonten geht die Haspa konsequent einen anderen Weg als etliche Wettbewerber, die mit Gratiskonten werben. „Wir sind überzeugt davon, dass Mehrwertkonten das Thema der Zukunft sind“, so Vogelsang. Schließlich hätten die Kunden auch damit finanzielle Vorteile: „Bucht man beispielsweise Reisen im Wert von 2.000 Euro über den Joker, spart man allein durch die Reiserückvergütung 140 Euro, während das Konto nur 116 Euro im Jahr kostet.“ Für die Joker-Produkte führt die Haspa zum Jahreswechsel außerdem einen „Kontowecker“ ein. Dieser schickt dem Kunden eine Benachrichtigung auf das Smartphone, wenn ein vorher eingestellter Kontostand unter- oder überschritten wird. Dies soll auch das Abrutschen ins Minus auf dem Konto verhindern.