Ottenser Initiative wirft Zeise-Eigentümer Leerstand vor

Streit um geplantes Neubauprojekt für weltgrößte Werbefirma

Ottensen. Im Streit um einen geplanten Bürokomplex für den weltgrößten Werbekonzern WPP in Ottensen hat eine Bürgerinitiative jetzt eine neue Kampagne gestartet: Dabei geht es um die historischen Zeisehallen, die der Procom Invest gehören. Das Unternehmen plant auf dem Zeise-Parkplatz das Projekt Zeise-2, in dem mehr als 800 Arbeitsplätze von WPP entstehen sollen. Dort will die Gruppe ihre Hamburger Unternehmen konzentrieren.

Die Initiative „Pro Wohnen Ottensen“ wirft der Procom Invest vor, seit zwei Jahren in den alten Zeisehallen rund 2200 Quadratmeter Büro- und Atelierfläche leer stehen zu lassen. Sie würde zu hohe Mieten fordern, ein Versuch, dort ein Medienzentrum für „kleine und mittlere Kreativunternehmen“ aus dem Stadtteil zu etablieren, sei deshalb gescheitert, sagt Hauke Sann, der Mitglied der Initiative ist und selbst dort die Flächen anmieten wollte. Satt einen neuen Komplex für ein Großunternehmen zu bauen, sollte man lieber die örtliche Kreativbranche fördern, so die Kritik

Ein Leerstand wird bei der Procom jedoch dementiert: Die freien Flächen in der Zeisehalle seien wieder vermietet, nur noch nicht bezogen worden. Der Protest vor Ort richtet sich aber auch gegen die Stadt, die das Grundstück auf dem Parkplatz verkaufen will. Ursprünglich hatte Procom gemeinsam mit dem Unternehmen Quantum ein Wohngebäude geplant, in dem zur Hälfte Sozialwohnungen gebaut werden sollten. Von der neuen Planung befürchte man einen Verdrängungseffekt durch Gutverdiener. „Wir wollen keine Werbefuzzis“, hieß es gar bei der Linken in Altona.

Unterstützt wird das Projekt hingegen von der örtlichen SPD. Er habe für solche Kritik „keinerlei Verständnis“, sagt Altonas SPD-Bezirksfraktionschef Thomas Adrian. „Die Menschen, die dort arbeiten werden, gehören zu den Normalverdienern.“

Noch in diesem Monat wird die Kommission für Bodenordnung über den geplanten Grundstücksdeal entscheiden. Sollte sie zustimmen, dürften die Investoren wenig später einen Bauantrag an das Bezirksamt Altona auf den Weg bringen. Eine Genehmigung wäre dann mehr als wahrscheinlich: Der aktuelle Bebauungsplan sieht eine Gewerbenutzung des zentral gelegenen Grundstücks ausdrücklich vor.