6-Millionen-Projekt

Umgestaltung: Kioske am Rathausmarkt werden abgerissen

Für sechs Millionen Euro soll der Rathausmarkt umgestaltetet werden. Für eine neuen Touristeninfo müssen die Kioske weichen - doch die Pächter wissen davon wohl nichts.

Altstadt. Nun steht es fest: Hamburg bekommt eine repräsentative Tourismusinformation auf dem Rathausmarkt. Die Eröffnung ist nach Abendblatt-Informationen für Sommer 2017 geplant. Die europaweite Ausschreibung für den Architektenwettbewerb wurde jetzt durch die städtische Sprinkenhof GmbH gestartet. Eine hochkarätig besetzte Jury, darunter Oberbaudirektor Jörn Walter, wird die besten Beiträge auswählen.

Wer den Zuschlag für das prestigeträchtige Bauvorhaben in bester Innenstadtlage bekommt, soll Anfang kommenden Jahres feststehen. Der Baubeginn ist für Anfang April 2016 geplant: „Ich begrüße, dass es jetzt einen europaweiten Wettbewerb auf Initiative der Hamburg Tourismus GmbH für den Neubau einer zentralen Kultur- und Tourismusinformation an so prominenter Stelle im Herzen der Stadt gibt“, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) dem Abendblatt. Der Standort biete die großartige Chance, auch die Metropolregion Hamburg künftig kulturell und touristisch zu präsentieren und mit den dortigen Anbietern zu kooperieren, so Horch weiter. Für die Architekten bedeutet dieser Wettbewerb eine Herausforderung: Denn die neue Tourismusinformation muss baulich in die grünen Pavillons auf dem Rathausmarkt integriert werden, die in den 1980er-Jahren errichtet wurden.

Der Denkmalschutz hat darauf bestanden, dass die in die Jahre gekommenen Bauwerke auf jeden Fall erhalten bleiben.

Die Kioske unter dem Dach der Pavillons dürfen abgerissen werden. Diese gelten vielen als Schandfleck auf dem Rathausmarkt. Hier werden vor allem Bier, Bratwürstchen und Postkarten verkauft. Die Mieter sollen in Kürze über die Planungen der Stadt informiert werden und in absehbarer Zeit die Kündigung für ihre jeweilige Fläche erhalten. Nach Informationen von NDR 90,3 sind die Pächter empört, hintenherum von den Plänen erfahren zu haben.

Die Baukosten sollen nach Abendblatt-Informationen bei rund sechs Millionen Euro liegen und von der Sprinkenhof GmbH getragen werden. Die Hamburg Tourismus GmbH (HHT) mietet dann die Räumlichkeiten. Es wird dort aber nicht nur die HHT ihr Angebot präsentieren, sondern auch weitere Mieter werden vertreten sein. Auch Gastronomie ist geplant.

In der Hansestadt boomt der Tourismus. Im vergangenen Jahr wurden 11,6 Millionen Übernachtungen gezählt. In diesem Jahr wird auf einen neuen Rekord zugesteuert: Von Januar bis Ende Juni wurden rund 5,5 Millionen Übernachtungen verbucht und damit etwa 3,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch für die kommenden Jahre wird mit weiterem Wachstum gerechnet. Ehrgeiziges Ziel ist es, die bayerische Landeshauptstadt München bei den Übernachtungszahlen zu überholen und dann auf dem zweiten Platz hinter Berlin zu landen.

Was aber der Hansestadt bisher fehlt, ist ein repräsentativer Anlaufpunkt für Touristen. Bislang unterhält die Hamburg Tourismus GmbH (HHT) nur die Informationsbüros am Hauptbahnhof und an den Landungsbrücken. Die Pläne für einen zentralen Standort gibt es schon seit Jahren. Bereits im März 2013 hatte Senator Horch im Abendblatt angekündigt, dass eine große Tourismuszentrale eröffnet werden soll. Aber es ging nicht so recht voran. Wohl auch, weil viele Aufgabenträger an diesem Verfahren beteiligt sind.

Doch jetzt kam der Durchbruch – und das begrüßt auch die Politik: „Hamburg ist ein Touristenmagnet und verdient einen würdigen Anlaufpunkt für die Gäste aus aller Welt“, sagte Grünen-Tourismusexperte Anjes Tjarks. Wichtig sei nur, dass ein Architektenentwurf ausgewählt werde, der zum Rathausmarkt passe. Tjarks: „Wir werden auch darauf achten, dass die kalkulierten Kosten eingehalten werden.“ Ein Befürworter des Bauvorhabens ist auch CDU-Tourismusexperte Andreas Wankum: „Eine Metropole wie Hamburg, braucht eine Tourismusinformation in Toplage. Der Rathausmarkt ist ideal.“