Bauarbeiten

Senat saniert doch beide Röhren des Alten Elbtunnels

Die Bauarbeiten galten zuletzt als zu teuer. Hamburg will jetzt Zuschuss vom Bund einwerben. Kritik kommt von CDU. Der Alte Elbtunnel, der unter Denkmalschutz steht, wird bereits seit 1994 saniert.

Hamburg. Der Senat plant nun offenbar doch eine vollständige Sanierung des Alten Elbtunnels. Anders als von der SPD-Bürgerschaftsfraktion im Juni verkündet, steht die Restaurierung beider Röhren überraschend doch im Haushaltsplanentwurf 2015/16 der Behörde für Wirtschaft und Verkehr von Senator Frank Horch. Unter der Überschrift „Allgemeine Hafeninfrastruktur“ heißt es dort: „Sanierung St. Pauli Elbtunnel: Die Gesamtmaßnahme umfasst die Sanierung der beiden Tunnelröhren sowie des (bereits fertiggestellten) Schachtgebäudes St. Pauli.“

Noch im Juni hatte SPD-Finanzpolitiker Jan Quast das einstweilige Aus für die Sanierung der Weströhre verkündet, da die mittlerweile auf 42 Millionen Euro gestiegenen Kosten „im Haushalt nicht darstellbar“ seien. Daher solle es zunächst bei der Sanierung der Oströhre bleiben, die bis 2017 für mehr als 47 Millionen Euro abgeschlossen werden sollte. Für die Weströhre planten die Genossen demnach zunächst eine minimale Instandsetzung nebst Sicherung. Allein dafür würden allerdings laut Senat Kosten von drei Millionen Euro entstehen. Zudem würden für Überwachung und Instandhaltung jährlich etwa 500.000 Euro anfallen. Der Senat räumte bereits im Juni ein, dass die Weströhre ohne Grundsanierung für nur noch höchstens zehn bis 15 Jahre betrieben werden könne.

Offenbar sind sich SPD-Bürgerschaftsfraktion und Senat in der Frage der Sanierung nicht einig. „Die erwähnte Gesamtmaßnahme, so wie im jahrelangen Vorlauf von der Bürgerschaft ermächtigt, umfasste beide Tunnelröhren“, sagte Wirtschaftsbehörden-Sprecherin Susanne Meinecke dem Abendblatt. „Inwieweit nach den Erkenntnissen bei der Sanierung der ersten Tunnelröhre nunmehr für die zweite Röhre grundlegende Planungs- und Nutzungsveränderungen vorgenommen werden müssen, darüber haben weder Senat noch Bürgerschaft bisher abschließende Entscheidungen getroffen.“

Vor dem Start der Sanierung fehlten wichtige Bauunterlagen

Diese Aussage kann man getrost als verbale Ohrfeige für den SPD-Finanzpolitiker und Bürgerschaftsabgeordneten Jan Quast lesen. Der sei selbst verantwortlich, wenn er ohne offizielle Beschlüsse mit Aussagen zu einem Sanierungsstopp vorpresche, hieß es hinter vorgehaltener Hand aus dem Senat. Insofern blieb zunächst unklar, ob es eine erneute Kehrtwende bei der Sanierung des Tunnels gibt.

Quast selbst will von einem Konflikt zwischen Fraktion und Senat nichts wissen. Die Sanierung der Weströhre würde voraussichtlich frühestens nach Ablauf des nun zu verabschiedenden Doppelhaushalts starten können, sagte er. Da es sich bei dem Alten Elbtunnel um ein Denkmal von nationalem Rang handele, wolle man wie bereits vereinbart versuchen, Geld vom Bund einzuwerben.

CDU-Finanzpolitiker und Fraktionsvize Roland Heintze kritisiert die SPD. „Zwischen Wirtschaftsbehörde und SPD-Fraktion herrscht offensichtlich immer noch Uneinigkeit, da hilft auch die Nebelkerze der Bundesmittel nichts“, sagte Heintze. „Die nötige Sanierung darf nicht weiter verzögert und damit unnötig verteuert werden.“

Der 1911 eröffnete Alte Elbtunnel, der unter Denkmalschutz steht, wird bereits seit 1994 saniert. Die zunächst auf bis zu 15 Millionen Euro geschätzten Gesamtkosten sind mittlerweile auf etwa 100 Millionen Euro gestiegen. Begründet wurde die Kostensteigerung auch mit fehlenden Unterlagen zum historischen Bauwerk. Dadurch hätte es immer wieder unerwartete Probleme gegeben. So war der Beton offenbar deutlich härter als gedacht, und in der stählernen Außenhaut wurden mehr undichte Stellen gefunden als erwartet.