Congress Centrum Hamburg

Dalai Lama: „Wir selbst müssen den Frieden schaffen“

Am Sonnabend sprach das Oberhaupt der Tibeter im Congress Centrum Hamburg. Gut 7.000 Zuschauer kamen am Morgen, um de Dalai Lama zu hören. Bis zum 26. August ist er noch zu Gast in der Hansestadt.

Hamburg. Mit einem Plädoyer für globale Werte wie Gewaltlosigkeit und Mitgefühl hat der 14. Dalai Lama am Sonnabend seine öffentlichen Vorträge im Hamburger Kongresszentrum CCH begonnen. Vor rund 7000 Zuhörern sprach er sich dafür aus, die "inneren Werte" zu entwickeln und auf dieser Basis ethisch zu handeln. "Die Gewaltlosigkeit findet im Herzen statt", sagte der 79 Jahre alte buddhistische Mönch. Gewaltlosigkeit bedeute nicht die Abwesenheit von Gewalt, sondern die innere Abkehr von egoistischen Haltungen, mit der andere Kreaturen geschädigt würden. Die Konflikte auf der Welt wie im Irak und in Syrien sind nach Ansicht des geistlichen Oberhaupts der Tibeter nicht mit Waffen, sondern nur im Geist des Dialogs zu lösen. Scharf kritisierte er die gewaltbereiten Muslime. "Wer im Namen Allahs Blut vergießt, kann sich nicht als Muslim bezeichnen." Auch sie hätten eine falsche, egoistische innere Haltung, die von Aggressionen geprägt sei.

Der Dalai Lama entwickelte in seinem Vortrag die Konturen einer religionsübergreifenden säkularen Ethik, die auch für Nichtgläubige sinnvoll sei. "Denn alle Menschen sind in ihren Gefühlen, ihrem Geist und ihrer Physis gleich." Zu den Grundwerten dieser Ethik gehören neben Gewaltlosigkeit auch Toleranz und Vergebung. Den Frieden auf der Welt könnten die Menschen nur aus eigenem Tun schaffen, nicht mit der Hilfe Allahs oder Buddhas.

„Frieden fällt nicht vom Himmel“

"Der Frieden fällt nicht vom Himmel. Er kommt nicht von Allah oder Buddha, sondern nur von uns selbst." Auch die Gebete selbst würden nicht automatisch den Frieden bringen. Wem, fragte der Dalai Lama, sollte Allah im Gebet recht geben, wenn beide gleichzeitig – Schiiten und Sunniten – zu ihm beteten?

"Wir selbst müssen es tun und den Frieden schaffen", sagte er unter dem Beifall der Zuhörer.

Kritik von China

Am Rande des Besuches protestierte eine religiöse Gruppe vor dem Dammtorbahnhof gegen den Dalai Lama. Er habe gewaltsam tibetische Andersgläubige aus ihren Gemeinschaften vertrieben, kritisierten sie und skandierten: "Falscher Dalai Lama, hör auf zu lügen." Dabei geht es um die Gruppe der Shugden-Praktizierenden.

Auch China hatte Kritik an dem Besuch geäußert, der noch bis Mitte nächster Woche dauern wird. Tatsachen hätten wiederholt gezeigt, dass der Dalai Lama kein "einfaches religiöses Oberhaupt" sei, sondern ein politischer Exilant, der im Ausland unter dem Deckmantel der Religion "separatistische Aktivitäten gegen China" betreibe, sagte der Sprecher der Botschaft der Volksrepublik China in Berlin dem Abendblatt. "Sein Besuch bringt immer negative Folgen für die Beziehungen zwischen China und dem betreffenden Land mit."

Am Nachmittag will der Dalai Lama darlegen, wie die innere Geisteshaltung mit den globalen Werten erreicht werden kann.